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Lautenschläger sieht Hessen bei Nutzung von Biomasse vorn

(bo/ddp-hes). Vier Fünftel der Wärme und des Stroms aus erneuerbaren Energien werden in Hessen aus Holz oder Biogas gewonnen. Damit nutze Hessen Biomasse stärker als andere Bundesländer, sagte Umwelt- und Energieministerin Silke Lautenschläger (CDU) am Montag in Wiesbaden.

Der Anteil der «grünen Energie» an erneuerbaren Energien
sei hier zehn Prozent höher als im Bundesdurchschnitt. «Biomasse ist
das Rückgrat unseres Energiekonzepts», betonte Lautenschläger.
Politiker von CDU und FDP lobten das Engagement Hessens bei der
Biomasse. Vertreter der Opposition kritisierten, der Regierung fehle
es an einem umfassenden Konzept.

Die Ministerin lobte die Vielseitigkeit von Biomasse: «Sie kann
zur Erzeugung von Wärme, Strom und Treibstoff genutzt werden. Man
kann sie speichern und lagern, so dass sie rund um die Uhr zur
Verfügung steht.» Lautenschläger stellte eine Studie über Nutzung und
Potenzial von Biomasse in Hessen vor. Dafür seien erstmals alle Daten
regional erfasst worden. Die Studie soll allen Landkreisen zur
Verfügung gestellt werden.

Auch die Wirtschaft profitiere von der Nutzung der Biomasse, sagte
Lautenschläger: «Bei der Produktion und Nutzung werden in Hessen rund 380 Millionen Euro pro Jahr umgesetzt, Tendenz steigend.» Dazu kämen Investitionen in Produktionsanlagen und Technik. Die Biomasse in Hessen besitze ein derart großes Potenzial, dass doppelt so viel
Energie aus diesen erneuerbaren Quellen erzeugt werden könnte wie
heute. Das Land Hessen habe seit 1999 den Bau von mehr als 400
Biomasse- und Biogasanlagen gefördert. Damit würden 126 000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart.

Der Umwelt-Experte der CDU-Fraktion im Landtag, Peter Stephan,
sieht in der stärkeren Nutzung von Biomasse eine wichtige
Voraussetzung dafür, bis zum Jahr 2020 20 Prozent am
Endenergieverbrauch ohne den Verkehrssektor aus regenerativen Quellen zu speisen. «Hessen leistet hier beispielhafte Arbeit», sagte
Stephan. Viele Landkreise schöpften ihr Potenzial an Biomasse jedoch
noch nicht aus.

Auch Heinrich Heidel von der FDP-Fraktion gab sich zuversichtlich
hinsichtlich des 20-Prozent-Ziels: «Es ist zum Greifen nah.» Für
viele landwirtschaftliche Unternehmen biete Biomasse große
Verdienstchancen.

SPD-Umweltexperte Manfred Görig stellte dagegen fest:
«Energiepolitisch bewegt sich Frau Lautenschläger auf niedrigem
Niveau, doch das mit großem Tamm-Tamm.» Die Energiepolitik der
Landesregierung sei zu kleinteilig, das 20-Prozent-Ziel zu niedrig,
ein echter Fortschritt nicht gewollt.

Die Grünen bemängelten, dass Lautenschläger keinen Plan vorlege,
wie sie die Bioenergienutzung in Hessen vorantreiben wolle. Nur auf
großflächigen Anbau von Energiemais zu setzen, schade der Umwelt,
sagte Agrar-Sprecher Daniel May. Die Regierung müsse einen Plan zur
Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, zur Nutzung von Stroh und Gülle und
zur Umsetzung in den Landkreisen erstellen.

Für die Linkspartei betonte Umwelt-Expertin Marjana Schott, der
überdurchschnittliche Anteil von Biomasse an erneuerbaren Energien
dürfe «nicht darüber hinwegtäuschen, dass Hessen im Bundesvergleich
weiterhin den geringsten Anteil erneuerbarer Energien an der
Versorgung hat». Soeben erst habe die Landesregierung das
Förderprogramm für regenerative Energien eingestellt.

Foto: www.pixelio.de

(ddp-Korrespondent Ulrich Breitbach)


 


 

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