Museum
Modegeschichte, Modespektakel und ein Kleid aus Wahlzetteln
Frankfurt am Main. Das Museum für Kommunikation zeigt die Ausstellung „Fashion Talks“. High Heels, Flip Flops oder doch lieber Peep Toes? Wer legt fest, was in und was out ist? Nach welchen Regeln funktioniert die Modebranche? Und was wollen wir von uns durch die Kleidung, durch unseren Stil mitteilen? Auf all diese Fragen will die Ausstellung „Fashion Talks“ vom 22. März bis zum 2. September im Museum für Kommunikation (FMK), Antworten geben.
Wer „Fashion Talks“, die neue Ausstellung im Frankfurter Museum für Kommunikation, betritt, wird erst einmal in einer Art Spiegelkabinett mit sich selber und dem eigenen Outfit konfrontiert. Wie sehr Modeerscheinungen in Verbindung stehen zu gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen, zeigt in unmittelbarer Nähe hierzu eindrucksvoll die riesige „Style Stones“-Wand, die mit Texten und Zeichnungen einen Blick auf die Modegeschichte wirft. Auf die ganz Großen, wie eine Coco Chanel, einen Man Ray oder eine Elsa Schiaparelli, die - von den Surrealisten beeinflusst - in den 30er Jahren den Reißverschluss couturefähig machte und mit Kunststoffen, Glas, Zellophan und Wachstuch experimentierte. Und auf Errungenschaften wie Minirock, Schlaghose, die legendäre lila Latzhose der Feministinnen oder den Zwiebellook.
Kleidung als Kunstwerk
Vis à vis laufen zeitgleich über mehrere kleine Bildschirme spektakuläre Modenschauen. Wagemutige, schrille, tabubrechende Gesamtinszenierungen von Designern wie Vivienne Westwood, Alexander Mc Queen, John Galliano oder Gaultier. Modespektakel, bei denen Kleidung zum Kunstwerk wird und fantastischen Plastiken gleicht. Spektakel, die manches Mal, wenn Fetisch- oder Gothic-Elemente mit hineinspielen, fast schon unheimlich anmuten. Nicht düster, sondern extrem farbenfroh wurden sieben Schaufensterpuppen ausstaffiert, die die Ausstellungsmacher „bunten Vögeln“ gleich in einen überdimensionalen riesigen Papageienkäfig gestellt haben. Der Seh-Spaß liegt hier im Experimentellen, im freien Kombinieren diverser Kleidungsstücke und Accessoires. Wie etwa einer Postillon-Uniformhose, einer weinroten Bomberjacke, kirschroten Peeptoe-Pumps und einer Vivienne Westwood-Krone, aus Wollstoff genäht, eine Leihgabe der Schauspielerin Meret Becker.
Ein Tarnkleid aus 4.800 Wäscheklammern
Wie ein riesiger Jeans-Store mutet jene Ausstellungsfläche an, die sich einem Kleidungsstück widmet, das wohl wie kein anderes zu allergrößter Popularität gelangt ist. Ob James Dean oder US-Präsident Obama, die Jeans, ursprünglich als robuste Arbeitskleidung für den Goldgräber gedacht, ist lange schon salonfähig und erfährt bis in die Gegenwart immer wieder Neuauflagen. Sandgestrahlt, auf gebraucht getrimmt, verschlissen kommt sie mittlerweile daher. Wie sehr Mode auch von Tarnmustern des Militärs inspiriert wird, auch das zeigt die aktuelle MFK-Schau. Die sogenannten Camouflage-Muster haben lange schon ihren angestammten Verwendungsbereich verlassen, und man kann sie heute in der Subkultur, in der Haute Couture, aber auch im Mainstream gleichermaßen entdecken. Auf welche Weise man mit dem Thema Camouflage spielen kann, zeigt die Kuratorin Bitten Stetter übrigens höchstpersönlich mit einer eigenen Kreation: einem aus 4.800 Wäscheklammern gefertigten Tarnkleid.
Englische Karos inspirieren Modemacher in aller Welt
Tartan, die karierten Stoffe Großbritanniens, bilden einen weiteren Themenschwerpunkt der „Fashion Talks“. Wie das Camouflagemuster inspiriert der Tartan Modemacher auf der ganzen Welt, und durchgesetzt hat er sich ebenfalls in allen sozialen Milieus. Dabei kommt es jedoch auf‘s Detail an, auf Karostruktur und Farbgebung. Vor mehr als 250 Jahren trugen die Schotten bereits Kleidung im Tartan-Look, damals signalisierte sie die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Clan. Auch heute grenzt man sich voneinander ab, die Upper Class schwört auf das hellgründige „Nova Check“ der Edelmarke Burberry, die derberen „Helden der Großstadt“ tragen den rot-schwarzen „Rob Roy“-Tartan, und niemand anderes als Vivienne Westwood sorgte Seite an Seite mit den Sex Pistols im London der 1970er Jahre dafür, dass der Tartan sogar in Punk-Kreise drang.
Von Uniformen und Dresscodes
Die
Schau wirft auch einen Blick auf Uniformen, auf ihre ursprüngliche Funktion,
aber auch darauf, wie junge Modemacher mit deren Erscheinungsbild und Zeichen kreativ
umgehen. So sind ein aus unzähligen Modeetiketten gefertigter Uniformmantel zu
sehen und eine handgestrickte Uniformjacke. Uniformen der anderen Art, nämlich
den genau definierten Dresscodes der Jugendszenen, widmet sich in der
Ausstellung das „Amt für jugendkulturelle Szenen“. Wer mag, kann Einblick
nehmen in Schubladen, in denen modische Accessoires von 24 Jugendszenen
aufbewahrt sind. Die Hornbrille, hinter der sich jugendliche Computerfreaks
verbergen, die Neonkappe der selbsternannten „Discoprolls“ oder der
Fußball-Schal der „Ultras“. Dass sich mit Mode auch ein politisches Statement
verbinden lässt, die Modebranche auch auf politische Themen reagiert, zeigt ein
besonders ungewöhnliches Exponat der Ausstellung: ein Paar Schuhe der „Gulf
Coast Clean up Collection“. Sie wurden optisch so bearbeitet, dass sie wie mit
Ölspuren überzogen scheinen.
Jungen Nachwuchsdesignern bieten die Ausstellungsmacher im Übrigen eine
Plattform. Unter dem Titel „Das Neueste vom Neuen“ stellen sie sich im
monatlichen Wechsel mit ihren Arbeiten vor. Den Anfang macht das Frankfurter
Label leonid matthias mit einem Kleid, das komplett aus Wahlzetteln zur
Frankfurter Kommunalwahl 2011 gefertigt worden ist.
Annette
Wollenhaupt
Am Mittwoch, 21. März, findet zur Eröffnung der Ausstellung im Museum für
Kommunikation eine Podiumsdiskussion statt: "Fashion Talks - Welche
Botschaft hat die Mode?" Teilnehmer sind die Modedesignerin Anja Gockel,
der Ressortleiter "Deutschland und die Welt" bei der FAZ, Alfons
Kaiser, und Ausstellungskuratorin und Modedesignerin Bitten Stetter. Es
moderiert Ruth Fühner vom Hessischen Rundfunk. Beginn ist um 19 Uhr.
(Presseamt Stadt Frankfurt am M)
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Fotokennzeichnung:
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