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MainCoaching-ABC: Positive Psychologie

Positive Psychologie - Ressourcen- und Stärken-Orientierung statt Chakka-Rufe

Positive Psychologie ist nicht gleich „Chakka“-Think Positive. Was ist der Unterschied? Wie können Sie die Erkenntnisse der Positiven Psychologie für Ihren Erfolg und Ihre Zufriedenheit nutzen? Hier lesen Sie mehr dazu.

Um eine Frage gleich vorweg zu nehmen: ein bedeutender Unterschied zwischen den „Chakka“-Think Positive-Rufen und den Ansätzen der Positiven Psychologie ist die wissenschaftliche Fundierung. Vielleicht erinnern Sie sich an die 90er, in denen die selbsternannten „Motivationsgurus“ mit ihren Massenveranstaltungen aufkamen? Man lief über Scherben oder zumindest glühende Kohlen, ganze Stadthallen wurden euphorisiert „Du schaffst alles!“ Und dann kam nicht nur für etliche Teilnehmer dieser Workshops die Bauchlandung, sondern auch für viele der Chakka-Gurus selbst: manche landeten sogar im Gefängnis.

Genau diesen schwarzen Schafen verdanken wir es leider, dass die Positive Psychologie bzw. deren positive Ansätze gerne mit den damaligen Machern und Methoden in einen Topf geworfen werden. Das ist verständlich – aber leider von Grund auf falsch. Deshalb finden Sie hier im Folgenden eine genaue Beschreibung, was die Positive Psychologie wirklich ist und wie wir sie im Coaching nutzen können.

 Wie entstand die Positive Psychologie? 1998 erinnerte sich der damals frisch gewählte Präsident der American Psychological Association Prof. Dr. Martin Seligman daran, dass sich die Psychologie wieder auf ihr eigentliches Ziel konzentrieren solle: Menschen zu einem produktiven und erfüllten Leben zu verhelfen. In den Jahren zuvor war der Fokus der forschenden und angewandten Psychologie quasi nur noch auf Heilung oder Abwendung von psychischen Krankheiten gewesen. Gesundheit ist aber weit mehr, als nur die Abwesenheit von Krankheit .

Ähnlich wie bei den Ansätzen der Salutogenese – der Lehre, die seit fast hundert Jahren erforscht, wie Gesundheit entsteht (salut = gesund; genesis = Entstehung) – wird nicht die Vermeidung, Abwendung oder Heilung von Krankheit untersucht, sondern umgekehrt, was uns Menschen stärkt, was uns gut tut. Kurz: Was uns im positiven Sinne zu einem produktiven und erfüllten Leben verhilft. Aus diesem Grund ist die Positive Psychologie auch kein „Kuschel“- oder reines Arbeitnehmer-Thema, sondern für die Arbeitgeber mindestens genauso relevant, geht es doch um die Schaffung bzw. den langfristigen Erhalt von Produktivität, Leistung und Motivation von Mitarbeitern.

Die drei tragenden Säulen und Ziele der Positiven Psychologie sind: die Ausrichtung auf das Positive; die wissenschaftliche Fundierung; die positive Wirkung auf Erleben und Verhalten im Alltag.

Wie funktioniert diese Ausrichtung auf das Positive? Grundsätzlich unterscheidet man hierbei vier Strategien: 1) Vermehrung = Förderung bereits vorhandener positiver Aspekte und Qualitäten, wie etwa menschliche Stärken, Fähigkeiten, Tugenden oder Ressourcen. 2) Schaffung = Entwicklung neuer positiver Aspekte und Qualitäten, z. B. indem man für bessere Lebensbedingungen sorgt. 3) Minderung = Verminderung des sog. Negativen – z. B. indem man jemandem hilft, die positiven Aspekte einer von ihm als negativ erlebten Situation zu erkennen. 4) Verhinderung = Man bemüht sich darum, nichts Neues entstehen zu lassen, das als negativ bewertet wird – z. B. indem man Krankheiten vorbeugt.

