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Präventionsprojekt

Erster Internetfriedhof für virtuelle Figuren eröffnet

(bo/ddp-hes). Die ersten Gräber auf dem neuen Internetfriedhof für virtuelle Figuren sind bereits eingerichtet.

Fantasievolle Namen wie Iznais, Loophole oder Shogunazzazzin stehen
auf den stilisierten Grabsteinen beim Portal herolymp.de, das am
Mittwoch freigeschaltet wurde. Das bundesweit einmalige Projekt der
Stadt Frankfurt soll Compterspielsüchtigen helfen, sich von ihrem
künstlichen Charakter, dem sogenannten Avatar, zu verabschieden.

Ausgedacht haben sich die ersten Beispiele für begrabene Avatare
die Studenten Florian Schweitzer und Seong Wong Ly. Sie gehören zu
den Studenten der Frankfurter Academy of Visual Arts (AVA), die den
«Herolymp» im Auftrag der Stadt Frankfurt entworfen haben. Die jungen
Männer haben selbst Erfahrung mit Online-Rollenspielen und wissen
deshalb, mit welchen Problemen Computerspieler zu kämpfen haben.

Die Beweggründe eines Spielers, der seinen Avatar beerdigt,
könnten zum Beispiel so lauten: «Nachdem ich meine Freizeit die
letzten fünf Jahre ausschließlich in das Game gesteckt habe und dabei
einiges auf der Strecke geblieben ist, zog ich mein Fazit.
Onlinespiele sind wie Zigaretten, man ist sich über die Gefahr
bewusst, aber macht es trotzdem.»

In den Fantasiewelten kämpfen die Spieler etwa als Krieger,
Monster oder Magier mit anderen Gestalten. Missionen müssen erfüllt
und Eroberungen geplant werden. «Das fängt alles relativ harmlos an»,
sagt der 27-jährige Florian Schweitzer. «Aber irgendwann passiert es,
dass man drei, vier Stunden online bleibt, obwohl man sich nur eine
halbe Stunde vorgenommen hat.» Nach und nach würde das Spiel
wichtiger werden als etwa Verabredungen mit Freunden. «Die Leute
hocken dann nur noch drinnen vor dem Computer, essen Fast Food und
gehen selbst bei schönem Wetter nicht mehr raus», erzählt Schweitzer.
Jemand, der sich so verhalte, sei suchtgefährdet.

Dieser Meinung ist auch die Frankfurter Gesundheitsdezernentin
Manuela Rottmann. Zusammen mit dem städtischen Drogenreferat und der AVA gründete sie deshalb das Projekt «Herolymp». Ursprünglich war
eine Plakataktion geplant, sagt Rottmann. Doch die Studenten der AVA
hätten die gute Idee gehabt, den Friedhof für Avatare im Internet zu
schaffen. «So erreichen wir die Betroffenen direkt im Internet, wo
sie viel Zeit verbringen.» Studien hätten gezeigt, dass
Onlinerollenspieler durchschnittlich 22 Stunden pro Woche mit ihrem
virtuellen Charakter spielten.

Besonders Online-Spiele wie das Strategiespiel «World of Warcraft»
bergen laut Rottmann ein hohes Suchtpotenzial: Die Teilnahme ist
kostenpflichtig, das Spiel geht auch weiter, wenn der Spieler offline
ist, und die gestellten Aufgaben müssen mit anderen Spielern
gemeinsam gelöst werden. Dies erzeuge eine hohe Bindungskraft und
steigere das Risiko, in die virtuelle Welt abzudriften.

Computerspiele sollten dennoch nicht verteufelt werden, sagt
Rottmann. «Wir wollen nicht verbieten, dramatisieren oder
stigmatisieren». Herolymp.de solle vielmehr eine Hilfe sein für
diejenigen, die ich aus eigenem Antrieb von ihrer Spielsucht
distanzieren möchten. Über die Internetseite können Betroffene auch
Kontakt zur Frankfurter Drogenberatungsstelle aufnehmen. 25 000 Euro
hat sich die Stadt das Projekt bislang kosten lassen. Künftig soll
auf Plakaten in der U-Bahn und auf Bannern im Internet für das Portal
geworben werden.

(ddp-Korrespondent Ulrich Breitbach)


 


 

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