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Neue Spitze beim Zentralrat der Juden

Frankfurter Kaufmann Dieter Graumann sorgt für einen Generationswechsel

(bo/dapd-hes). Der Frankfurter Kaufmann Dieter Graumann wurde am Sonntag zum ersten Präsidenten der Organisation gewählt, der selbst die Zeit des Holocausts nicht mehr miterlebt hat. Der 60-Jährige löst die Münchnerin Charlotte Knobloch ab, die mit 78 Jahren nicht mehr für das Amt kandidierte.

Zu Vizepräsidenten wurden erneut der Frankfurter Architekt Salomon Korn und neu der Würzburger Arzt Josef Schuster gewählt. Unmittelbar nach seiner Wahl, die in Frankfurt am Main bei Enthaltung des Gewählten ansonsten einstimmig erfolge, kündigte Graumann einen Akzentwechsel an. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wolle nicht länger nur Moralwächter sein, zumal er diese Rolle selbst nie beansprucht habe, und auch nicht bloß als Dauermahner auftreten. Stattdessen gelte es, Impulsgeber zu sein und auch wieder mehr das Positive herauszustellen, durchaus auch "Lebenslust".

"Wir dürfen nicht immer nur sagen, wogegen wir sind, sondern auch wofür, selbst wenn das schwieriger ist", betonte der neue Zentralratspräsident, der damit an der Spitze der Vertretung von derzeit rund 106.000 Menschen jüdischen Glaubens in der Bundesrepublik steht. Er verstehe seine Rolle auch darin, Brücken zu bauen und Allianzen zu bilden, sagte Graumann auf einer Pressekonferenz in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, deren Vorstand er seit 15 Jahren angehört.

Viel Beifall für Knobloch

Damals habe ihn Ignatz Bubis in die Gemeindepolitik geholt, an den er jetzt besonders denke. Graumann bedankte sich auch ausdrücklich bei seiner Vorgängerin Charlotte Knobloch, die vom Zentralrat mit stehenden Ovationen verabschiedet worden sei. Sie habe das Amt mit Herz und Verstand ausgefüllt, und ihr gebühre großer Dank. Knobloch hatte bereits im Sommer angekündigt, dass sie sich nach vierjähriger Amtszeit als Präsidentin zurückziehen werde.

Graumann, der 1950 und damit fünf Jahre nach Ende des NS-Regimes und des Zweiten Weltkriegs in Israel geboren wurde, kündigte an, er wolle "frischen Wind" in den Zentralrat bringen. "Es muss ja nicht gleich ein Taifun" sein, fügte er hinzu. Doch solle sich niemand täuschen, der Zentralrat werde auch in Zukunft gegen Antisemitismus laut und deutlich seine Stimme erheben.

"Trete in große Schuhe"

Vor allem aber gelte es, die jüdische Gemeinschaft, die vor großen Herausforderungen stehe, fit zu machen für die Zukunft und ihr eine dauerhafte Perspektive zu geben. "Wir müssen das Judentum ja nicht neu erfinden", sagte Graumann, "aber uns selbst neu finden". Wichtig sei auch, dass sich die Juden nicht politisch aufspalten ließen und mit einer Stimme sprächen. Wichtigste Aufgabe sei es, die Schätze des Judentums auf die nächste Generation zu übertragen. Deshalb seien Jugend-, Bildungs- und Erziehungsarbeit so wichtig.

Graumann ist der siebte Präsident des 1950 gegründeten Zentralrats der Juden in Deutschland. Zu seinen Vorgängern zählten Heinz Galinski, Herbert Lewin, Werner Nachmann, Ignatz Bubis, Paul Spiegel und als erste Frau die in München lebende Knobloch. Er trete in "große Schuhe", sagte der Neugewählte am Sonntag, und wolle alles tun, sie nicht gleich zu verstolpern. Graumann hat Volkswirtschaft studiert und war danach eine Zeit lang bei der Bundesbank tätig. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

(dapd )


 


 

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