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Jenseits des Elfenbeinturms

Das Institut für sozial-ökologische Forschung wird 20 Jahre alt

Im renommierten Frankfurter Institut für sozialökologische Forschung arbeiten seit 1989 Biologen, Ökonomen, Physiker und Soziologen interdisziplinär an sozialen Themen und Umweltfragen. Bei der Analyse macht das Institut nicht Halt – die Forscher nehmen vor allem das Handeln im Alltag in den Blick, zum Beispiel beim Thema Wasser.

Die Adresse ist seit 20 Jahren dieselbe: Hamburger Allee 45, Hinterhaus. Doch das Institut für sozialökologische Forschung (ISOE), das dort im Januar 1989 seine Tätigkeit aufnahm, hat sich in dieser Zeit stark verändert. Es ist vor allem enorm gewachsen, weshalb auch weitere Gebäudeteile angemietet wurden und mehrmals umgebaut werden musste. "Angefangen haben wir mal mit fünf Leuten, heute sind wir 27", berichtet Dr.Thomas Jahn, der das ISOE schon von Beginn an leitet.

Dynamisch und standorttreu

Für den Institutsleiter ist diese Dynamik bei gleichzeitiger Standorttreue auch eine Metapher für das Selbstverständnis des renommierten Forschungsinstituts: Der gesellschaftliche Wandel wird begleitet, analysiert und mitgestaltet, gleichzeitig hält man an seinen Grundüberzeugungen fest. Sich nicht vereinnahmen zu lassen und vor allem nicht dem Druck zur Vereinfachung nachzugeben, auch wenn das den Verlust von Forschungsaufträgen bedeuten könnte – das sind laut Jahn jene Leitsätze, die er und seine 17 wissenschaftlichen Mitarbeiter bei ihrer Arbeit niemals aus den Augen verlieren sollten.
Am Anfang stand das Reaktorunglück von Tschernobyl
Im Jahr des Mauerfalls gegründet, war es jedoch ein anderes Ereignis, das wesentlich Einfluss auf die Entstehung des Instituts nahm: das Reaktorunglück von Tschernobyl im April 1986. Schock und Erschütterung über die Dimensionen dieser technologischen Katastrophe führten damals zumindest bei einem Teil der Bevölkerung zu einem Umdenken: Man begann, wie Jahn es formuliert, die "Janusköpfigkeit der Wissenschaft" zu entdecken, die "Problemverursacher und Problemlöser" in einem sei, und das gelte ebenso für die Nukleartechnologie, für genverändertes Saatgut oder die Stammzellenzüchtung.

Forscherblick auf das Handeln im Alltag

Forschungseinrichtungen, die die Gefahren dieser Entwicklungen kritisieren, gibt es etliche. Doch das ISOE macht bei dieser Analyse nicht Halt: "Unsere Arbeit steht ganz stark unter dem Handlungsaspekt", erläutert Jahn. "Wir fragen: Was bedeuten die großen Themen Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt etc. für das Handeln im Alltag?" Wobei sich "Alltag" ganz unterschiedlich definieren lasse: So könne damit die Lebenswirklichkeit von Menschen ohne sauberes Trinkwasser im nördlichen Namibia ebenso gemeint sein wie das Selbstverständnis bestimmter "Lebensstilgruppen" in einem Stadtteil oder die spezifische Situation der weiblichen Mitarbeiter in einem sächsischen Krankenhaus.

Einzigartig in der bundesdeutschen Wissenschaftslandschaft

Das Zusammenwirken einzelner Wissenschaftsdisziplinen wie Biologie, Ökonomie, Physik und Soziologie wird im ISOE um die Dimension der Praxis erweitert. Und in dieser Gesamtschau, ist der Institutsleiter überzeugt, "stehen wir einzigartig in der bundesdeutschen Wissenschaftslandschaft da". Aber mit fester Ortsanbindung, denn von Anbeginn an fühlte sich das ISOE der von der Frankfurter Schule begründeten Kritischen Theorie verpflichtet, die die "große Frage nach dem Verhältnis von Natur, Gesellschaft und Individuum" aufgeworfen habe. Institutionell unabhängig, ist das ISOE vor allem auf die Förderung durch Drittmittel angewiesen. Um diese zu bekommen, beteiligt man sich re gelmäßig an Vergabeverfahren des Bundesforschungsministeriums. Hinzu kommen einzelne konkrete Forschungsaufträge, meist von der öffentlichen Hand. Außerdem unterstützen das Land Hessen und die Stadt Frankfurt das Institut mit Zuschüssen.

Forschungsschwerpunkt Wasser

Aktuell arbeitet das ISOE in Kooperation mit den Städten Frankfurt und München an einem Projekt über "CO2-arme Lebensstile". Die erste Runde in einem vom Bundesforschungsministerium ausgeschriebenen Wettbewerb wurde bereits gewonnen, die Chancen auf eine Förderung stehen also gut. Doch bekannt wurde das Institut vor allem durch seinen Forschungsschwerpunkt "Wasser" – "auf diesem Gebiet besitzen wir die größte Expertise", glaubt Jahn. Die Bandbreite ist dabei groß: So hat das ISOE dazu beigetragen, Lösungsansätze für eine innovative Wasserversorgung in Namibia zu entwickeln, aber auch Analysen zu einer möglichen Privatisierung und Marktöffnung der hiesigen Wasserwirtschaft angestellt.

Arbeitslose als Energiesparberater

Weitere Themen sind Energieversorgung, Mobilität, Raumentwicklung, Demographie und Geschlechtergerechtigkeit. Eines der ersten Projekte, das am ISOE verwirklicht wurde, war eine Studie zum Thema "Frauen und Müll". In jüngster Zeit erregte der vom ISOE gemeinsam mit der Frankfurter Caritas organisierte "Cariteam-Energiesparservice" bundesweit Aufsehen: Langzeitarbeitslose wurden dazu ausgebildet, sozial schwachen Familien Ratschläge zur Senkung ihres Strom- und Wasserverbrauchs zu geben – eine ebenso einfach wie geniale Idee.
Barbara Goldberg

Quelle: www.isoe.de

(Redaktion)


 


 

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