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Kunst und Wissenschaft

Kabinettausstellung „Staub“ wird am Sonntag in Philippsruhe eröffnet

Die Kabinettausstellung "STAUB" mit den Berliner Künstlern Jenny Michel und Michael Hoepfel zeigt das Historische Museum Hanau Schloss Philippsruhe von 23. September bis zum 26. Oktober. Da mit der Ausstellung "Achtung! Bodenfrost" nach langer Zeit wieder die Naturkunde in das Museum eingezogen ist, lag es für den Fachbereich Kultur nahe, auch einem Beispiel für den aktuellen künstlerischen Blick auf die Wissenschaft Raum zu geben.

Die Ausstellung wird eröffnet am Sonntag dieser Woche, 21. September, um 16 Uhr in Philippsruhe von Museumsleiter Richa5rd Schaffer-Hartmann; über die gezeigten Werke wird Dr. Thomas Niemeyer referieren.

Jenny Michel und Michael Hoepfel arbeiten seit 2005 zusammen und betreiben unter anderem künstlerische Recherche in fiktiven Wissenschaftsgebieten. Die Ergebnisse dieser Recherche nutzen sie in Multimediainstallationen, die meist aus Filmen, Objekten und Zeichnungen bestehen. Ihr Projekt "STAUB" besteht aus insgesamt fünf Teilen, von denen in Schloss Philippsruhe drei vorgestellt werden.

Das "Pulvarium" ist eine wachsende Sammlung von Staubflusen unterschiedlichster Herkunft und Gestalt, die in Schaukästen aufbewahrt, geordnet und ausgestellt werden. Jedes Exponat ist präzise erfasst, lateinisch benannt und entsprechend beschriftet. Die zweiteilige Namensgebung und die Anordnung in den Schaukästen folgt dem Linnéschen System, auf dem auch bis heute alle botanischen und zoologischen Namensordnungen beruhen.

Die "Zeitkapseln" sind etwa 200 in Epoxydharz eingegossene Staubflusen verschiedener Größen. Staub wird damit aus dem Prozess seiner Entstehung und Verwandlung herausgenommen und als Form konserviert. Diese kristallinen Blöcke können in variablen Anordnungen, gleichsam im Raum schwebend gezeigt werden.

Mehr noch als im streng systematischen "Pulvarium" offenbart sich in den "Zeitkapseln" und ihrer freieren skulpturalen Erscheinung der poetische Charakter der gesamten Installation.

Der Film " Intervention " schließlich berührt eine metaphorische Ebene des Phänomens Staub. Ein gefundener Super-8-Film mit Familienaufnahmen wurde digital überarbeitet. Jener Staub, der bei Filmvorführungen ebenso selbstverständlich ist, wie bei Schallplatten das Knistern, beginnt nun, sich vor den Augen des Betrachters zu vermehren, gewinnt an Eigenleben und lässt am Ende die Hauptfigur verschwinden. Staub zeigt sich hier in einer übertragenen Bedeutung als Ausdruck von Zerfall und Auflösung.

Doch es geht nicht nur um eine Beziehung des Kunstwerkes zur naturkundlichen Hauptausstellung, die sich vor allem durch die besondere künstlerische Arbeitsweise von Jenny Michel und Michael Hoepfel herstellen lässt. In diesem Fall sorgt auch das Thema Staub für einen ironischen Kommentar zum musealen Sammeln an sich, wo der Staub der Geschichte sich sprichwörtlich über die historisch gewordenen Exponate legt.
Ein augenzwinkerndes Plädoyer und zugleich ein schönes Beispiel für die Bewältigung der permanenten Aufgabe, ein Museum lebendig zu machen.

Jenny Michel, geboren 1975 in Worms, lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Kunsthochschule Kassel und der Akademie der Künste Wien. Auch Michael Hoepfel, 1971 in Augsburg geboren, lebt und arbeitet in Berlin. der Mitbegründer des Frankfurter Medienlabors "Meso" studierte an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Die Ausstellung wird bis 26. Oktober dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen sein.

Internet: www.museen-hanau.de

(rheinmain)


 


 

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