Ranking
Jedes vierte Großunternehmen schweigt zu Nachhaltigkeit
Rhein-Main. Wie Unternehmen gut über sozioökologische Aspekte ihres Tuns informieren, zeigen vor allem BMW und Lammsbräu. Viele Unternehmen geben dagegen noch immer keine Auskunft.
BMW, Siemens und BASF sind die deutschen Großunternehmen, die die Öffentlichkeit am besten über die sozialen und ökologischen Folgen ihres Geschäfts informieren. Das ergab die Analyse aktueller Nachhaltigkeitsberichte der 150 größten deutschen Unternehmen. Erstellt wurde das Ranking vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und dem Wirtschaftsverein Future – Verantwortung Unternehmen.
Neben den großen Unternehmen bewerteten die Gutachter auch Mittelständler, die ihre Berichte für das Ranking freiwillig eingereicht hatten. Von den insgesamt 41 kleinen und mittleren Unternehmen wurde der Bericht der Biobrauerei Neumarkter Lammsbräu am besten beurteilt. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Büroversandhändler Memo und die Bremer Straßenbahn AG.
Es ist bereits die achte Auflage des IÖW/Future-Rankings. Grundlage sind Informationen, die Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit für einen klar umrissenen Berichtszeitraum veröffentlichen: von Broschüren über Websites bis hin zu eigenständigen Nachhaltigkeitsberichten. IÖW und Future begutachten unter anderem, wie gut die Unternehmen über ökologische und soziale Aspekte der Produktion, ihre Verantwortung in der Lieferkette und über Nachhaltigkeitsstrategien und -ziele informieren.
IÖW und Future schauen zwar nicht in die Betriebe hinein, um zu prüfen, ob die Eigendarstellung in den Berichten mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Das Kriterium Glaubwürdigkeit spiele im Ranking dennoch eine Rolle, sagt Projektleiterin Jana Gebauer. "Wir suchen in den Berichten nach Belegen für die angegebenen Leistungen, beispielsweise nach der Zahl und den Ergebnissen externer Überprüfungen."
Jedes vierte Großunternehmen ist Berichtsmuffel
Die Berichte der Großunternehmen überzeugten IÖW und Future vor allem in der Darstellung des betrieblichen Klima- und Umweltschutzes und der Entwicklung nachhaltiger Produkte. Häufig fehlten aber klare und verbindliche Strategien und Ziele für nachhaltiges Wirtschaften, kritisierten die Gutachter. Lücken zeigen die Berichte außerdem bei der Verantwortung für die Interessen der Mitarbeiter. "Unternehmerische Verantwortung bedeutet eben nicht nur Umweltschutz", sagt Gebauer.
Auffällig ist, dass rund ein Viertel der 150 größten deutschen Unternehmen keine gesonderten Informationen zur Frage der Nachhaltigkeit herausgibt. "Uns überrascht vor allem, dass sich der Prozentsatz im Lauf der Jahre nicht verändert", sagt Gebauer. Zu denen, die keine Nachhaltigkeitsinformationen veröffentlichen, zählen Logistiker und Handelsunternehmen.
"Das sind häufig Unternehmen, die nicht so in der Öffentlichkeit stehen oder bei denen die Endkunden zu selten Umwelt- und Sozialstandards nachfragen", erläutert Gebauer. "Für die ist die Veröffentlichung solcher Berichte erst interessant, wenn sie eingefordert werden – und der Kunde dann auch entsprechend einkauft." Die höchsten Anteile eigenständiger Berichte finden sich dagegen bei den Banken, Autoherstellern und Chemie- und Pharmaunternehmen, also vor allem Unternehmen, bei denen die sozioökologischen Auswirkungen ihrer Geschäfte verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit stehen.
Mittelständler bleiben bei Nachhaltigkeitszielen oft vage
Der Sieger bei den Mittelständlern, Neumarkter Lammsbräu, überzeugte die Gutachter mit einer strukturierten und transparenten Darstellung vor allem der ökologischen Aspekte von Produktion und Produkten. Das Unternehmen vermittle "den Eindruck einer 'gläsernen Produktion'", heißt es im Urteil von IÖW/Future.
Beim Zweitplatzierten Memo wird ebenfalls die hohe Transparenz gelobt. Memo beschreibe nicht nur, wie ein integriertes Nachhaltigkeitsmanagement systematisch umgesetzt wird, sondern gehe auch umfassend auf die Mitarbeiterinteressen ein, beispielsweise die gerechte Entlohnung der Beschäftigten und Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Auch der Drittplatzierte, die Bremer Straßenbahn AG, punktete mit einer ausführlichen Beschreibung der Personalsituation, insbesondere zur Frauenförderung, zu Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung und flexiblen Altersteilzeitmodellen.
Dass die Gutachter in den Berichten der Mittelständler die Darstellung ihrer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern so hervorheben, hat vor allem einen Grund: Es ist bisher noch relativ selten. Besonders bei den Themen Arbeitnehmerrechte, Arbeitszeitgestaltung und Chancengleichheit wiesen viele der Berichte Lücken auf, kritisieren IÖW und Future. Außerdem fehlten bei vielen Mittelständlern konkrete und überprüfbare Ziele sowie der ehrliche Abgleich mit dem Erreichten.
(ots/ W&V)
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