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Auszeichnung

Hessischer Privatgarten ins Europäische Gartennetzwerk aufgenommen

(bo/ddp-hes). Den Fernseher haben sie abgeschafft und Urlaubsreisen sind nicht mehr nötig. Für Siegrid und Klaus Ulrich Helmert zählt nur noch eines: draußen zu sein, in ihrem Garten.

Denn das ist nicht einfach nur irgendein Rasen mit ein paar Blumenbeeten. Das grüne Reich, das die Eheleute in dem nordhessischen Dörfchen Hoheneiche bei Eschwege geschaffen haben, kann sich rühmen, in einem Atemzug mit englischen Parks oder belgischen Schlossgärten genannt zu werden: Das Werk der Helmerts wurde als einer von ganz wenigen Privatgärten ins Europäische Gartennetzwerk (EGHN) aufgenommen. «Wir wussten gar nicht, wie uns geschieht», erzählen sie. «Das sind ja sonst nur Parks.»

Am Anfang war alles wüst. Als die Helmerts vor 20 Jahren ins Haus
der Großeltern nach Hoheneiche zogen, war von einem Gartenparadies
noch nichts zu ahnen. «Der Hofraum sah scheußlich aus», erinnert sich
Siegrid Helmert. Daran schloss sich ein reiner Nutzgarten an, «ohne
eine einzige Blüte». Und dann kam nur noch Gestrüpp: Was einst eine
Obstwiese gewesen war, versank unter meterhohen Brennnesseln und
Disteln. Wer das 6000 Quadratmeter große Grundstück heute erlebt, mag das kaum noch glauben. «Für uns ist unser Leben ein Traum», sagt die 67-Jährige. «Wir hätten uns vorher in unseren kühnsten Träumen nicht vorstellen können, was wir alles zuwege bringen würden.»

Es begann mit Millimeterpapier. Minuziös planten die Helmerts, wie
aus den Gemüsebeeten des nüchternen Nutzgartens ein blühendes Reich zum Genießen werden sollte. Sie ließen die alten Obstbäume üppig von Efeu und Rambler-Rosen zuranken, legten ein Wegekreuz mit schmalen, erdigen Pfaden an, schufen Blumenrabatten, die sie im Stil von Bauerngärten mit Buchsbaumhecken einfassten, pflanzten Stauden in feinen Farbschattierungen. Seitdem breitet sich jedes Jahr ein Meer
in Blau, Flieder und Violett aus. Und vor der Tür des Gartenhäuschens
- errichtet aus den Überresten alter Hühnerhäuser, ohne Strom, ohne
elektrisches Licht, aber rundum verglast - steht in diesen Juni-Tagen
der Rosengarten in voller Blüte. Weiß, rosa und purpur erstrahlen die
historischen Sorten, auf die sich die Helmerts bewusst beschränkt
haben. Ein Rausch der Farben und der Düfte.

Siegrid Helmert ist 67 Jahre alt, ihr Mann zehn Jahre älter. Vor
zwei Jahrzehnten haben sie das Berufsleben aufgegeben und sich in
Hoheneiche zur Ruhe gesetzt. Was sie vorher gemacht haben, wollen sie nicht verraten: Es spiele keine Rolle mehr. Heute ist der Garten ihr
Lebensinhalt. Fast immer, wenn man ihr Anwesen betritt, hängt
dasselbe Holzschild an der Tür des sorgfältig restaurierten
Fachwerkhauses: «Wir sind im Garten». Im Schnitt, so haben sie
ausgerechnet, verbringen sie einen halben Tag mit der Arbeit in ihrem
grünen Reich. Danach genießen sie, was sie erreicht haben. Überall
stehen Bänke, Stühle, Tische. «Das ist praktisch unser
Sommerwohnzimmer», sagt Siegrid Helmert, nachdem sie das halb
verfallene Tor zur ehemaligen Streuobstwiese durchschritten hat.

Weitläufig und parkähnlich wirkt die Landschaft, die im Laufe der
Jahre entstanden ist. Stets aufs Neue öffnen sich Sichtachsen,
gesäumt von Büschen, Bäumen und Hecken, die den Blick in die Tiefe
des Grundstücks ziehen: Eine Ruhebank steht vor einer großen,
geschwungen gestutzten Ligusterhecke. Ein toter Apfelbaum hat sich in
ein höchst lebendiges Rankengebirge aus Rose und Geißblatt
verwandelt. Eine umgestürzte Weide trieb am Bach wieder aus und wurde zur liegenden Hecke. «Es ergeben sich manchmal sehr schöne Dinge, wenn man nicht sofort alles aufräumt», sagt Klaus Ulrich Helmert. Der Zufall dürfe beim Gärtnern durchaus helfen.

Mit einem englischen Landschaftspark ist dieser Teil ihres Gartens
verglichen worden. Die Helmerts aber legen keinen Wert auf derartige
Etikettierungen. Ihnen ist lieber, was eine Freundin einmal gesagt
hat. «Der Garten», habe die Frau geantwortet, als sie um eine
Charakterisierung des grünen Idylls von Hoheneiche gebeten wurde,
«ist einfach unbeschreiblich.» Neugierigen Gartenfreunden öffnen die
gärtnernden Eheleute gerne das Tor zu ihrem Reich - aber nur nach
telefonischer Voranmeldung und mit Führung. «Wir haben den Garten ja
eigentlich nur für uns angelegt», betonen sie. Und nicht, um sich
damit vor Besuchern zu brüsten.

(ddp-Korrespondent Ulrich Breitbach)


 


 

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