Weitere Artikel
Einzigartiges Geschäftsmodell

Jungunternehmerin beschäftigt nur Mütter mit Kleinkindern

(bo/ddp.djn). Die Memminger Unternehmerin Sabine Kober hat ein ungewöhnliches Belegschaftskonzept: Sie hat 17 Mitarbeiterinnen - und zwar ausschließlich junge Mütter mit Kleinkindern.

«Die Frauen sind Organisationstalente, flexibel und so begeistert von der Arbeit,
dass sie auch Kunden begeistern können», schwärmt die Chefin, die ein
eigenes Geschäftsmodell entwickelt hat, um in ihrer Belegschaft
Haushalt und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Eine der Mitarbeiterinnen ist Stefanie Rott. In ihrer ehemaligen
Firma fühlte sie sich schon vor dem Mutterschutz aufs Abstellgleis
geschoben. Und mit einem Baby finde man keinen Chef, der Mütter
arbeiten lasse, wenn es ihnen in den Tagesablauf passe, sagt sie.
Inzwischen hat sie alle Frauen ihrer Krabbelgruppe an Kober
vermittelt.

Als die 38-jährige Firmenchefin vor zwei Jahren ihre
Vertriebsfirma für Luxusschokolade und Modeaccessoires im bayerischen
Memmingen gründete, hatte die Junggesellin den Kopf voller Ideen,
aber keine Ahnung, wie sie den rasant wachsenden Erfolg bewältigen
sollte. An fest angestellte Mitarbeiter war in der Gründungsphase
nicht zu denken, erinnert sich die Memmingerin, die ihre Büroarbeit
zu Hause erledigt und für den Vertrieb eine kleine Lagerhalle
angemietet hat.

Dann lief ihr Rott über den Weg, die sie als Einkäuferin bei einer
Marktkette kennengelernt hatte. Die junge Mutter klagte gefrustet
über Chefs, die in Bewerbungsgesprächen beim Thema Kleinkind sofort
fragen, wie das gehen soll, wenn die Tochter krank ist oder wenn
Ferien sind. «Die Frau stand mit beiden Beinen im Beruf und war
wirklich gut. Sie hatte nichts verlernt, nur eben weniger Zeit»,
erklärt Kober.

Wenn Manager in Rente gehen, werde bedauert, dass der Firma deren
Wissen und Erfahrungen verloren gingen. Über das brachliegende
Potenzial von Müttern werde in Deutschland viel zu wenig geredet,
meint die Jungunternehmerin, die inzwischen ein eigenes Konzept mit
dem Titel «Mutter und Business - Hand in Hand» entwickelt hat.

Die Organisation geht bis ins Detail: Mütter mit Kleinkindern, die
nur zu Hause arbeiten können, tun dies mit Laptop und Telefon. Sie
sind zum Beispiel für die Kundenbetreuung zuständig. Mütter, deren
Kinder vormittags in der Schule oder im Kindergarten sind, arbeiten
stundenweise im Versand. «Wenn eine Mutter mal kurzfristig absagen
muss, und das kommt öfters vor, springen andere gerne ein», erklärt
die Chefin.

Als das Arbeitskräfte-Reservoir in der Krabbelgruppe von Rott
erschöpft war, meldete Kober ihre freien Stellen der Agentur für
Arbeit in Memmingen, die ein Inserat im Internet schaltete. Gesucht
wurden nur junge Mütter mit Kind. «Die Flut der Bewerbungen hätte
ausgereicht, um Schicksalsromane zu schreiben», erinnert sich die
Firmenchefin.

Übereinstimmend schilderten viele Frauen ihre Erfahrungen bei der
Jobsuche. Eine annehmbare 400-Euro-Stelle zu bekommen, sei schon
schwierig. Schier unmöglich aber sei es, die Arbeit gerade dann zu
erledigen, wenn Familie und Haushalt dafür Zeit ließen. Das
Geschäftsmodell von Kober löste bei den Müttern Begeisterung aus.

Die flexible Gestaltung der Arbeitszeit sei ein Riesenvorteil,
schwärmt zum Beispiel Marion Ruf: «Oma und Opa sind selbst noch
aktiv. Die kann ich nicht einspannen als Babysitter. Jetzt arbeite
ich daheim, und zwar dann, wenn es mir passt.» Birgit Geisler findet
im Schokoladenvertrieb, was ihr daheim fehlt: «Manche Frauen gehen in
ihrem Haushalt auf. Aber das ist eine endlose Baustelle. Ein Ergebnis
sieht da niemand. Hier finde ich Bestätigung und Anerkennung.»

Rott freut sich darüber, geistig fit zu bleiben für eine
Fortsetzung ihrer früheren Berufstätigkeit: «Hier habe ich endlich
mal was anderes im Kopf als nur Fragen wie, was ich koche oder wo ich
die Kinder hinfahren muss.» Beruf und Haushalt unter einen Hut zu
bringen, schafft Geisler inzwischen ganz locker: «Geschäftlich
telefonieren geht sogar mit dem Kind auf dem Arm. Selbst wenn mein
Sohn Leopold mal dazwischen plappert, reagieren Gesprächspartner eher
positiv, wenn ich erzähle, dass ich von zu Hause aus arbeite.»

Zu Besprechungen, die abends in der Wohnung von Kober stattfinden,
bringen manche Frauen ihre Kinder einfach mit. Und auch die werden
eingespannt: «Kinder sind sehr kritische Tester, wenn es um
Schokolade geht», erzählt die Chefin schmunzelnd.

Das «Mega-Highlight» in ihrem Job seien die Messen, erklären die
jungen Mütter. «Da kommt man mal raus. Die Väter nehmen Urlaub und
kümmern sich um Haushalt und Kinder. Für zwei Tage schreibe ich
kilometerlange Listen, was zu tun ist. Da merken sie mal, was wir die
ganze Zeit leisten», sagt Geisler. Das ist bei Rott allerdings
anders: «Meiner schlägt sich bei der Oma durch.»

Quelle: ddp.vwd

(Redaktion)


 


 

Mutter
Kleinkind
400-Euro-Stelle
Mutter und Business

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Mutter" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: