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Sorge in der Region

Politiker befürchten Abkoppelung Mittelhessens vom Fernverkehrsnetz der Bahn

(bo/ddp-hes). Berichte über ein drohendes Aus der Intercity-Anbindung von Marburg und Gießen im Zuge der geplanten Bahn-Privatisierung sorgen für Unruhe in Mittelhessen. Eine weitere Ausdünnung des Fernverkehrs wäre eine schwere Schwächung für die Region, sagte der Gießener Regierungspräsident Wilfried Schmied (CDU) am Montag. Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) sprach von einer «Hiobsbotschaft», die ihn an der Politik in Berlin zweifeln lasse. Auch der umweltorientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist alarmiert.

Laut einer Studie der Unternehmensberatung KCW vom Freitag drohen 15 deutsche Städte nach einem Bahn-Börsengang ihren Fernverkehrsanschluss zu verlieren. Darunter sind neben Großstädten wie Ludwigshafen, Halle/Saale und Paderborn auch die beiden größten Städte Mittelhessens, Marburg und Gießen. Die Landeshauptstadt Wiesbaden müsste sich auf ein verschlechtertes Angebot einstellen.

Erstellt wurde die Studie im Auftrag mehrerer Bundesländer und Verkehrsverbünde. Die Bahn wies die Ergebnisse der Studie als «hanebüchene Stimmungsmache» und «frei erfunden» zurück.

Marburgs Oberbürgermeister Vaupel und Gießens Regierungspräsident Schmied sind dennoch besorgt. Schmied beklagte, dass es schon lange Defizite in der Fernverkehrsanbindung Mittelhessens gebe. In Gesprächen mit der Bahn habe er gefordert, dass der Hochgeschwindigkeitszug ICE zumindest ein- bis zweimal pro Tag in Marburg oder Gießen halten solle. Dies sei jedoch abgelehnt worden. Sollte der Raum nun auch vom Intercity-Netz abgekoppelt werden, «werden wir uns deutlich wehren», kündigte Schmied an.

«Wenn das der Weg der Privatisierung ist, dann ist das ein Weg in die Vergangenheit», sagte Vaupel. Er verwies darauf, dass es in Marburg überproportional viele Menschen gebe, die mit Bussen und Bahnen unterwegs seien. Viele Mittelhessen pendelten jeden Morgen ins Rhein-Main-Gebiet. Wenn Marburg vom Fernverkehr abgekoppelt werde, würden viele wieder auf das Auto umsteigen. Dabei solle noch in diesem Jahr mit dem langersehnten Umbau und der Modernisierung des Marburger Bahnhofs begonnen werden, der 2009 sein 100-jähriges Bestehen feiert.

«Der Fernverkehr droht zu einer kleinen, profitablen Marktnische zu werden», sagte der VCD-Landesvorsitzende Werner Geiß. Eine «privatisierte Schrumpfbahn mit maximaler Rendite» dürfe aber nicht das Ziel der Politik sein. Der VCD befürchtet nach eigenen Angaben, dass in Vorbereitung auf den Börsengang bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember einzelne Züge gestrichen werden. Konkrete Pläne zur Verschlechterung der Verbindungsqualität gebe es für die Strecke von Frankfurt am Main über Mannheim nach Karlsruhe. Schon in den vergangenen Jahren sei das Fernverkehrsnetz immer weiter ausgedünnt worden, unter anderem durch die Einstellung der Interregio-Züge.

(Redaktion)


 


 

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