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DGB Hessen fordert erneut Mindeslohn

Jeder fünfte Beschäftigte in Hessen bekommt Niedriglohn

(bo/ddp-hes). Einer Erhebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zufolge arbeitet in Hessen jeder fünfte Beschäftigte im Niedriglohnsektor. Die Befunde seien alarmierend, sagte der hessische DGB-Vorsitzende Stefan Körzell am Montag in Frankfurt. Der Anteil der Niedriglohnbezieher unter den Beschäftigten nehme stetig zu und liege jetzt bei knapp 19 Prozent. Körzell forderte daher erneut die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 7,50 Euro pro Stunde. Nach Ansicht der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung wird die Mindestlohn-Debatte in Deutschland «borniert geführt».

Bei einem Arbeitsentgelt handelt es sich für den DGB - wie auch
für die EU und die Bundesagentur für Arbeit - um einen Niedriglohn,
sobald es nicht zwei Drittel des mittleren Bruttostundenlohns
erreicht. Bei ihren Erhebungen in Hessen hat die Gewerkschaft die
westdeutsche Niedriglohnschwelle von 9,61 Euro herangezogen. Dass 19
Prozent der hessischen Beschäftigten für einen darunterliegenden
Stundenlohn arbeiten, bezeichnete Körzell als «erschreckend», da das
Land eine der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands sei.

Der Erhebungen zufolge hat der Einzelhandel mit 18,5 Prozent den
größten Anteil am Niedriglohnbereich, gefolgt vom Gesundheits- und
Sozialwesen mit 14 Prozent und den Unternehmensdienstleistern - wie
zum Beispiel Sicherheits- und Reinigungsfirmen - mit 10,4 Prozent.

Rund ein Viertel aller Frauen in Hessen würden für Niedriglöhne
arbeiten, bei Männern seien es 13 Prozent. Insgesamt bekämen rund 460
000 Menschen in Hessen Niedriglöhne. Ausländer seien stärker
betroffen als Deutsche, erläuterte Körzell: «Eine Grenze nach unten
ist bei Stundenlöhnen nicht auszumachen.» Auch fänden die Menschen
zunehmend schwerer aus dem Niedriglohnsektor heraus.

Körzell räumte ein, dass auch seine Gewerkschaften teilweise
Tarife vereinbart hätten, die unter der Niedriglohnschwelle liegen.
Im Bereich Floristik betrage der Stundenlohn in der untersten
Tarifgruppe zum Beispiel derzeit 5,94 Euro. Wegen der vielerorts
niedrigen Löhne in Hessen würden auch immer mehr polnische
Erntehelfer «weiterfahren bis in die Niederlande», sagte Körzell. Im
Nachbarland gilt ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,19 Euro.

Der Arbeitsmarktexperte der Böckler-Stiftung, Thorsten Schulten,
sagte am Montag in Düsseldorf, ein Mindestlohn gelte inzwischen in 20
der 27 EU-Länder. In keinem EU-Land sei der Niedriglohnsektor so
angewachsen wie in Deutschland. «Dabei weisen die guten Erfahrungen
unserer Nachbarn in eine andere Richtung», fügte Schulten hinzu.

In Großbritannien war gegen zuerst starken Widerstand 1999 ein
unterstes Limit für Stundenlöhne eingeführt worden, das inzwischen
bei 7,39 Euro liege, sagte Schulten. Man finde inzwischen «keinen
britischen Wissenschaftler mehr», der gegen Mindestlöhne
argumentiere, ist er überzeugt. In Deutschland werde die Debatte über
Mindestlöhne hingegen «borniert geführt», sagte er.

(rheinmain)


 


 

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