23.03.2012  10:06 Uhr

Börsencompass
Die tägliche Einschätzung der Börse

Rhein-Main. Das Topthema des Tages beruht heute auf dem rückläufigen EWU-Einkaufsmanagerindizes. Auf dem Aktienmarkt lässt das Überraschungsmomentum der Konjunkturdaten nach. Die Stimmung der Unternehmen im Euroraum ist getrübt.

Rentenmarkt / Konjunktur

Die Stimmung der Unternehmen im Euroraum hat sich im März unerwartet eingetrübt: Die Einkaufsmanagerindizes sind deutlich gefallen. Analysten hatten dagegen überwiegend mit einem Anstieg gerechnet. Die deutschen Indizes konnten sich diesmal nicht positiv von den anderen Euroländern abheben. Auch das belgische Unternehmensvertrauen – ein Indikator fürs Ifo-Geschäftsklima – ist im März unerwartet gefallen. Die Sorge vor einer neuerlichen Phase schwacher Konjunkturdaten führte gestern entsprechend zu einem Anstieg der Risikoaversion an den Renten- und Aktienmärkten. Die Bundesanleihen konnten wie schon am Vortag einen Teil der jüngsten Kursverluste ausgleichen.
Für etwas Beruhigung sorgten am Nachmittag die stabil niedrigen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA. Das EU-Verbrauchervertrauen legte etwas stärker als erwartet zu. Heute Morgen zeichnet der weiter ansteigende Frühindikator ein positiveres Konjunkturbild für China als zuletzt der HSBC-Einkaufmanagerindex. Die fortschreitende Erholung in den USA dürfte zusammen mit der expansiven Geldpolitik der EZB im Jahresverlauf auch die Konjunktur im Euroraum positiv beeinflussen. Ein nachhaltiger Stimmungsumschwung ist daher trotz der schwachen europäischen Einkaufsmanagerindizes unwahrscheinlich (vgl. Topthema). Klar ist aber auch, dass die Schuldenkrise noch nicht überwunden ist. Der Abbau der staatlichen Defizite in den Schuldenländern verläuft auch in diesem Jahr bislang deutlich schleppender als geplant.

Aktienmarkt

An den europäischen Aktienmärkten ging es gestern wieder abwärts. Nachdem in den letzten Monaten die Konjunkturdaten überwiegend positiv überraschten, lässt das Überraschungsmomentum nun nach. Schwache Frühindikatoren aus China (HSBC-Einkaufsmanagerindex) sowie aus Europa (Einkaufsmanagerindizes Deutschland und Frankreich) sorgten für Unsicherheit über den weiteren Konjunkturverlauf und entsprechende Gewinnmitnahmen. Die über den Erwartungen liegenden US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sorgten aber für eine gewisse Beruhigung. Zyklische Sektoren (Grundstoffe -3,3%, Banken -1,9%) führten die Verlierer an. Defensive Branchen zeigten relative Stärke, Telekoms (+0,1%) schlossen als einziger Sektor sogar im Plus. Auf Einzelwertebene fielen u.a. Lanxess (+8,5%) auf, die nach guten Zahlen und einem zuversichtlichen Ausblick zulegten. Auch SGL Carbon (+8%, Dividendenzahlung) stiegen deutlich. Die US-Märkte konnten sich besser halten als die Indizes in Europa, gleichwohl schlossen auch sie angesichts der schwächeren Makrodaten im Minus. Fallende Rohstoffpreise sorgten für Verluste bei Energie- und Grundstoffwerten (-2,1% bzw. -1,6%). Versorger (+0,6%) und Verbrauchsgüter (+0,1%) schlossen im Plus. Bei den Einzelwerten stand u.a. FedEx (-3,5%) nach einem enttäuschenden Ausblick im Fokus. Nike berichtete besser als erwartet und konnte nachbörslich um rd.1% zule-gen. An den asiatischen Märkten sorgen die wieder aufflammenden Konjunkturängste für eine leichtere Grundtendenz. China und Japan (wieder stärkerer Yen) geben nach, während sich u.a. der Markt in Südkorea wieder ins Plus vorarbeiten konnte. Heute steht das Notenbanktreffen im Fokus.

Topthema des Tages

EWU-Einkaufsmanagerindizes wieder im Rückwärtsgang

Nach der Erholung der Frühindikatoren in den vergangenen Monaten, die sich am stärksten in den US-Daten ausgeprägt hatte, ist für das kommende Quartal mit einem Übergang in eine Seitwärtsbewegung zu rechnen. Dies impliziert, dass es durchaus den einen oder anderen Rücksetzer geben wird. Dabei sind die US-Indikatoren allerdings so weit im Expansionsbereich, dass Befürchtungen über ein bevorstehendes Abgleiten in eine Rezession ohne eine systemische Eskalation der Staatsschuldenkrise nicht auf der Agenda stehen werden – dafür ist die Geldpolitik zu expansiv und die Anpassungsflexibilität der US-Wirtschaft zu hoch. Etwas anders sieht es hingegen bereits in den Emerging Markets – bzw. in China aus. Während sich auch hier die Frühindikatoren in der Breite verbessern konnten, ist der vorläufige Einkaufsmanagerindex von HSBC für das verarbeitende Gewerbe in China im März auf 48,1 Punkte zurückgefallen. Vor allem die Exportaufträge konnten sich bisher nicht nachhaltig stabilisieren. Die expansivere Geldpolitik und einige fiskalische Impulse werden zwar die Binnenwirtschaft abfangen, die chinesische Volkswirtschaft insgesamt hat die Talsohle – mit allen Unsicherheiten, die dieser Phase anhaften – bisher nicht verlassen können. Das insgesamt noch schwierige weltwirtschaftliche Umfeld hat sich im März in ähnlicher Form auf die Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone niedergeschlagen. Während die Dienstleistungs-PMIs fast unverändert blieben – fielen die für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland, Frankreich und der Eurozone deutlich in den Kontraktionsbereich zurück. Der Weg für die –europäische – Industrie wird ein holpriger sein.


 

(ots / Commerzbank AG)

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