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Ausstellung zu Peter Roehr

Frankfurts Museum für Moderne Kunst und Städel Museum kooperieren

(bo/ddp-hes). Die «Schwarzen Tafeln» gelten als das Hauptwerk des jung verstorbenen Frankfurter Künstlers Peter Roehr. Sie zeigen nichts als gerade weiße Linien auf schwarzem Grund. Ähnlich klar voneinander abgegrenzt galten gemeinhin die Aufgaben des Museums für Moderne Kunst (MMK) und des Städel Museums in Frankfurt: das eine sammelte Gegenwartskunst, das andere Bilder der klassischen Moderne.

Ab Freitag (27. November) zeigen die beiden international renommierten Museen erstmals eine gemeinsame Ausstellung mit beinahe sämtlichen Werken des frühen Minimalisten Peter Roehr (1944 bis 1968). Die «Schwarzen Tafeln» waren in Frankfurt zuletzt vor mehr als 40 Jahren zu sehen.

Die gemeinsame Ausstellung lässt sich auch als Zeichen einer Aussöhnung deuten. Derzeit wird im Garten des Städels die Baustelle für den 3000 Quadratmeter großen Erweiterungsbau vorbereitet. Dort will das Museum ab 2011 Fotografien und Bilder aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigen, Kunst also, die man bislang eher im MMK verortet hatte. Nach Bekanntgabe der Pläne reagierte der damalige Direktor des MMK, Udo Kittelmann, entsprechend irritiert. Vor einem Jahr zog es Kittelmann als neuen Direktor der Nationalgalerie nach Berlin.

Kittelmann im MMK folgte Susanne Gaensheimer. Eine mit der Organisation der Roehr-Ausstellung Vertraute sagt, die neue personelle Konstellation habe die Kooperation mit dem Städel «sicher gefördert». Gaensheimer möchte über «die ollen Kamellen» lieber nicht sprechen. Sowohl MMK als auch das Städel, das im Jahr 2008 die «Schwarzen Tafeln» erwarb, hätten wichtige Werkgruppen Roehrs in ihren jeweiligen Sammlungen. «Es wäre lächerlich, wenn jedes Haus für sich allein eine Ausstellung planen würde», erklärt Gaensheimer.

Die MMK-Direktorin betont, ihr Museum habe «den weltgrößten Bestand an Werken von Peter Roehr». Es sei zudem «einzigartig, dass fast alle Werke eines Künstlers in einer Stadt vertreten sind». Was MMK und Städel nicht besitzen, haben private Sammler in Frankfurt oder das Museum Wiesbaden. Fast alles davon soll in der Ausstellung zu sehen sein.

 Gaensheimer rühmt Roehr für seine «außerordentliche Radikalität und Konsequenz». Was später Hanne Darboven oder On Kawara zu Künstlern von Weltrang aufsteigen ließ, habe Roehr in den frühen 1960er Jahren vorweggenommen. Seine Arbeiten hätten den Charakter des Seriellen und unternähmen, indem in ihnen oft nur Fundstücke verwertet werden, den «Versuch, Objektivität in der Kunst zu erreichen».

Städel-Direktor Max Hollein sagt, nach dem Ankauf von Roehrs «Schwarzen Tafeln» hätten er und sein Team sich gefragt, wie sie das Werk präsentieren sollten. Er kontaktierte Gaensheimer, und diese war von der Idee einer gemeinsamen Ausstellung begeistert. Zwischen den Arten, wie Städel und MMK Kunst sammeln, bestehe aber weiterhin ein Unterschied: Das Städel verfolge die Entwicklung der Geschichte des Tafelbilds in den zurückliegenden 700 Jahren, das MMK sammle auch Videos, Installationen, Konzeptkunst, Performance Art.

Insofern ergänzten sich die Sammlungen beider Häuser, betont Hollein. Er räumt aber ein: «Die gemeinsame Ausstellung kann sicher auch als ein Zeichen dafür gelten, dass die Museen Synergien nutzen wollen und nicht als Konkurrenten gesehen werden müssen.»

Die Ausstellung «Peter Roehr - Werke aus Frankfurter Sammlungen» eröffnet am 27. November um 19 Uhr und ist bis 7. März 2010 zu sehen.

(Stephan Loichinger)


 


 

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