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Arcandor-Aktie im freien Fall

Kleinanleger fordern Rücktritt von Vorstandschef Middelhoff

(bo/ddp.djn). In der Krise um den Essener Arcandor-Konzern gibt es jetzt erste Forderungen nach personellen Konsequenzen. Für den Einbruch des Aktienkurses sollte Vorstandschef Thomas Middelhoff die Verantwortung übernehmen und seinen Posten räumen, sagte Lothar Gries von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) am Freitag in Frankfurt am Main. Zudem versuche Middelhoff seit drei Jahren erfolglos, den Konzern zu sanieren. Arcandor habe seine Glaubwürdigkeit bei den Anlegern wohl endgültig verspielt.

Am Freitag brach die im MDAX notierte Aktie bis zum Nachmittag um
weitere 24 Prozent auf 1,90 Euro ein, nachdem sie in der Spitze bis
zu 36 Prozent im Minus notierte. Bereits am Donnerstag war das Papier
des Konzerns, zu dem die Warenhauskette Karstadt und der
Tourismuskonzern Thomas Cook gehören, um fast 30 Prozent abgestürzt.
Nach Einschätzung eines Händlers trennen sich derzeit viele
institutionelle Investoren von ihren Arcandor-Positionen.

Der Kurssturz wurde durch eine Meldung des Unternehmens vom
Mittwochabend ausgelöst. Darin teilte Arcandor mit, dass sich das
Unternehmen möglicherweise von seinen Beteiligungen an Karstadt, an
der der Konzern 100 Prozent hält, und an Thomas Cook, an dem das
Unternehmen 52 Prozent hält, trennt. Bis dahin hatte Arcandor stets
versichert, Thomas Cook bleibe Teil des Konzerns. Der SdK, eine
Organisation für Kleinanleger, sprach von einer «unverständlichen
Kommunikationspanne der Konzernführung». Mittlerweile ermittelt auch
die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Arcandor hatte am Mittwochmorgen mitgeteilt, mit der BayernLB, der
Dresdner Bank und der Royal Bank of Scotland ein Konzept zur
Refinanzierung des Konzerns vereinbart zu haben. Welche
Zugeständnisse Arcandor gemacht hat, ließ der Konzern allerdings
offen. In Branchenkreisen wird seither über die Verpfändung von
Thomas-Cook-Anteilen spekuliert.

Die Einigung ist für den Konzern von großer Bedeutung, da der
Kreditversicherer Euler Hermes die Absicherung für Warenlieferungen
eingegrenzt hatte. Vor Abschluss der Finanzierungsgespräche gab es
sogar Gerüchte, wonach bei Karstadt die Regale zum Weihnachtsgeschäft
nicht gefüllt werden könnten. Wegen der Unsicherheit und der
schleppenden Verhandlungen war die Aktie bereits Anfang vergangenen
Woche an einem Tag um 20 Prozent eingebrochen.

An Arcandor ist ein Investorenpool um Madeleine Schickedanz mit
53,3 Prozent beteiligt, 44,2 Prozent der Aktien befinden sich im
Streubesitz. Middelhoff ist seit dreieinhalb Jahren
Vorstandsvorsitzender bei Arcandor, der früheren KarstadtQuelle AG.
Er übernahm die Führung des damals kurz vor der Insolvenz stehenden
Unternehmens im Mai 2005. Erst im April dieses Jahres verlängerte
Middelhoff seinen Vertrag um ein Jahr bis zum 31. Dezember 2009.

(rheinmain)


 


 

Arcandor
Thomas Middelhoff
Lothar Gries
Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger

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