Diese vier Strategien werden im Coaching einzeln oder miteinander kombiniert angewendet. Wichtig ist dabei zu differenzieren, wann für wen in welcher Situation welche Strategien günstig und hilfreich sind.

Hier einige Beispiele aus der Coaching-Praxis:

Vermehrung: Wir evaluieren beispielsweise die persönlichen Stärken des Klienten. Dies kann über eine einfache Selbstbild-Fremdbild-Analyse sein (siehe Folge „J wie Johari-Fenster“ des MainCoaching-ABCs) oder über wissenschaftlich fundierte Tests, mit denen wir die sog. Charakterstärken herausarbeiten. Für den Coachingerfolg entscheidend ist, wie diese Ergebnisse dann reflektiert und weiter genutzt werden. Wir schauen beispielsweise an, inwiefern diese Charakter-Stärken bzw. -Tugenden bisher schon eingesetzt werden bzw. wo es hierfür mehr Möglichkeiten gäbe. Ein anderes Beispiel aus der Kategorie „Vermehrung“ ist es, bei auftretenden Problemen die eigenen Ressourcen kennen¬zulernen – und dann zu schauen, inwiefern dem Klienten welche Ressource bei genau diesem Thema helfen kann. Es ist immer toll zu sehen, wie schnell der Klient dann selbst geeignete Lösungen für sein Problem entwickelt, wenn er erstmal diesen ressourcen-orientierten Blick entdeckt hat.

Schaffung: Gerade bei den Themen rund um Stress, Work-Life-Balance und Burnout sind diese Techniken sehr hilfreich. Der Coachee entwickelt Ideen, wie sein Leben angenehmer, erfüllter sein könnte. Im zweiten Schritt schauen wir dann nach möglichen Barrieren, lösen diese auf und setzen die Ideen und Wünsche in die Realität um.

Minderung: Meist hat jede negative Situation auch einen positiven Nutzen. Genau darum geht es bei der Technik der „Minderung“, dies mit dem Klienten zu erarbeiten: Wofür ist das jetzt gut? Was ist der direkte / indirekte Nutzen? Beispiel: Ein stress-bedingter Krank¬heits-Ausfall zwingt den Klienten, über einen Ausgleich, die Möglichkeit von reduzierten Arbeitszeiten bei gleichen Ergebnissen nachzudenken. Ebenso wird dem Arbeitgeber häufig erst durch den Ausfall die Bedeutung und Überlastung des Mitarbeiters bewusst.

Verhinderung: Zentrale Leitfragen zu dieser Strategie können sein „Was kann ich tun, um aktiv die mir neu erarbeite Balance beizubehalten?“ (z. B. bei Stress-Themen) oder „Wie sorge ich dafür, dass ich auch noch in drei Monaten konsequent an meinen Zielen arbeite – und mich nicht wieder vom Tagesgeschäft auffressen lasse?“. Wichtig hierbei ist, die eigenen Muster zu erkennen und schon vorab geeignete Interventionen für den Fall der Fälle herauszuarbeiten.

So einfach ist es, die Erkenntnisse der Positiven Psychologie dann übers Coaching ins eigene Leben zu übernehmen. Viel Spaß und gute Ergebnisse damit wünscht Ihr MainCoach - Stefanie Bathe

Nächste Woche: „Q wie QuickRelax“. Mehr Infos über Coaching sowie angeleitete Selbstreflexionen und kostenlose Übungen zu klassischen Coachingthemen finden Sie in den MainWiesn unter www.maincoach.de. MainCoach - Stefanie Bathe unterstützt im praxisnahen Coaching die Klienten in ihrer individuellen Zielerreichung: für Zufriedenheit, persönlichen und beruflichen Erfolg. Durch kontinuierliche Aus- und Fortbildung seit 1998 kombiniert Stefanie Bathe klassische und innovative Coachingtechniken sowie therapeutische Interventionen mit ihrer eigenen, jahrelangen Business- und Führungserfahrung.

(Redaktion)


 


 

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