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Börsenkompass

Die tägliche Einschätzung der Börse

Das Topthema des Tages befasst sich mit der gestrigen Ratssitzung der EZB. Die europäischen Aktienbörsen fuhren gestern Berg und Tal, aber schlossen trotzallem mit einem leichten Kursplus den Tag. Auf dem Rentenmarkt und in der Konjunktur wurde eine wichtige Hürde genommen.

Rentenmarkt / Konjunktur

Eine wichtige Hürde dieser Woche wurde gestern genommen. Spanien hat mit einer Neuemission (4%, Juli 2015) und zwei Aufstockungen (3,25% und 4,25%, April bzw. Oktober 2016) knapp 10 Mrd. EUR an den Finanzmärkten aufnehmen können. Mit einer Rendite von 3,38% bei der 3,5-jährigen Anleihe hat sich die Kondition für den spanischen Staat ggü. Herbst vergangenen Jahres deutlich verbessert. Dies hatte positive Effekte am Sekundärmarkt zur Folge – neben den spanischen konnten mit Blick auf die heutige Emission auch die itanienischen Anleihen zulegen. Bundesanleihen gaben durch diese Entspannung nach. Allerdings hielt die Bewegung nur bis zum Nachmittag an. Dabei waren die unveränderten geldpolitischen Positionen der Europäischen Zentralbank – dies konnte nach dem Maßnahmenkatalog von Anfang Dezember nicht wirklich überraschen – kaum marktbewegend. Der Anstieg der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Woche zum 7. Januar und die im Dezember ggü. Vormonat unveränderten Einzelhandelsumsätze (Kernabgrenzung) dämpfte vor dem Hintergrund der zuletzt erfreulichen US-Daten die Stimmung. Das Bild der US-Wirtschaft hat sich damit jedoch nicht verändert. Angesichts der spürbar verringerten Risikoaversion zu Jahresbeginn kann man die „entspannende“ Wirkung des 3-Jahres-Tenders der EZB nicht in Abrede stellen – man sollte aber nicht aus den Augen verlieren, dass die Staatsschuldenkrise alles andere als ausgestanden ist. An den Fi-nanzmärkten sollte daher die Wachsamkeit das erste Gebot der Stunde bleiben.

Aktienmarkt

Die europäischen Aktienbörsen beendeten den gestrigen Handelstag nach einer Berg- und Talfahrt zuletzt dann doch mit einem leichten Kursplus. Nach einer festeren Eröffnung schaffte der Dax vor allem durch die sehr positiv verlaufene Auktion für spanische Staatsanleihen den Sprung über die Marke bei 6.200 Punkten. Bezeichnenderweise erfolgte mit der Bekanntgabe der EZB-Zinsentscheidung dann der erste Rückschlag. Die enttäuschend aufgenommenen Einzelhandelszahlen und die gestiegenen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe aus den USA führten dann zu einer weiteren Ernüchterung. Trotz dieser Entwicklung konnten vor allem die Finanzwerte zulegen. So stand dann die Commerzbank (+5,8%) vor der Deutschen Börse (+3,3%) und der Deutschen Bank (+2%) an der Spitze der Kursliste. Aktie des Tages war Douglas, die wegen Übernahmephantasien im MDax um 26% zulegen konnte. Im EUROSTOXX 50 waren die Banken und Finanz-dienstleister (je +2,5%) die klaren Gewinner, während Nahrungsmittel (-0,5%) und Pharma (-1%) Verluste hinnehmen mussten. Am stärksten traf es die Einzelhandelbranche im STOXX 600 (-5,7%) nach der Gewinnwarnung der britischen Tesco. Auch an der Wall Street konnte letztendlich die Entspannung in der europäischen Schuldenkrise überwiegen. Trotz schwacher Makrodaten und der Gewinnwarnung von Chevron, die die ganze Energiebranche belastete, schloss der Dow auf einem 5-Monatshoch. Die asiatischen Börsen tendieren heute Morgen in der Breite fester und dürften so auch den europäischen Märkten zu einem guten Start verhelfen. Die wichtigsten Termine auf der Agenda dürften das US-Verbrauchervertrauen und die Quartalszahlen von JP Morgan sein.

Topthema des Tages

EZB hält sich alle Optionen offen

Die EZB hat bei ihrer gestrigen Ratssitzung keine neuen geld-politischen Beschlüsse gefasst. Dies war auch nicht erwartet worden, nachdem sie im November und Dezember den Leitzins jeweils um 0,25%-Punkte gesenkt hatte und dieser damit wieder auf seinem Allzeittief angekommen ist; zudem hatte sie vor Monatsfrist als Novum einen 3-Jahrestender eingeführt, von dem die Banken auch ausgesprochen reichlich Gebrauch machten. Bei der Pressekonferenz zeigte sich EZB-Chef Draghi zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen der Maßnahmen. Der Langfristtender habe erfolgreich Befürchtungen von Liquiditätsengpässen im Bankensystem entgegengewirkt, die angesichts eines hohen Refinanzierungsbedarfs der Kreditinstitute und eingefrorener Märkte entstanden seien. Jedenfalls sei seitdem der zuvor gänzlich eingefrorene Markt für unbesicherte Bankschuldverschreibungen wieder in Gang gekommen. Da im Euroraum Banken für die Unternehmensfinanzierung eine weit größere Rolle als etwa in den USA spielen, wo sich Unternehmen viel stärker über den Kapitalmarkt finanzieren, seien auch andere Wege zur Krisenbewältigung angezeigt. Der EZB-Chef erwartet, dass die Banken auch beim nächsten Langfristtender reichlich vom unlimitierten Angebot der EZB Gebrauch machen. Beim Wirtschaftsausblick betonte er die außergewöhnlich hohe Unsicherheit und die Abwärtsrisiken. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Trichet wollte er sich aber nicht darauf festlegen, dass die 1%-Marke beim Reposatz eine Untergrenze darstelle. Doch gab er auch keinen Hinweis auf einen weiteren Zinsschritt. Wir rechnen mit keiner weiteren Reposatzsenkung.

(ots / Commerzbank AG)


 


 

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