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Börsenkompass

Die tägliche Einschätzung der Deutschen Börse

Das Topthema des Tages beruht heute auf der schwachen Kreditnachfrage im Euroraum. Auf dem Aktienmarkt konzentriert man sich wieder mehr auf das makroökonomische Umfeld und die dort stetig steigenden Ölpreise. Auf dem Rentenmakrt und in der Konjunktur wird weiterhin die Krise in Griechenland beäugt.

Rentenmarkt / Konjunktur

Der Bundestag stimmte mit breiter Mehrheit dem Hilfspakte für Griechenland zu. Zuvor hat Finanzminister Schäuble angedeutet, dass dies nicht zwingend das letzte Hilfsprogramm gewesen sein muss. Zu Wochenbeginn stand somit erneut Griechenland im Fokus. Die Unsicherheiten über die Teilnahmequote der privaten Gläubiger an der Umschuldung, vor allem aber die Erwartungen hinsichtlich zusätzlicher Liquidität durch den neuen EZB Dreijahrestender stützen sowohl erstklassige, als auch Staatsanleihen der Peripherie, mit Ausnahme von Griechenland und Portugal. Die Liquidität im Markt sorgt somit weiter für ein hohes Kursniveau an den Rentenmärkten, was auch am Primärmarkt zu spüren ist. Die gestrige Emission langlaufender belgischer Anleihen, sowie diverser Geldmarktpapiere aus Italien, Frankreich und Deutschland wurden gut nachgefragt. Heute folgen zwei italienische Bonds mit Laufzeiten von 5 und 10 Jahren.
Ebenfalls Beachtung finden dürfte heute das Konsumklima in Deutschland, das Unternehmervertrauen auf europäischer Ebene, sowie heute Nachmittag in den USA das Verbrauchervertrauen (Conference Board) und die Auftragseingänge für langlebige Güter. Auch wenn letztere etwas rückläufig ausfallen könnten, sollte dies nicht über den positiven Trend hinwegtäuschen. Der Markt wird jedoch auch heute unter dem Einfluss der am Mittwoch anstehenden neuen EZB-Liquidität liegen. Das hohe Kursniveau am Rentenmarkt sollte zunächst noch Unterstützung finden.

Aktienmarkt

Mit der auslaufenden Gewinnsaison und der leichten Beruhigung in der europäischen Staatsschuldenkrise konzentrieren sich die Märkte wieder stärker auf das makroökonomische Umfeld und hier kommen angesichts der hohen Ölpreise langsam wieder Bedenken auf. Diese Stimmung zeigte sich gestern im Indexverlauf an allen Börsen, der geringe Tagesverlust war hauptsächlich der späten Erholung mit Unterstützung der festen Eröffnung an der Wall Street zu verdanken. Besonders unter Druck gerieten im Dax neben der Commerzbank (-2,8%) die Automobiltitel, die unter der negativen Studie eines Brokerhauses litten, das die Branche aus Bewertungsgründen herabstufte. Ebenfalls zu den Verlierern gehörte die Dt. Lufthansa (-2,4%), die sowohl von den hohen Ölpreisen als auch von den anhaltenden Streiks am Frankfurter Flughafen belastet wurde. Im EUROSTOXX 50 waren somit Automobile (-1,8%) die schwächste Branche, aber auch Grundstoffe (-1,6%) und IT (-1,5%), die von den Nokia-Kursverlusten (-6,1%) nach unten gezogen wurden, mussten stärkere Abschläge hinnehmen. Besonders positiv entwickelten sich die defensiven Telekomwerte (+0,7%). Der Dow Jones schaffte es trotz guter Konjunkturdaten erneut nicht, die Marke bei 13.000 Punkten bis zum Schlußkurs zu halten und fiel in der letzten Handelsstunde wieder zurück. Besonders positiv präsentierten sich die Finanztitel (+0,9%). Die asiatischen Märkte zeigen sich heute Morgen freundlich und profitieren dabei von den nachgebenden Ölpreisen. Die europäischen Märkte sollten etwas freundlicher eröffnen. Im Tagesverlauf werden die Auktionen italienischer Staatsanleihen sowie die Auftragseingänge und das Verbrauchervertrauen in den USA im Fokus stehen.

Topthema des Tages

Schwache Kreditnachfrage im Euroraum

Im Euroraum ist die Geldmenge M3 im Januar um +2,5% J/J (Dezember: +1,6% J/J) gestiegen. Die Zunahme ist vor allem auf einen deutlichen Anstieg der Kreditvergabe an die nicht-monetäre Finanzinstitute zurückzuführen. Die Kreditvergabe an nicht-finanzielle Unternehmen sowie an die privaten Haushalte ließ dagegen nach (+0,7% J/J nach +1,1% J/J bzw. +1,3% J/J nach +1,5%J/J).
Der Langfristtender der EZB hat zwar die Lage an den Finanzmärkten und die Liquiditätsnöte einiger Banken entspannt, doch für eine Wende bei der Kreditdynamik reicht dies nicht aus. So sind viele Unternehmen und Haushalte in den Peripherieländern dabei, die Verschuldung zurückzuführen und die Bilanzen zu konsolidieren; ihre Kreditnachfrage wird daher weiterhin sehr mäßig bleiben. Umso wichtiger ist freilich, dass in Ländern, die sich gesunder Haushalts- und Unternehmensbilanzen erfreuen, mit der jetzt wieder etwas zuversichtlicheren Stimmung auch die Kreditnachfrage anzieht. Aber nicht nur an der Nachfrage, auch am Kreditangebot hapert es derzeit, so dass mancher Kreditwunsch abschlägig beschieden wird. Dies legt jedenfalls die Umfrage der EZB vom Januar nahe, wonach die Banken ihre Kreditvergabestandards an Hypothekenschuldner und Unternehmen weiter gestrafft haben. Der Langfristtender scheint in dieser Hinsicht noch nicht gewirkt zu haben – und auch nicht, was die Staatsanleihekäufe angeht, die ungefähr auf Niveaus wie in den Monaten zuvor lagen. Doch ist es auch zu früh, um hier schon ein Urteil abzugeben. Außerdem steht der nächste Langfristtender an; am Mittwoch wird er zugeteilt.

(ots / Commerzbank AG)


 


 

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