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Herzlicher Abschied

Koch gibt sich fast erleichtert über das Ende der "langen Zeit des Abschiednehmens"

(bo/dapd-hes). Für Roland Koch ging am Montag in Karlsruhe "eine lange Zeit des Abschiednehmens zu Ende". Aus dem Mund des ehemaligen hessischen Ministerpräsident klingt es fast mehr nach Erleichterung als nach Wehmut:

Mit dem stellvertretenden CDU-Bundesvorsitz hat der 52-Jährige auf dem Bundesparteitag gerade sein letztes großes politisches Amt abgegeben. Die stehenden Ovationen der rund 1.000 Delegierten und die herzlichen Abschiedsworte von Bundeskanzlerin Angela Merkel vom Podium aus haben Koch Genugtuung gegeben. "Es war ein sehr emotionaler Moment", sagte er im dapd-Gespräch.

Für den Vollblutpolitiker geht "ein langer Lebensabschnitt zu Ende". Im Mai hatte Koch für Freund und Feind völlig überraschend seinen Rückzug von allen politischen Ämtern angekündigt. Im Juni wurde sein enger persönlicher Freund und politischer Weggefährte Volker Bouffier zu Kochs Nachfolger im CDU-Landesvorsitz gewählt, am 1. September folgte er ihm auch als Ministerpräsident, und am Montag löste ihn der Mittelhesse schließlich noch im Amt eines der vier Stellvertreter von Angela Merkel als Vizechef der Bundespartei ab. Mit 85,12 Prozent Zustimmung bekam Bouffier das erhofft gute Ergebnis und schnitt damit haargenau so gut ab wie die populäre Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen.

Ein Ergebnis, das natürlich auch Koch freut. Es sei ja alles andere als selbstverständlich, dass ein gerade erst gewählter hessischer Ministerpräsident an vielen anderen denkbaren Kandidaten vorbei in die allerengste Parteiführung aufrücke, sagt er. "Das zeigt die Wertschätzung für Hessen, aber auch für Bouffier ganz persönlich", würdigt Koch seinen Nachfolger. Genau dieser nahtlose Übergang ist auch ein Trost für die hessischen Delegierten auf dem Karlsruher Parteitag. Landtagsfraktionschef Christean Wagner, hebt hervor, dass Bouffier jemand ist, "der neben dem Christlich-Sozialen und Wirtschaftsliberalen auch das Konservative schätzt" und Koch im politischen Standort sehr nahe sei.

Die Kanzlerin empfiehlt Kochs Buch

Dennoch bleibt bei Wagner und anderen führenden hessischen CDU-Politikern auch ein wenig Trauer zurück, dass die Ära Koch somit politisch endgültig vorbei zu sein scheint. "Als Hesse bedauere ich, dass so ein guter Mann geht. Politiker mit diesen Fähigkeiten lässt man ungern ziehen", sagt der Wiesbadener CDU-Fraktionschef. Und auch für Landtagspräsident Norbert Kartmann ist "schon ein bisschen Wehmut" dabei. Umweltministerin Lucia Puttrich empfindet ebenso, "wenn solch ein hervorragender Mann die politische Bühne verlässt". Wie viel Anerkennung Koch finde, habe auch die Art seiner Verabschiedung gezeigt.

Der Mann, der vor allem die konservative Säule der Unionspartei verkörperte, erhielt nicht nur einen überwältigenden Applaus, die meisten Delegierten erhoben sich von den Plätzen, als Merkel ihren bisherigen Stellvertreter verabschiedete. Sie empfahl der Partei nicht nur die Lektüre von Kochs Buch "Konservativ", das am Rande des Parteitags noch guten Absatz fand. Die Kanzlerin schenkte ihm auch noch ein Original von Edmond Burkes "Gedanken über die französische Revolution", aus dem Koch seinerseits zitiert hat und das laut Merkel als eine Art "konservatives Gründungsdokument" gilt.

Besonders bedankte sich die CDU-Vorsitzende bei Koch und dem ebenfalls ausgeschiedenen Jürgen Rüttgers aus Nordrhein-Westfalen, "dass ihr zwei rote Länder erobert habt". Koch habe das in Hessen mit "einem extrem umstrittenen Wahlkampf" geschafft, sagte Merkel, aber mit großem Erfolg und persönlichem Einsatz. Und die CDU-Vorsitzende hielt auch mit Kritischem nicht hinterm Berg. Mit Koch sei sie anfangs nicht immer einer Meinung gewesen, und beide hätten sich kritisch beäugt, räumte sie ein, fügte aber hinzu: "Um so mehr freut mich, dass wir Freunde geworden sind."

Das hörte Koch gerne. "Ich habe das ja immer so empfunden, aber es ist schön, das auch aus ihrem Munde zu hören", sagt er.

(dapd )


 


 

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