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Ratlosigkeit an der Börse - Kritik an Missständen und Forderung nach mehr Transparenz bei Aktiengeschäften

(bo/ddp.djn). Angesichts der Kursturbulenzen der Volkswagen-Aktie der vergangenen Tage fordern Politiker Transparenz bei Aktiengeschäften und Anlegerschützer kritisieren Missstände. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte am Mittwoch im ARD-«Morgenmagazin«: «Wir sind der festen Überzeugung, dass es mehr Transparenz geben muss, dass es Register geben muss, wo man einsehen kann, welche Optionen wo vereinbart sind». Zudem regte er eine Überprüfung von sogenannten Leerverkäufen an, die zu den Kurssprüngen bei der VW-Aktie beigetragen haben sollen.

Bei Leerverkäufen setzen Anleger auf fallende Kurse und verkaufen
Papiere, die sie gar nicht besitzen, um sie bei sinkenden Kursen
später billiger zurückkaufen zu können. Klappt dies nicht, machen sie
Verluste.

Niedersachsen ist nach dem Sportwagenbauer Porsche der zweitgrößte
VW- Aktionär . Die im DAX notierte Aktie hatte in den vergangenen
beiden Tagen ihren Wert verdreifacht und war auf knapp über 1000 Euro
gestiegen. Am Mittwoch war das Papier noch 500 Euro wert.

Der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Lothar
Gries, erläuterte auf Anfrage, dass Leerverkäufe zu den gängigen
Instrumenten an der Börse gehören. Es sei »nicht zielführend«,
sämtliche Leerverkäufe zu verbieten. Jedoch müsse der Missbrauch
eingedämmt werden. Die Forderung nach mehr Transparenz sei
berechtigt, aber in der Praxis schwer umzusetzen.

Gries sagte, durch die Kursexplosion bei der VW-Aktie und der
damit verbundenen Übergewichtung im Leitindex DAX hätten Anleger, die
in indexgebundenen Fonds investiert seien, unter Umständen Geld
verloren. Gegen mögliche Marktmanipulationen von Spekulanten sei die
breite Masse der Anleger allerdings machtlos.

Bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ( BaFin )
wollte man Vorstöße für ein generelles Verbot von Leerverkäufen nicht
kommentieren. Dafür gebe es keine gesetzliche Grundlage, hieß es
lediglich. Zuständig dafür sei das Bundesfinanzministerium. Im
September hatte die BaFin Leerverkäufe bei Finanzaktien untersagt.

Allerdings kennt das deutsche Aktienrecht offiziell gar keine
Leerverkäufe. Da die Erfüllungsfrist bei Wertpapiergeschäften nach
geltendem Recht aber bis zu drei Tagen betragen kann, ergibt sich
daraus die faktische Möglichkeit, Aktien zu leihen und »leer« zu
verkaufen. Marktexperten zufolge haben professionelle Leerverkäufer
bei der Zuspitzung der weltweiten Finanzkrise eine Rolle gespielt, in
dem sie vor allem bei Unternehmen aus der Finanzbranche weitere
Kursabstürze provoziert hätten.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte die Forderung
nach einem Verbot von Leerverkäufen bereits vor einiger Zeit erhoben.
Am Montag hatte das SPD-Präsidium ein Papier gebilligt, in dem eine
drastische Verschärfung der staatlichen Regeln für die Finanzmärkte
gefordert wird. Unter anderem sollen danach auf internationaler Ebene
Leerverkäufe von Aktien verboten werden.

Nicht wenige Fondsmanager geben allerdings Porsche die Schuld an
den VW-Kursturbulenzen. Der Chef der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS,
Klaus Kaldemorgen, sagte der »Financial Times Deutschland« am
Dienstag, Porsche manipuliere »in unverantwortlicher Art und Weise«
den VW-Kurs. »Alle spielen mit offenen Karten, nur einer spielt mit
verdeckten", sagte Kaldemorgen. Porsche wies diese Vorwürfe zurück.

(Michael Wojtek)


 


 

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