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OB-Kandidat im Porträt

Peter Feldmann und seine Vision vom roten Frankfurter Rathaus

(bo/dapd). Wenn Peter Feldmann tatsächlich sein Ziel erreicht, hätte er schon ein kleines Wunder vollbracht: Der 53-Jährige will versuchen, das seit fast 17 Jahren in CDU-Hand befindliche Rathaus von Frankfurt Main nach langer Zeit wieder zum "roten Römer" zu machen.

Der stellvertretende Fraktionschef der SPD im Frankfurter Stadtparlament tritt für seine Partei bei der Direktwahl am 11. März als Oberbürgermeisterkandidat an. Und er hat den Ehrgeiz, tatsächlich gewinnen zu wollen.

Dabei sind die Voraussetzungen auf den ersten Blick denkbar ungünstig: In der Stadt regiert seit 2006 eine Koalition aus CDU und Grünen, die beide Parteien erst nach der Kommunalwahl 2011 für weitere fünf Jahre erneuert haben. Und zudem ist die früher in Frankfurt lange mit absoluter Mehrheit ausgestattete SPD bei der Wahl im letzten März nur noch drittstärkste Kraft im Römer hinter CDU und Grünen geworden. Doch Feldmann ist optimistisch, seinen CDU-Kontrahenten, den hessischen Innenminister Boris Rhein, in die Stichwahl zu zwingen. Die Chancen dafür stehen nach einer ersten Umfrage nicht schlecht.

Eine parteiinterne Urabstimmung gegen seinen Mitbewerber Michael Paris, die der SPD-Linke gewann, hatte eine überraschend hohe Beteiligung von mehr als 50 Prozent. "Die Partei ist voll mobilisiert", freut sich Feldmann. Und im Wahlkampf unterstütze ihn nicht nur sein vormaliger Konkurrent. Auch SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel war schon mehrfach zur Wahlkampfhilfe für ihn in Frankfurt. Und von der Bundespartei war Vizeparteichefin Manuela Schwesig schon da, der Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel und Generalsekretärin Andrea Nahles sind ebenfalls noch angekündigt.

"Wir sind da in Frankfurt ein bisschen radikaler"

Dabei hat Feldmann keine Scheu, auch einmal von der offiziellen Parteilinie abzuweichen. Das gilt etwa für das den Frankfurter OB-Wahlkampf stark beherrschende Thema Fluglärm. Da hält der Wahlkämpfer an seiner Forderung nach Ausdehnung des Nachtflugverbots auf die Zeit von 22.00 Uhr abends bis 6.00 Uhr morgens fest. Die Landtagsfraktion und ihr Vorsitzender Schäfer-Gümbel haben sich dagegen gerade erst noch einmal ausdrücklich zum Mediationsergebnis bekannt, das ein solches Verbot nur von 23.00 bis 5.00 Uhr vorsieht. "Wir sind da in Frankfurt ein bisschen radikaler", sagt Feldmann.

Gleichwohl will er bei dem emotional besetzten Thema nicht in Populismus abgleiten und fordert im Gegensatz zur OB-Kandidatin der Grünen, Rosemarie Heilig, keinen Rückbau der neuen Landebahn am Flughafen. Wohl aber setzt er sich für Entlastungen ein, möglichst durch ein integriertes hessisches Konzept mit der Verlagerung einzelner Flüge vor allem im Frachtbereich nach Kassel-Calden, aber auch nach Hahn im Hunsrück. Wenn er Oberbürgermeister werde und in den Aufsichtsrat von Flughafenbetreiber Fraport einziehe, könne er ja von innen her Einfluss nehmen, zeigt sich Feldmann zuversichtlich.

Der heute bei der Arbeiterwohlfahrt tätige ehemalige Leiter eines Altenwohnheims sieht aber ein anderes Thema als sein eigentliches Herzensanliegen: den sozialen Zusammenhalt der Stadt. Vor allem den Kampf gegen Kinderarmut hat sich der SPD-Sozialpolitiker auf die Fahnen geschrieben. Mindestens müssten auch in Frankfurt ein warmes Mittagessen für alle und Förderunterricht unabhängig vom Geldbeutel der Eltern sichergestellt werden. Aber auch die Lebenssituation älterer Menschen sei ihm wichtig. Sie müssten vor zunehmender Isolation bewahrt werden, auch durch Wiedereinrichtung von Altentreffs. Und der Wohnungsbau müsse wieder angekurbelt werden, am besten in Kooperation mit den benachbarten Landkreisen.

Ambitionen aufs Wirtschaftsdezernat

Feldmanns weiteres großes Thema ist die Internationalität der Stadt, weshalb er auch als Oberbürgermeister selbst das Wirtschaftsdezernat übernehmen will. "Soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Prosperität sind für mich eins", sagt er. Auch das Frankfurter Bürgertum wolle sich ja ökonomisch und sozial profilieren, weshalb seine Vorhaben nicht am Geld scheitern müssten.

Und sollte er wirklich die erhoffte Stichwahl am 25. März gewinnen, ist Feldmann sicher, dass auch die Zusammenarbeit mit den CDU- und Grünen-Dezernenten im Magistrat klappen wird. Das habe ja auch nach der Wahl seines Kasseler Parteifreunds Bertram Hilgen in ähnlicher Konstellation funktioniert. Und ein Regieren mit wechselnden Mehrheiten schrecke ihn auch nicht, versichert der OB-Kandidat.

Gerhard Kneier

(dapd )


 


 

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