Autokauf
Augen auf beim Autokauf
Rhein-Main. (bo/dapd). Beim Kauf eines Gebrauchtwagens ist neben dem Fahrzeugzustand der Kilometerstand ein entscheidendes Kriterium. Und wenn am Tachometer manipuliert wurde?
Um einen größeren Gewinn zu erzielen lässt so mancher Autobesitzer auch gerne mal ein paar Kilometer unter den Tisch fallen.
"Wer beispielsweise den Kilometerstand seines Wagens verändern lässt, um beim Verkauf einen besseren Preis zu erzielen, bewegt sich auf gefährlichen Terrain", sagt der auf Verkehrsrecht spezialisierte Anwalt Michael Winter. Tricksereien am Tachometer seien kein Kinderspiel. "Solche Manipulationen fallen unter Paragraf 268 StGB Fälschung technischer Aufzeichnungen, und das wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe geahndet", betont der Rechtsanwalt aus Kornwestheim.
Vor gut einem Jahr hatte die Polizei mit einer europaweiten Razzia einer Bande von Tachofälschern das Handwerk gelegt. Mehr als 500 Beamte durchsuchten unter Führung von Münchner Ermittlern über 150 Objekte in Deutschland, Österreich, Bulgarien und der Schweiz und nahmen 26 Menschen fest. Dabei ging es um professionelle Tachomanipulationen, bei denen der Kilometerstand von Gebrauchtwagen nach unten verfälscht wurde, um hohe Verkaufspreise zu erzielen.
"Die Polizei geht davon aus, dass bei rund 30 Prozent der in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen manipulierte Tachostände vorliegen", sagt Winter. Dabei würden entweder hohe Kilometerstände - beispielsweise bei Leasingautos - nach unten verfälscht oder beispielsweise in Taxis und Mietwagen sogenannte Kilometerfilter eingebaut, die nur jeden zweiten gefahrenen Kilometer aufzeichneten.
In beiden Fällen gehe der Käufer von einem niedrigeren Kilometerstand und damit einem höheren Wert des Fahrzeugs aus. Die Polizei schätze den Schaden auf rund 3.000 Euro pro Auto. Damit würde sich der Schaden deutschlandweit auf 5,4 Milliarden Euro pro Jahr summieren.
Selbst Händler bedienen sich der "digitalen Rosstäuscher"
"Doch nicht nur professionelle Fälscher mischen da mit", sagt der Rechtsanwalt. Mal werde in Kleinanzeigen für "Tachokorrekturen" geworden. Mal würden die Trickser im benachbarten Grenzgebiet sitzen und per augenfälligen Reklametafeln "Tachojustierungen" verheißen.
"Zudem wird inzwischen aus dubiosen Quellen Software angeboten, mit der ein Laie in der Lage ist, den Tachostand selbst zu manipulieren - so er mit seinem Laptop einen Anschluss zur Schnittstelle des On-Board-Diagnosesystems herstellen kann", sagt Winter. "Selbst Händler lassen sich von digitalen Rosstäuschern die Kilometerstände ihrer Gebrauchtwagen reduzieren."
Um Manipulationen zu entgehen, legt der Rechtsanwalt Gebrauchtwagenkäufern Eigeninitiative ans Herz: "Nehmen Sie vor dem Kauf Kontakt zum Vorbesitzer auf." Zudem sollte man den Serviceanhänger des letzten Ölwechsels suchen und den dortigen Eintrag mit dem Kilometerstand auf dem Tacho vergleichen.
"Man glaubt nicht, wie oft von Betrügern derartige Kleinigkeiten übersehen werden", sagt Winter. "Werfen Sie einen Blick auf Lenkrad, Pedale, Schalthebel und Sitze - ein Auto, das Ihnen mit 50.000 Kilometern verkauft werden soll, bei dem jedoch diese Teile erhebliche Verschleißspuren aufweisen, dürfte beim Kilometerstand vor den 50.000 noch eine Eins aufweisen."
Sei man Opfer einer Tacho-Trickserei geworden, gebe es nur eine richtige Entscheidung: "Schalten Sie die Polizei ein."
(Redaktion)
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