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Studie des IAB Hessen

Wenig Lohn für ganze Arbeit

„Der deutliche Anstieg von Niedriglöhnen in den letzten zehn Jahren stimmt bedenklich, gerade auch weil es laut Studie vielfach Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung und sogar Hochschulausbildung trifft.

Gleichzeitig sind auch Branchen wie das Gesundheitswesen, die immer mehr nach Fachkräften rufen von dieser Entwicklung betroffen. Niedrige Löhne treffen die Sozialkassen immer dann, wenn der Lohn oder die Rente durch die staatliche Grundsicherung aufgestockt werden müssen.“, kommentierte Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, die aktuelle Studien des IAB Hessen.

In seiner aktuellen Studie präsentiert das IAB Hessen neue Zahlen und gibt einen empirischen Überblick über die Entwicklung und Struktur des Niedriglohnsektors in Hessen.

Jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte arbeitet im Niedriglohnbereich

In Hessen arbeiteten zum Ende des Jahres 2010 insgesamt 311.500 Personen beziehungs-weise 19,2 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnsektor. Damit liegt der Anteil in Hessen um 1,6 Prozentpunkte niedriger als im westdeutschen Durchschnitt (20,8 Prozent).

Der Niedriglohnbereich ist innerhalb der letzten elf Jahre mit rund 26 Prozent stark gewachsen. 1999 arbeiteten etwa 235.000 sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte unterhalb der westdeutschen Niedriglohnschwelle.

Frauen und Jüngere deutlich überproportional von Niedriglöhnen betroffen

Insgesamt 29,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigten Frauen hatten Ende 2010 ein monatliches Bruttoeinkommen unterhalb der westdeutschen Niedriglohnschwelle von 1.890 Euro. Insgesamt befinden sich derzeit rund 170.000 vollzeitbeschäftigte Frauen in einem Niedriglohnjob; das entspricht einem Anteil von 54,4 Prozent. Demgegenüber arbeiten nur 13,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigten Männer für einen Niedriglohn.

Differenziert nach Altersklassen zeigt sich, dass der Anteil besonders bei den unter 25-Jährigen sehr hoch ausfällt (48,5 Prozent) und dies obwohl Auszubildende in der Analyse nicht berücksichtigt werden.

Der Anteil derjenigen mit abgeschlossener Hochschulausbildung hat sich ebenso deutlich erhöht: Ihre Zahl ist im Niedriglohnbereich zwischen 1999 und 2010 um insgesamt 69 Prozent gestiegen. Zwar ist für Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung die Gefahr deutlich höher, im Niedriglohnbereich einzumünden, dennoch stellen Arbeitnehmer mit ab-geschlossener Berufsausbildung den größten Anteil der Niedriglöhner.

Geringe Löhne besonders im Dienstleistungssektor

Viele Branchen mit einem hohen Niedriglohnanteil sind dem Dienstleistungssektor zuzuordnen, wie zum Beispiel das Gastgewerbe (60,8 Prozent) oder die Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (53 Prozent), wozu auch die Arbeitnehmerüberlassung zählt. Der Anteil von Niedriglohnbeschäftigten im Produzierenden Gewerbe (Verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe) fällt hingegen deutlich niedriger aus.

Auf der Ebene der Berufsbereiche gehören Vollzeitbeschäftigte mit technischen Berufen (2,8 Prozent) äußerst selten dem Niedriglohnsektor an, während Dienstleistungsberufe (20,5 Prozent) und Fertigungsberufe (20,1 Prozent) deutlich höhere Niedriglohnanteile aufweisen.
Hierunter fallen insbesondere:

• Allgemeine Dienstleistungsberufe (58,3 Prozent) z.B. Friseure, Hotel- und Restaurantfachleute, Gebäude- und Fassadenreiniger,

• Ernährungsberufe (47,8 Prozent) z.B. Konditoren und Bäcker, Fleischer oder Köche,

• Ordnungs- und Sicherheitsberufe (29 Prozent) z.B. Pförtner sowie Werkschutzleute,

•Gesundheitsberufe (27,9 Prozent) z.B. Masseure, Sanitäter und Arzthelfer.

(Redaktion)


 


 

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1 Kommentar

von Knegge
05.01.12 22:16 Uhr
[email protected]

Solange in diesem Lande gutgläubig weiter gewettet und gewählt wird, solange wird sich daran nichts ändern.

Wer sich nicht schämen muss, das sind die hohen Damen und Herren. Anstand, Respekt und Ehre zählen hier nicht mehr. Aber wir ( die hohen und mächtigen Führer ) diktieren anderen Ländern diese Werte. Eine Schande.

 

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