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Energiesparen bei der Deutschen Bahn

Lokführer der S-Bahn Rhein-Neckar trainieren im Fahrsimulator in Fulda für die Umwelt

(bo/ddp-hes). Michael Kabelitz liebt seinen Job als Lokführer. Wie genau es der 28-jährige Ludwigshafener damit nimmt, demonstrierte er am Mittwoch in Fulda beim Training auf Hessens einzigem Fahrsimulator für Bahn-Fahrer. Dorthin hatte die Deutsche Bahn ihre Lokführer der S-Bahn Rhein-Neckar eingeladen, um auf einer virtuellen Strecke noch energiesparenderes Fahren zu üben. «Nur sieben Prozent über dem durchschnittlichen Energieverbrauch», sagt der gebürtige Leipziger zufrieden. «Und das auf der ersten simulierten Fahrt!»

Kabelitz ist einer von bislang rund 19 000 Lokführern bundesweit,
die an so einem Energiespartraining teilgenommen haben. Diese Kurse
verlangen den Teilnehmern einiges ab. Denn es geht nicht nur darum,
möglichst wenig Strom beim Fahren zu verbrauchen, sondern dabei auch
noch pünktlich zu sein. Doch Kabelitz hat keinen Bammel: «Eigentlich
ist es für mich wie jeder Tag auf der Lok.» Der Simulator-Fahrstand
gleiche seinem Arbeitsplatz wie ein Ei dem anderen. Nervosität komme
da höchstens mal auf, «wenn es auf eine richtige Trainingsfahrt geht
und mir dabei Kollegen über die Schulter schauen».

Der Ludwigshafener liebt seinen Job über alles, hat sich mit
seinem Beruf einen Jugendtraum erfüllt. Allein die Arbeitszeiten und
der Schichtdienst seien manchmal ein Problem, räumt er ein. Diese
kleinen Mankos würden aber vom Abwechslungsreichtum seines Berufes
kompensiert. Nach der Fahrt werden die Fahrtergebnisse ausgewertet
und mit den Durchschnittsergebnissen verglichen, erklärt Kabelitz.
Ein Instruktor erklärt den Probanden dann ihre Fehler oder weitere
Energiesparmöglichkeiten, bevor die zweite 20-minütige Fahrt am
Simulator ansteht.

Energiesparendes Fahren mit einem Zug sei nicht vergleichbar mit
energiesparendem Fahren im eigenen Auto, erläutert Kabelitz. Denn
dort lässt sich die Geschwindigkeit prinzipiell beliebig wählen. Als
Zugführer haben Kabelitz und seine Kollegen indes die vorgegebenen
Fahrzeiten zu beachten, um möglichst pünktlich anzukommen. Dennoch
könne man bei einer Zugfahrt viel Energie sparen, erklärt Reymund
Weitzel, Programmmanager für Fahrzeugführer im Simulationszentrum
Fulda: «Beim Energiesparen auf der Schiene hilft die Physik.» Habe
ein Zug seine Höchstgeschwindigkeit erreicht, könne er über weite
Strecken rollen und verliere dabei kaum an Tempo.

Dass das Training am Simulator seine Berechtigung hat, bewiesen
allein die harten Fakten, erläutert Weitzel: Allein in der Region
Rhein-Neckar wurden 2007 durch energiesparendere Fahrweise rund 5700
Tonnen Kohlendioxid weniger als noch ein Jahr zuvor ausgestoßen. So
verursache eine S-Bahn-Fahrt von Kaiserslautern nach Mannheim nur
noch 5,8 Kilogramm Kohlendioxid, bei einer durchschnittlichen
Autofahrt auf derselben Strecke würden hingegen 11,4 Kilo anfallen.

Zahlen, die auch Michael Kabelitz beeindrucken und seinen Ehrgeiz
herausfordern: «Bei der nächsten Simulationsfahrt werde ich natürlich
versuchen, die bisher erreichten sieben Prozent zu unterbieten.» Beim
Klimaschutz ist die Bahn heute nach eigenen Angaben im Vergleich zu
anderen Verkehrsträgern mit umgerechnet etwa 2,9 Liter
Benzinverbrauch auf 100 Kilometer pro Person im Fernverkehr mit
weitem Abstand führend. Und mit Hilfe der Lokführer soll dieser
Umweltvorteil der Bahn auch in den nächsten Jahren gesichert werden.
Bei seiner zweiten Trainingsfahrt am Dienstag hat Kabelitz seinen
Energieverbrauch nochmals um weitere vier Prozent gesenkt.

(Redaktion)


 


 

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