Gehirndoping
Hände weg von Gehirndoping
Frankfurt am Main. Rund 24.000 Schüler in Hessen bereiten sich derzeit mit Hochdruck auf die Abiturprüfungen vor. Immerhin beginnen in gut zwei Wochen schon die ersten Tests. Viele Schüler wollen auf der Zielgeraden die Maximal-Leistung aus ihrem Gehirn herausholen.
Doch das sollte auf keinen Fall mit Tabletten wie Ritalin geschehen, warnt die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen. Denn seit einigen Jahren häufen sich im Internet Berichte, wonach immer mehr Schüler und Studenten zu Pillen greifen, um ihr geistiges Leistungsvermögen zu steigern.
Eigentlich wird Ritalin mit dem Wirkstoff Methylphenidat eingesetzt, um Menschen mit ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom) zu behandeln. Auf Gesunde wirkt das Mittel nachweislich stimulierend. "Ritalin macht nicht schlauer", erklärt Dr. Helga Christoffel, Medizinerin aus dem TK-Ärztezentrum. Zudem sei bei den Medikamenten äußerste Vorsicht angesagt: "Die vermeintlich bessere Konzentrationsfähigkeit bei Gesunden wird durch Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Reizbarkeit und Nervosität erkauft", sagt die Allgemeinmedizinerin. Mögliche langfristige Auswirkungen auf Denk- und Merkfähigkeit seien noch nicht ausreichend erforscht.
Es ist nicht auszuschließen, dass Menschen ohne ADS/ADHS, die dennoch regelmäßig Methylphenidat einnehmen, mit der Zeit abhängig von den Mitteln werden. "Nicht umsonst fällt das Medikament unter das Betäubungsmittelgesetz", sagt Christoffel.
Auch ohne Pillen lässt sich das Gehirn vor Prüfungen auf Vordermann bringen, sagt Nadine Müller, Ernährungsexpertin der TK in Hessen. Während anstrengenden Lernphasen ist eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig, weiß sie. "Obst, Gemüse und Milchprodukte sollten täglich auf dem Speiseplan stehen."
Ausreichend Kohlenhydrate sind wichtig für die Denk- und Merkfähigkeit des Gehirns, sagt Müller. Aber Achtung: "Allzu üppig sollten die Mahlzeiten nicht sein, denn mit einem vollen Magen lernt sich's schlecht." Müller empfiehlt daher Kartoffeln und Pasta nur mit fettarmen Soßen zu genießen. Auch die Auswahl der Getränke sei wichtig. "Täglich 1,5 bis zwei Liter Wasser, Saftschorle oder ungesüßte Früchte- und Kräutertees sollten es schon sein", sagt Müller.
Wer viel lernt bräuchte auch kleine Imbisse. "Äpfel und Birnen zwischendurch zu futtern, ist eine gute Idee. Die beiden Obstsorten haben besonders viele Vitamine und die steigern die Konzentrationsfähigkeit." Auch die Nüsse und Rosinen im Studentenfutter kann die Ernährungswissenschaftlerin als Snack empfehlen.
Auch während der mehrstündigen Klausuren böten sich Obst und Nüsse als Zwischenmahlzeit an. Traubenzucker und Schokolade lehnt Müller hingegen ab. "Sie sorgen nämlich für eine Berg- und Talfahrt des Blutzuckerspiegels."
Mit einem ausgewogenen Frühstück an Prüfungstagen sollten Schüler eine gute Grundlage schaffen, so Müller. "Ideal ist ein Müsli mit Vollkornflocken, Nüssen, Trockenfrüchten, frischem Obst und Joghurt." Wer normalerweise Kaffee oder schwarzen Tee trinke, müsse auch am Morgen vor der Prüfung nicht darauf verzichten, da der Körper an den Koffein-Kick gewöhnt sei. "Während der Tests sollte dann aber nur noch Wasser oder Saftschorle getrunken werden", rät die Expertin.
(Techniker Krankenkassen (TK))
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