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Kundgebung mit 450 Teilnehmern

Islamprediger findet weniger Zuhörer als erwartet

(bo/dapd). Ein Auftritt des fundamentalistischen Islampredigers Pierre Vogel hat am Samstagabend in Frankfurt deutlich weniger Zuhörer angelockt als erwartet. Die Polizei zählte auf dem Rebstockgelände etwa 450 Teilnehmer, angemeldet gewesen waren mehr doppelt bis dreimal so viele.

Die Veranstaltung verlief friedlich. Wie vom Verwaltungsgericht Frankfurt als Bedingung vorgeschrieben, wurde der getötete Terrorist Osama bin Laden mit keinem Wort erwähnt. "Der Terrorismus ist mit dem Islam nicht vereinbar", betonte Vogel.

Der 32 Jahre alte Konvertit aus dem Rheinland hatte zunächst angekündigt, auf dem Roßmarkt ein islamisches Totengebet für bin Laden sprechen zu wollen und damit für heftige Empörung gesorgt - auch innerhalb der eigenen Reihen. Das Ordnungsamt verbot die Kundgebung. Kurz darauf machte Vogel einen Rückzieher, bedauerte sein "ungeschicktes Vorgehen" und nahm von dem Totengebet Abstand. Das Verwaltungsgericht genehmigte die Open-Air-Veranstaltung unter Auflagen und verbannte sie aus der Innenstadt.

"Spontaner Einfall"

Am Rande der Kundgebung wollte Vogel die mäßige Resonanz nicht auf die Kritik an dem geplanten Totengebet für den Al-Kaida-Führer zurückführen. Vielmehr sei die Vorlaufzeit viel zu kurz gewesen, um für die Veranstaltung richtig zu werben. Schuld sei auch der Ort. Das Rebstockgelände liege "am Ende der Welt", sagte der salafistische Prediger. Gleichwohl räumte er ein, mit der Ankündigung des Totengebets einen Fehler gemacht zu haben.

"Das war ein spontaner Einfall", sagte er. Das eigentliche Missverständnis liege aber darin, dass die Bedeutung eines Totengebets falsch verstanden werde. "Es wird als Huldigung des Toten verstanden, dem ist aber nicht so", fügte er hinzu. Vielmehr sei es im Islam Pflicht, für die Toten ein Gebet abzuhalten. Da bin Laden ins Meer geworfen worden sei, habe er das eben übernehmen wollen. Er lehne Terrorismus entschieden ab. "Terrorismus ist unislamisch", sagte Vogel.

Bei seiner einstündigen Rede zum Thema "Wie steht der Islam zum Terrorismus" bekräftigte der Prediger diese Position. "Ich bin überzeugt, dass das nicht der Weg des Propheten Mohammed ist."

Kaum Gegendemonstranten

Die Polizei war bei der Kundgebung stark vertreten. Sie kontrollierte die Taschen der Teilnehmer, Frauen mit Schleier vor dem Gesicht wurde der Zutritt verweigert. "Das verstößt gegen das Vermummungsverbot", sagte ein Polizeisprecher. Auf dem abgesperrten Gelände versammelten sich Männer und Frauen auf getrennten Seiten vor der Bühne. Ein Junge und ein Mädchen konvertierten zum Abschluss der Veranstaltung öffentlich zum Islam.

Bei der Kundgebung kam es zu keinerlei Zwischenfällen. Auch ließen sich diesmal kaum Gegendemonstranten blicken, lediglich ein älterer Mann hielt ein Schild mit der Aufschrift "Islamisten hassen Demokraten" in der Hand.

Vogel hatte vor zweieinhalb Wochen in der Frankfurter Innenstadt eine Kundgebung unter dem Titel "Islam - die missverstandene Religion" vor etwa 1.500 Zuhörern abgehalten. Damals war der als Hassprediger kritisierte Bilal Philips aus Kanada zu Gast, der wegen seiner homophoben Äußerungen anschließend ausgewiesen wurde.

Katrin Hedtke

(dapd )


 


 

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