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Orientierung am ehrbaren Kaufmann gefordert

IHK-Präsident Eckelmann plädiert für ein faires Wertegerüst Der Präsident der IHK Wiesbaden, Dr. Gerd Eckelmann, spricht sich angesichts der Finanzmarktkrise im Editorial des morgen erscheinenden IHK-Magazins HESSISCHE WIRTSCHAFT dafür aus, dass die Schaffung von echten Werten anhand eines fairen Wertegerüstes wieder stärker in den Mittelpunkt rücken muss. Maßstab solle das Leitbild des ehr-baren Kaufmanns sein. Zugleich unterstreicht er, dass unsere dezentrale marktwirtschaftliche Ordnung mit Krisen viel besser fertig werde als jede staatszentrierte Planwirtschaft.

Lesen Sie nachfolgend das Editorial im Wortlaut:
„Die internationale Finanzmarktkrise verunsichert nicht nur die Bürger sondern auch Unternehmer und Politiker. Das Misstrauen selbst gegenüberv orbildlichen und traditionsreichen deutschen Banken geht zum Teil so weit, dass sich manch einer um seine Guthaben Sorgen macht. Sogar unsere gesamte Wirtschaftsordnung wird von einigen schlecht geredet. Trotz aller Schwierigkeiten bei der momentanen Weltwirtschaftslage sind derartige Verhaltensweisen irrational und kontraproduktiv zur Problemlösung.

Anzunehmen ist vielmehr, dass die Auswirkungen der Bankenkrise Deutschland weniger stark treffen werden als andere Industrieländer. Hauptgrund hierfür ist die in den letzten Jahren gestiegene Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen und die – von Ausnahmen abgesehene – stärkere Ausrichtung unserer Kreditinstitute auf das traditionelle Bankenge-schäft. Folglich sind auch die Rezessionsgefahren hierzulande geringer. Zwar sind die Erwar-tungen auch der regionalen Unternehmen deutlich gedämpft, sie sind aber weit davon entfernt, Anlass zur Panik zu bieten. Der DIHK geht für 2009 immerhin von einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent aus – für die Region Wiesbaden erwarten wir dank überwiegend gut gefüllter Auftragsbücher sogar noch etwas mehr. Aufklärung und Besonnenheit sind unverzichtbar, um Ruhe in die Gesamtsituation hineinzubekommen.

Unser Finanzsystem leistet nach wie vor seinen unverzichtbaren Beitrag für das Funktionie-ren der gesamten Volkswirtschaft und damit auch für Wachstum und Beschäftigung. Nicht die feine Physik unserer Marktwirtschaft ist der Grund für die aktuellen Turbulenzen – im Gegenteil: Mit derartigen Krisen wird unsere dezentrale marktwirtschaftliche Ordnung viel besser fertig als jede staatszentrierte Planwirtschaft. Bei manchen Rufen nach mehr Staatseinfluss in der Wirtschaft fragt man sich verwundert, ob der kollektive Kollaps der Staatswirtschaften des Ostens vor rund 20 Jahren schon komplett in Vergessenheit geraten ist. Übersehen wird auch, dass ein Teil der aktuellen Schwierigkeiten in der Finanzwirtschaft auf einer durch die US-Regierung gelenkten Politik der amerikanischen Notenbank Ende der neunziger Jahre beruht.

Sicher gibt es massive Fehlentwicklungen, die darauf beruhen, dass die Grundsätze des ehrbaren Kaufmanns außer Acht gelassen wurden. Zu diesem seit dem 12. Jahrhundert gelehrten Leitbild gehören unter anderem die Tugenden Aufrichtigkeit, Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und ein Sinn für Gerechtigkeit. Verträge sind nur dann nachhaltig, wenn sie von beiden Seiten betrachtet sinnvoll sind. Daran hat es bei den hier relevanten Spekulationsge-schäften gefehlt. Die Schaffung von echten Werten anhand eines fairen Wertegerüstes sollte deshalb wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Der Maßstab für die vielleicht erforderlichen Korrekturen an unserer sozialen Marktwirtschaft ist das Rückrat unserer Volkswirtschaft: Der Mittelstand.“

Quelle „Hessische Wirtschaft“

(Redaktion)


 


 

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