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Mogelpackung

Opel-Übernahme durch Magna geplatzt

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(bo/ddp-hes). Die geplante Übernahme des Autobauers Opel durch den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna ist geplatzt. Der US-Konzern General Motors (GM) will seine Tochter Opel nun doch behalten.

Der Verwaltungsrat sprach sich in seiner Sitzung am Dienstag gegen den Verkauf von Opel aus. Nun will GM Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall in Eigenregie sanieren. Bei der Bundesregierung und beim Opel-Betriebsrat stieß die Entscheidung in der Nacht auf Enttäuschung und Unverständnis. Der Bund forderte die bislang gezahlten 1,5 Milliarden Euro fristgerecht zurück. Die Opel-Arbeitnehmer sehen die Werke Antwerpen, Bochum und Kaiserslautern akut gefährdet.

Der GM-Verwaltungsrat habe diese Entscheidung angesichts des besseren Geschäftsumfelds und -verlaufs in den vergangenen Monaten getroffen, hieß es in einer Mitteilung des US-Konzerns. Zudem habe die Bedeutung von Opel/Vauxhall für die globale Strategie von GM eine Rolle gespielt.

Die Bundesregierung bedauerte die Entscheidung des Verwaltungsrates von General Motors. Mit dieser Entscheidung sei ein Investorenprozess abgebrochen worden, der über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten von allen Beteiligten - einschließlich GM - intensiv geführt wurde, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Das bis zuletzt auch von General Motors favorisierte Konzept von Magna und der Sberbank habe eine überzeugende industrielle Logik.

Die Bundesregierung erwarte nun, dass General Motors den Konzern Opel in seiner Leistungsfähigkeit stärkt, die erforderlichen Anpassungen auf ein unverzichtbares Mindestmaß begrenzt und die ausgereichte Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro fristgerecht zurückzahlt.

Die Opel-Arbeitnehmer sind nun nicht bereit, Sanierungsbeiträge zu leisten. Das sagte der Vorsitzende des europäischen Gesamtbetriebsrats und Opel-Konzernbetriebsratschef, Klaus Franz. Im Falle einer Übernahme durch Magna wären die Arbeitnehmer bereit gewesen, durch Lohnverzicht 265 Millionen Euro pro Jahr zur Restrukturierung von Opel beizutragen. Die Opel-Arbeitnehmer lehnen den Verbleib bei der jetzigen Muttergesellschaft strikt ab, weil sie in diesem Szenario harte Einschnitte befürchten. Nach Aussage von Franz sind nun die Werke Antwerpen, Bochum und Kaiserslautern akut gefährdet.

Der Detroiter Konzern, der vor kurzem aus der Insolvenz zurückgekommenen ist und nur durch Staatsmittel fortbestehen kann, will nun umgehend die Restrukturierung von Opel angehen. Vorstandsvorsitzender Fritz Henderson sagte, er hoffe auf die Zustimmung der deutschen und anderer von der Entscheidung betroffenen Regierungen. Die Entscheidung sei im besten langfristigen Interesse aller Kunden, Arbeiter, Zulieferer und Händler.

Die Restrukturierungskosten für das Europageschäft sieht GM auf vorläufiger Basis bei rund drei Milliarden US-Dollar. GM will nach eigenem Bekunden nun in Zusammenarbeit mit allen europäischen Gewerkschaften einen Plan für die Sanierungsbeiträge der Arbeitnehmer erstellen.

Der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werkes, Rainer Einenkel, hofft trotz der Entscheidung des GM-Verwaltungsrates auf einen Erhalt der deutschen Standorte: «Ohne Opel hat GM keine Zukunft in Europa. Ich gehe davon aus, dass sie auch die Werke brauchen», sagte Einenkel. Er wies darauf hin, dass der zweite Rettungsplan, den GM im Frühjahr der Bundesregierung vorgelegt hatte, einen Erhalt der deutschen Standorte vorsehe. Die «Hängepartie» sei allerdings «unerträglich» für die Beschäftigten. «Wir brauchen endlich Klarheit. Uns läuft die Zeit langsam weg. Der Finanzierungsrahmen der Bundesregierung steht nur bis Ende November», sagte Einenkel.

 Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall beschäftigen europaweit etwa 50 000 Menschen, gut die Hälfte davon an den vier deutschen Standorten in Rüsselsheim (15 600 Mitarbeiter), Bochum (5170 Mitarbeiter), Eisenach (1800 Mitarbeiter) und Kaiserslautern (2400 Mitarbeiter).

Der hessische Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) kritisierte die Entscheidung scharf, «nach monatelangem Gezerre im Unternehmen nunmehr Opel nicht an Magna zu verkaufen». «Ich bin sehr betroffen und zugleich verärgert, dass die monatelangen Bemühungen, für Opel Europa eine möglichst gute Lösung zu finden, an GM gescheitert sind», erklärte der Ministerpräsident und fügte hinzu: «Angesichts der negativen Erfahrungen der letzten Jahre mit der Unternehmenspolitik von GM mache ich mir große Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze.»

(Angelika Rausch)



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