Weitere Artikel
Yes, we can!

Musical zeigt Weg des US-Präsidenten an die Macht - Uraufführung in Frankfurt

(bo/ddp-hes). Der Bühnenboden ist in Nebel getaucht, im roten Scheinwerfer-Licht steht ein Paar, händchenhaltend singt es von der großen Liebe.

In der Ecke trällert ein Saxofonist ein sentimentales Solo - eine Szene aus einem Musical. Doch auf der Probebühne in Karlsruhe singen nicht etwa eine Prinzessin und ihr Auserwählter, es handelt sich weder um Märchen- noch um Fantasiefiguren. Die Protagonisten auf der Bühne heißen Michelle und Barack Obama, das US-amerikanische Präsidentenpaar.

Mit «Hope - Obama Musical Story», das am Sonntag (17. Januar) in Frankfurt am Main Uraufführung feiert, ist der Aufstieg des derzeitigen US-Präsidenten auf der Musical-Bühne zu sehen. «Wir wollten die gesellschaftliche Bewegung in den USA thematisieren, das, was Barack Obama 2008 in Gang gesetzt hat», berichtet Produzent und Regisseur Roberto Emmanuele bei den Proben in Karlsruhe. So werden mit Tanz und Gesang der Weg Obamas, der Wahlkampf und die Wahl 2008 nachgezeichnet. Dabei kommen auch weitere Vertreter der amerikanischen Polit-Garde wie Obamas Konkurrenten John McCain, Sarah Palin und Hillary Clinton zu ihren Auftritten.

Ein zweiter Handlungsstrang zeigt eine Hofgemeinschaft am Stadtrand von Chicago auf. Eine multikulturelle Truppe, bestehend aus einem italienischen Angestellten, einem arbeitslosen Puerto Ricaner, einer deutsche Rentnerin als Republikaner-Anhängerin und einer afroamerikanischen Familie, diskutiert singend über soziale Veränderungen. Es gibt keine Arbeit, das Benzin wird teurer, alles erstickt im Chaos, nur beten helfe, lauten einige Zeilen des gemeinsamen Liedes «Chaos».

Am Ende des Gesellschaftsporträts steht die Gruppe aus Chicago samt dem neuen Präsidentenpaar auf der Bühne und singt «Yes, we can!», einen Gospel, der einer Hymne gleichkommt. Obama wird dargestellt als Hoffnungsträger, der etwas bewegt. Ein deutscher Erzähler tritt immer wieder in den Vordergrund und ordnet die meist englischen Songs in den Kontext ein.

Die Inszenierung ist einfach gehalten, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Auf der Bühne stehen drei große Leinwände, auf die die jeweiligen Schauplätze projiziert werden. Eine Besonderheit gibt es dennoch: Ein Großteil des Publikums sitzt auf speziellen Stühlen, die sich als Trommel gebrauchen lassen. «Bevor die Show anfängt, werden die Zuschauer ein wenig geschult», erklärt Emmanuele, der die Stühle mitentwickelte. Während des Musicals wird das Publikum dann zum Mittrommeln aufgefordert. «Mit diesem interaktiven Element werden Zuschauer zu Teilnehmern», sagt Emmanuele. «Die Gäste, die nicht auf dem Stuhl sitzen, bekommen eine kleine Handrassel - keiner bleibt ohne Instrument.»

Es sei ein Musical einer neuen Generation, behauptet Autor und Komponist Randall Hutchins: «Es beinhaltet innovative Show-Elemente und thematisiert ein recht aktuelles Ereignis.» Doch die Macher bestehen darauf, nicht politisch zu sein. «Wir wollen das Gefühl des Jahres 2008 wiedergeben, den Geist einer Bewegung, die Vision von einer besseren Welt. Das Musical bezieht keine politische Stellung», unterstreicht Emmanuele. Vor allem Sponsoren könnte eine mögliche politische Haltung abschrecken. Geldgeber werden jedoch gebraucht, denn die Macher wünschen sich eine deutschlandweite Tour, und schon allein die Stühle füllen mehr als 30 Lastwagen. Außer der Premiere gibt es derzeit aber noch keine Termine.

Auch Obama-Darsteller Jimmie Wilson gibt an, sich nicht für Politik zu interessieren. Der gebürtige Detroiter hat 2008 zum ersten Mal gewählt - Obama selbstverständlich. «In erster Linie bin ich Künstler, die große Politik interessiert mich nicht», sagt Wilson. «Ich möchte dem Publikum eine gute Show liefern.» Ein bisschen schwärmt er dennoch von der Figur, die er darstellt. Es sei nicht schwer, Obama zu spielen, «er ist so natürlich und bodenständig». Der echte Obama übrigens hat sich zur Musical-Adaption bislang nicht geäußert. «Eine Reaktion des Weißen Hauses kommt vielleicht erst nach der Aufführung», sagt Emmanuele.

(Anna Kwiatkowski)


 


 

Musical
Obama
Emmanuele
Stühle
Bühne
Publikum
Präsidentenpaar
Aufführung
Tour
Sponsoren
Trommel
Inszenierung
Gospel
Hymne

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Musical" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: