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Behrensbau ist „Denkmal des Jahres 2008“

Kulturdenkmal strahlt im historischen Zustand, expressionistische Farbgebung ist zurückgewonnen

Denkmalpflege ist ein öffentlicher Auftrag, der in der Bevölkerung einen hohen Grad an Aufmerksamkeit genießt. Daher hat der Denkmalbeirat der Stadt Frankfurt beschlossen, einmal im Jahr ein „Denkmal des Jahres“ vorzustellen – entweder eines, bei dem eine Sanierung erfolgreich abgeschlossen werden konnte, oder eines, das aufgrund seines Erhaltungszustandes besonders gefährdet ist.

Das diesjährige „Denkmal des Jahres“ ist einer der bedeutendsten Bauten des Expressionismus in Deutschland: die Ausstellungshalle des Technischen Verwaltungsgebäudes im Industriepark Höchst (Brüningstraße 64). Sie gibt ein beispielhaftes Bild im Umgang mit einem Kulturdenkmal und zeigt auch den hochwertigen Nutzungs- und Benutzungswert gerade für ein modernes Unternehmen. Beispielhaft ist das diesjährige Denkmal des Jahres auch für das Zusammenspiel von Denkmalamt und Eigentümer bei der denkmalgerechten Sanierung, die mit den Ansprüchen an die Nutzung durch eine moderne Konzernzentrale in Einklang steht.

Das von Peter Behrens entworfene „Technische Verwaltungsgebäude“ auf dem heutigen Infraserv-Gelände in Höchst ist ein Kulturdenkmal der Industriebaukunst ersten Ranges. In den Jahren 1920 bis 1924 für die ehemalige Höchst AG erbaut, befand sich der vielseitige Architekt auf dem Höhepunkt seiner expressionistischen Schaffensperiode, die sich vor allem in der dreigliedrigen Kuppelhalle mit der großartigen Farbigkeit ihrer sich nach unten verjüngenden Säulen und den Oberlichtern in Kristallform widerspiegelt. Mit ihr im Zusammenhang steht die sich anschließende dreischiffige Ausstellungshalle, die jedoch schon 1937 einen Umbau erfuhr: Rechts und links des Mittelgangs wurden die Seitenschiffe abgetrennt, um anderweitig genutzt werden zu können. Durch Decken- und Wandverkleidungen sowie Bodenbeläge blieb nichts von der ursprünglichen räumlichen Wirkung erhalten.

Siebzig Jahre nach diesen baulichen Veränderungen veranlasste der jetzige Eigentümer Infraserv Höchst die Wiederherstellung in den ursprünglichen Zustand. Zu Beginn der Restaurierungsmaßnahmen wurden nach dem Abbruch der Einbauten die teilweise verputzten Backsteinwände wieder freigelegt. Eine Ziegelmanufaktur bei Leipzig lieferte die Spezialanfertigungen, die zur Ergänzung des fehlenden Bestandes notwendig waren. Vor nicht geringe Probleme stellte die Experten die Analyse der originalen Farbpigmente, die nur noch durch sporadische Reste der historischen Anstriche fassbar waren. Ein Restaurator konnte aber aus historischen Bildquellen, bestehend aus Schwarz-Weiß-Fotografien und Farbskizzen aus dem Atelier Peter Behrens, die ursprüngliche farbliche Ausgestaltung rekonstruieren.

Die sechs farbig gestalteten Fenster der Ausstellungshalle wurden in der Art der originalen Treppenhausfenster an der Kuppelhalle rekonstruiert. Um den Farbvorstellungen gerecht zu werden, beschäftigte sich das Planungsteam intensiv mit den Farbtheorien von Paul Klee. Ebenfalls nicht leicht fiel die Auswahl der Gläser, die in ihrer Struktur heute teilweise gar nicht mehr erhältlich sind. Unter Berücksichtigung von Klimatisierung und Wärmedämmung wurde dennoch ein Lichteinfluss erzielt, der die 300 Quadratmeter große und sieben Meter hohe Ausstellungshalle nun zusammen mit den kräftigen Grün- und Blautönen der Säulen zum Leuchten bringt.
Ansprechpartner ist Michael Müller von der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG, Telefon 069/305-7952, E-Mail: [email protected]

Quelle: Stadt Frankfurt

(Redaktion)


 


 

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