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«Education is not for sale»

Protest gegen volle Hörsäle und Leistungsdruck

(bo/ddp-hes). Am Fenster des politikwissenschaftlichen Instituts der Justus-Liebig-Universität Gießen klebt ein Plakat in schwarz-gelben Farben. «Education is not for sale», steht darauf geschrieben. Es ist ein Aufruf für eine landesweite Demonstration von Lehrern, Schüler und Studierenden am 17. November in Wiesbaden.

An diesem Dienstag sollen in ganz Deutschland an mehr als 100 Orten
Protestaktionen stattfinden - als Auftakt für einen bundesweiten
Bildungsstreik.

Drinnen im Fachschaftsraum der Sozial - und Kulturwissenschaften
sitzen die beiden Studentinnen Alexandra Köttig und Anne Naumann am
Schreibtisch. Der Computer ist eingeschaltet, die beiden formulieren
Mails an Kommilitonen. Sie wollen so viele Menschen wie möglich für
die Protestaktionen gewinnen. Damit sind sie nicht allein. In ganz
Hessen wird an den Hochschulen für den Bildungsstreik mobilisiert.
Die Allgemeinen Studierendenausschüsse aller fünf hessischen
Universitäten haben dazu aufgerufen, sich an der Demo in Wiesbaden zu
beteiligen.

Darüber hinaus sind weitere Aktionen an den jeweiligen
Hochschulstandorten geplant. Hintergrund der Aktionen sind die
Forderungen nach einer Reform der Bachelor- und Masterstudiengänge
sowie besseren Studienbedingungen. Zudem wird seitens der Studenten
massive Kritik an der Novellierung des hessischen Hochschulgesetzes
geübt.

Obwohl die Studiengebühren im Jahr 2008 in Hessen wieder
abgeschafft wurden, gibt es für die 25-jährige Anne genug Gründe, am
Dienstag auf die Straße zu gehen: «Ich bin total unzufrieden mit der
Konzipierung der Bachelor- und Masterstudiengänge», sagt sie. Sie
studiert «Social Science», eine Kombination von Politikwissenschaften
und Soziologie, im fünften Semester. Im nächsten Jahr will sie die
Bachelorarbeit schreiben. Danach würde sie gerne noch einen Master
dranhängen. «Weil man mit dem Bachelorabschluss einfach nicht genug
qualifiziert ist», sagt sie und klagt darüber, dass sie in ihrem
Studium bis jetzt keinen individuellen Schwerpunkt habe setzen
können, das Studium zu verschult sei, Wahlmöglichkeiten fehlten.

Ihre Freundin Alexandra berichtet von einer Dozentin, die
angesichts eines überfüllten Hörsaals empfohlen hätte, sich in
Gruppen zu je zwei Personen zusammenzufinden und sich mit dem Besuch der Vorlesung wöchentlich abzuwechseln. «Und dann haben wir nach den sechs Semestern Bachelorstudium nicht einmal eine Garantie darauf, einen Studienplatz im Masterprogramm zu bekommen», sagt Anne
frustriert. Zwei verschiedene Masterstudiengänge gebe es in ihrem
Bereich an der Uni Gießen - mit je 30 Plätzen. «Wir sind aber allein
etwa 150 Studenten in unserem Semester», berichtet Alexandra.

Mit diesen Problemen sind die beiden Studentinnen nicht allein. Ob
Kassel, Marburg, Gießen, Frankfurt oder Darmstadt - überall werden
Klagen über überfüllte Hörsäle und Leistungsdruck in den
Bachelorstudiengängen laut. In Marburg und Darmstadt hielten
Studenten in der vergangenen Woche das Audimax besetzt. Auf Geheiß
der Hochschulleitung wurden die Besetzungsaktionen jedoch beendet.
Für die Aktionsbündnisse vor Ort ist das jedoch kein Grund, den
Protest zu beenden. In Marburg ist für Montagabend eine Demonstration
geplant zu der die Veranstalter, das Aktionsbündnis «Bildungsstreik
Marburg», zwischen 500 und 800 Teilnehmer erwarten. Die Asten
mobilisieren an allen hessischen Hochschulstandorten für die Demo in
Wiesbaden.

Auch von der Universität Kassel werden am Dienstag Studenten mit
Bussen nach Wiesbaden fahren. «Es geht uns um die Studienbedingungen. Die sind derzeit einfach unerträglich», sagt Asta-Vorsitzende Annita Hunstock und berichtet im selben Atemzug von einer Mathevorlesung, zu der ihre Kommilitonen morgens um 6.00 Uhr antreten müssten. «Weil zwischen 8.00 und 20.00 Uhr einfach kein Raum mehr frei war. Die Vorlesung findet außerdem in zwei Hörsälen gleichzeitig statt. In den einen Raum wird sie per Video übertragen.»

Anne und Alexandra aus Gießen sind zuversichtlich, mit dem
Bildungsstreik etwas verbessern zu können: «Wenn man nicht sagt, was man will, wird auch keiner drauf hören», sagt Anne. Schließlich habe man in Hessen so auch dazu beigetragen, dass die Studiengebühren wieder abgeschafft wurden.

--Von ddp-Korrespondentin Maren Hennemuth--

BIld-Quelle: ddp

(Redaktion)


 


 

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