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Themenserie Wettbewerblicher Dialog

Experteninterview mit Marion Schmitz-Stadtfeld

Marion Schmitz-Stadtfeld ist Leiterin der Integrierte Stadt- und Gewerbeflächenentwicklung bei der NH ProjektStadt und Verfahrensleiterin des Wettbewerblichen Dialogs ‚Neue Mitte’ Nidderau. business-on.de führte ein Experteninterview mit ihr.

business-on: Die NH ProjektStadt ist das Kompetenzzentrum für den Wettbewerblichen Dialog – warum ist ein solches Kompetenzzentrum so wichtig?

Marion Schmitz-Stadtfeld: Der Wettbewerbliche Dialog ist ein Vergabeverfahren, das sich von einer klassischen Ausschreibung sehr unterscheidet. Die Verfahrensregeln sind recht komplex und es bedarf eines kompetenten Partners, der das Verfahren steuert, der die Fäden in der Hand hält und die Einhaltung der Regeln und Fristen verfolgt. Um in allen Schritten Rechtssicherheit garantieren zu können, arbeiten wir mit einem spezialisierten Anwalt zusammen, mit Rechtsanwalt Dr. Olaf Otting von der Kanzlei Gleiss Lutz in Frankfurt. Die NH ProjektStadt hat bereits im Wettbewerblichen Dialog der Stadt Hanau die verantwortlichen Akteure während des gesamten Verfahrens beraten. Dort zeichneten wir u. a. für alle Investitionsberechnungen sowie für die immobilienwirtschaftliche Themenstellung verantwortlich. In Hanau ist das Verfahren im Mai 2010 zu Ende gegangen. Mit dem Ergebnis waren die Stadt und der ausgewählte Bewerber HBB sehr zufrieden, trägt doch das Konzept dank des Wettbewerblichen Dialogs sowohl den städtebaulichen als auch den wirtschaftlichen Aspekten optimal Rechnung.
Wir sind das Kompetenzzentrum, da wir der erste und bisher einzige Projektentwickler in Deutschland sind, der bereits Wettbewerbliche Dialogverfahren mit städtebaulicher Aufgabenstellung in die Tat umgesetzt hat. Das Verfahren in Hanau startete im Juni 2008. Wir blicken also auf eine sehr intensive, dreijährige Erfahrung zurück, die nun auch anderen Kommunen zugute kommen kann. Ohne einen erfahrenen Partner ist die Abwicklung des Verfahrens sehr arbeitsintensiv und dementsprechend Ressourcen bindend. Warum soll sich eine Gemeinde also nicht jemanden ins Boot holen, der genau weiß, wie es läuft und worauf zu achten ist? Im Oktober 2010 haben wir übrigens das „Kompetenzzentrum Wettbewerblicher Dialog“ als Marke eingeführt.

business-on: Welche besonderen Aufgaben fallen Ihnen bzw. der NH Projektstadt als verantwortliche Verfahrensleitung im Wettbewerblichen Dialog zu?

Schmitz-Stadtfeld: Die Aufgaben sind vielfältig und komplex, weswegen es auch sinnvoll ist, bei einem Wettbewerblichen Dialogverfahren diese Aufgaben an eine externe Stelle abzugeben. Für das Verfahren in Nidderau übernehmen wir die zeitliche Koordinierung aller Verfahrensschritte, wir haben das Verfahren ausgeschrieben und koordinieren den Teilnehmerwettbewerb. Gemeinsam mit der Stadt bewerten wir die Lösungsvorschläge und übernehmen während der Dialogphasen die Moderation der Verhandlungsgespräche. Zudem planen und moderieren wir die Beiratssitzungen und die Bürgerbeteiligungen und prüfen die Investitions- und Folgekosten für die Stadt sowie die Investitionskosten für den Investor. Für die Stadt stellen wir eine Prognose auf zu den Auswirkungen der Entwicklung auf den städtischen Haushalt und geben damit den Verantwortlichen eine solide und belastbare wirtschaftliche Entscheidungsgrundlage an die Hand. In unseren Verantwortungsbereich fällt auch die Vorbereitung aller Entscheidungsprozesse in der Stadtverordnetenversammlung, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Dokumentation des Verfahrens.

business-on: Worin bestehen die Herausforderungen in diesem Verfahren?

Schmitz-Stadtfeld: Zuallererst bedarf es einer entscheidungsfreudigen Politik, die sich zu einer integrierten Stadtentwicklung bekennt. Die Verantwortlichen der Stadt müssen zudem die Bereitschaft mitbringen, mit den Investoren fair und auf Augenhöhe zu verhandeln, denn im Gegensatz zu anderen Ausschreibungsverfahren tritt die Stadt beim Wettbewerblichen Dialog nicht als führender Partner auf, die Investoren sind hier mit der Stadt gleichberechtigt. Grundvoraussetzung für den Entschluss zu einem Wettbewerblichen Dialog ist auch der Willen seitens der Stadt, an ihre Bürger nicht nur Spielgeld verteilen zu wollen, nicht nur Makulaturen zu schaffen. Die Verantwortlichen müssen den Bürgern deutlich zeigen, dass sie deren Meinungen ernst nehmen und ihnen Einflussmöglichkeiten auf die Entwicklung ihrer Stadt eröffnen.

business-on: Welche Möglichkeiten haben die Bürger in Nidderau, sich an einem solchen Verfahren und der Auswahl des optimalen Bewerbers zu beteiligen?

Schmitz-Stadtfeld: Es liegt in der Natur des Verfahrens, dass es die eingereichten Entwürfe und die Inhalte der einzelnen Dialogphasen der Geheimhaltung unterliegen – schließlich handelt es sich um einen Wettbewerb und die einzelnen Bewerber sollen in ihre Entwürfe keine Ideen ihrer Mitbewerber einfließen lassen. Sind aber die Dialoggespräche schon weit vorangekommen und sind die Bewerber, die sich dann noch im Rennen befinden, damit einverstanden, können die Entwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Sowohl in Hanau als auch in Nidderau haben wir die Präsentation mit einer großen Ausstellung realisiert. Alle Bürgerinnen und Bürger konnten sich die Lösungsvorschläge anschauen, mit den Investoren diskutieren und selbst Anregungen und Hinweise geben. Die Investoren haben diese Anregungen dann soweit wie möglich in der Überarbeitung ihrer Entwürfe berücksichtigt.
Zudem haben beide Städte dem Projektteam einen Beirat zu Seite gestellt. Er bestand aus Vertretern von Politik und Wirtschaft, Kultur und Kirchen, Vereinen, Verbänden und verschiedenen Interessengruppen in der jeweiligen Stadt. Dieser Beirat war quasi der Repräsentant der Öffentlichkeit und als solcher von Anfang an in das Verfahren eingebunden. Er hatte die Möglichkeit, die Entwürfe in ihren verschiedenen Stadien zu kommentieren und die Investoren mit wichtigem lokalen Wissen zu unterstützen.

Sabine Fauth

(Redaktion)


 


 

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