Opel
Seelentröster für gefrustete Opelaner - Rüsselsheimer Industriepfarrer Guth sieht Geduld bei Mitarbeitern des Autokonzerns erschöpft
Rhein-Main. Volkhard Guth arbeitet nicht bei Opel, er ist auch kein Gewerkschafter. Und doch weiß er, was in den Köpfen vieler Mitarbeiter des unter Druck stehenden Autokonzerns vor sich geht. Denn der evangelische Industriepfarrer aus Rüsselsheim hört sich seit Jahren die Sorgen der Opelaner an.

Der Rüsselsheimer Industriepfarrer Guth sieht die Geduld bei Mitarbeitern des Autokonzerns erschöpft.
"Wir können von einer Dauerkrise sprechen. Von einer Krise, die das Leben vieler Mitarbeiter, aber auch ihrer Familien, während der vergangenen Jahre negativ verändert hat", sagt der 44-Jährige.
Jetzt, wo der Autohersteller erneut wegen sinkender Absätze, neuer Sanierungsprogramme und Streichlisten in die Schlagzeilen gerät, breite sich Resignation aus. "Die Belegschaft ist nicht mehr zu Zugeständnissen bereit", will Guth bei zahlreichen Gesprächen erfahren haben. Dabei sei das Unternehmen nach wie vor auf die Kooperationsbereitschaft der Opelaner angewiesen.
Zu den Schritten, die im Aufsichtsrat des Unternehmens diskutiert werden, gehören neben finanziellen Einbußen der Mitarbeiter nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen auch Werksschließungen. Schon in der Vergangenheit habe die Belegschaft zurückstecken müssen, sagt Guth. Egal, ob es um Einbußen beim Einkommen oder um die Flexibilisierung von Arbeitszeiten ging - den Mitarbeiter am Rüsselsheimer Stammsitz könne man kaum vorwerfen, sie hätten nicht zur Rettung des Unternehmens beigetragen, betont der Seelsorger.
Seit langem die gleichen Probleme
Aber die Loyalität zum Unternehmen neige sich dem Ende zu, ist der Pfarrer überzeugt. "Ich habe den Eindruck, dass sich die Mehrheit nicht mehr auf Kompromisse mit der Unternehmensleitung einlassen will", sagt Guth, der nicht nur die Betriebe in der Region, sondern auch die Rüsselsheimer Matthäus-Gemeinde betreut.
Vor allem dränge sich den Mitarbeitern der Eindruck auf, der US-Mutterkonzern General Motors (GM) verhindere schon seit Jahren den Absatz der qualitativ hohen Opel-Produkte auf den Märkten außerhalb Europas - zugunsten von Fahrzeugen anderer GM-Marken wie Chevrolet. "Gleichzeitig sollen sich die Mitarbeiter weiterhin einschränken, weil ihnen vorgeworfen wird, zu teuer zu sein. Das verursacht den Ärger", sagt Guth.
Hinzu komme, dass immer neue Schließungspläne aus Detroit das "Negativ-Image" Opels förderten. Jüngsten Presseberichten zufolge soll ein Teil der Astra-Produktion vom Stammwerk in Rüsselsheim abgezogen werden. Als künftiger Produktionsstandort werde das Werk im südpolnischen Gliwice gehandelt.
Guth sagt, er könne den Ärger der Opelaner gut nachvollziehen. Denn das Unternehmen, dass 2012 immerhin 150 Jahre alt wird, kämpft seit langem mit den immer gleichen Problemen.
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