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Hessen Wahl

Lockere Debatte statt scharfem Duell

(bo/ddp-hes). Vor rund einem Jahr standen sich an gleicher Stelle noch zwei Duellanten gegenüber, die Stimmung war spannungsgeladen, der Ausgang ungewiss. Roland Koch (CDU) gegen Andrea Ypsilanti (SPD) lautete die Besetzung des ersten Fernsehduells Hessens, und am Ende hieß es: Vorteil für die Herausfordererin gegen den Ministerpräsidenten. An diesem Donnerstag herrscht bei der «Elefantenrunde» des hessischen Fernsehens eher Klassenfahrt-Stimmung: Die fünf Spitzenkandidaten von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linkspartei präsentieren sich locker, scherzen miteinander. «Absolute Mehrheiten werden wir nicht kriegen, und Thorsten Schäfer-Gümbel auch nicht», sagt Koch. «Wir arbeiten noch dran», kontert der SPD-Politiker. «Optimismus ist alles», erwidert Koch.

Drei Tage vor der Wahl gilt es, den Fernsehzuschauern noch einmal die eigenen Positionen zu präsentieren. Ob Wirtschaftskrise, Bildungspolitik oder Koalitionsabsichten, die Standpunkte sind bekannt, die Umfragen sagen einen klaren Sieg für CDU und FDP voraus. Ein Duell mit seinem neuen SPD-Herausforderer hatte Koch strikt abgelehnt. Das sei kein «Kneifen» gewesen, verteidigt sich der Regierungschef gleich zu Beginn der Sendung. Er strebe eine Koalition an und wolle, dass das auch sichtbar werde. «Wenn wir fünf hier zusammen sind, gibt das ein klareres Bild, wer mit wem regieren will», erläutert der Amtsinhaber.

Tatsächlich lassen CDU und FDP in der 90-minütigen Diskussion keinen Zweifel daran, dass sie nur miteinander regieren wollen. Die Grünen hätten sich im Koalitionsvertrag mit der SPD schließlich gegen «das wichtigste Projekt in Hessen», den Flughafenausbau, entschieden, sagt Koch. Mit der FDP gebe es dagegen mehr Gemeinsamkeiten für eine stabile Regierungsbildung. «Ich habe nicht das Gefühl, dass diese beiden Herren auch nur ansatzweise Lust verspüren, sich mit der FDP auseinanderzusetzen», teilte Hahn nach rechts und links aus - zu seinen Nachbarn Schäfer-Gümbel und dem Grünen-Chef Tarek Al-Wazir. Er jedenfalls kämpfe «für eine zweistellige FDP und dann für eine bürgerliche Mehrheit, die Hessen stabil fünf Jahre regiert», fügte Hahn hinzu.

Zugleich machte der Liberalen-Chef seine Bedingungen klar: Mit der FDP werde es ein Konjunkturprogramm nur mit Schuldenbegrenzung geben, die Liberalen würden im Bundesrat Änderungen durchsetzen. Während Koch und Schäfer-Gümbel das Konjunkturpaket etwas halbherzig als guten Kompromiss lobten, übte Hahn scharfe Kritik an «Abwrackprämie» für Altautos und «Bestandsprämie» für Kinder. Das war denn auch der einzige Punkt, an dem sich mal FDP und Grüne einig waren: Auch Al-Wazir kritisierte das Paket als «Sammelsurium» ohne Richtung, ansonsten aber ließ der Grünen-Spitzenkandidat kein gutes Haar an der FDP. «Dieses Land braucht einen Neuanfang», zehn Jahre Politik Kochs seien genug, betonte er.

Als Einziger in der Runde wirkt der Grünen-Chef wach und konzentriert. Mit hoch gezogenen Augenbrauen verfolgt er Kochs Ausführungen, als wolle er sagen: Dir glaube ich kein Wort. Eine besondere Nähe zur SPD wurde jedoch nicht sichtbar: Die linken Parteien, so wurde deutlich, kämpfen mehr gegen- als miteinander. Linken-Spitzenkandidat Willi van Ooyen stand links außen, fast wie im Abseits. Dazu passte, dass Schäfer-Gümbel versicherte, auch der im Herbst ausgehandelte Koalitionsvertrag mit den Grünen werde nach der Wahl gegebenenfalls neu verhandelt: «Jetzt beginnt eine neue Situation, weil wir einen neuen Landtag haben, und danach werden wir neu verhandeln», sagte Schäfer-Gümbel. Die SPD wolle weiter die Linke aus dem Landtag halten, nach der Wahl gelte sinngemäß der Spruch, «neues Spiel, neues Glück».

Geht es nach CDU und FDP, wird es ein eher ein altes Glück: Die Wiederauflage der Regierungskoalition von 1999 bis 2003. Roland Koch musste angesichts der Querelen im linken Lager denn auch nicht viel mehr tun, als den Staatsmann geben: Der Ministerpräsident setzte auf Gelassenheit und Wirtschaftskompetenz und ließ sich nur ab und zu von Schäfer-Gümbel in private Scharmützel verwickeln. So blieb am Ende das Fazit des heimlichen Siegers der Runde: «Koch hat einen Elfmeter geschenkt bekommen von der SPD», sagte Al-Wazir: «Wenn er ihn verschießt, holt ihn die eigene Mannschaft vom Feld.»

(Redaktion)


 


 

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