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Religionsunterricht

Hessen führt islamischen Religionsunterricht ein - Start zum Schuljahr 2013/2014 an bis zu 25 Grundschulen an

Die Einführung eines bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts in Hessen ist unter Dach und Fach. Zum Schuljahr 2013/2014 wird an landesweit bis zu 25 Grundschulen ein solcher Unterricht eingeführt, wie Kultusministerin Nicola Beer und Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (beide FDP) am Montag in Wiesbaden bekannt gaben. Hessen sei damit das erste Land, das einen echten bekenntnisorientierten Islamunterricht mit einem staatlichen Curriculum, mit staatlich geprüften Lehrkräften und in deutscher Sprache einführe.

"Wir glauben, dass das auch extremistischen Ausprägungen vorbeugen kann", betonte Beer. Die beiden islamischen Religionsgemeinschaften des Ditib-Landesverbandes in Hessen sowie der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde erfüllten die Voraussetzungen und seien "geeignete Kooperationspartner" für einen Religionsunterricht. "Wir haben jetzt wirklich verfassungskonforme Partner", unterstrich Beer.

Muslimischen Kindern werde damit jetzt die Möglichkeit gegeben, sich mit ihrem Glauben in einem staatlichen Rahmen auseinanderzusetzen. Eingesetzt würden aber nur Lehrkräfte, die sich schon im Schuldienst befänden, betonte die Ministerin. Es gebe bereits 18 Interessierte für die Fortbildung.

Die Einführung eines bekenntnisorientierten Islamunterrichts hatten CDU und FDP vor vier Jahren im Koalitionsvertrag vereinbart. Trotzdem hatte sich die Einführung immer wieder verzögert, vor allem wegen heftigen Widerstandes von Seiten der CDU. Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) räumte am Montag offen ein, die Einführung sei "ein langer Prozess" mit Höhen und Tiefen und "Schwächeperioden auf beiden Seiten" gewesen. Vergangenen Dienstag habe er in der CDU-Fraktion noch einmal anderthalb Stunden lang "diskutiert und hart gerungen". Es habe "das ein oder andere Vorurteil noch revidiert" werden müssen.

CDU betont: "Auf Wunsch der FDP"

In ihrer Pressemitteilung dazu vom Montag weist die CDU-Landtagsfraktion ausdrücklich darauf hin, dass der islamische Religionsunterricht "auf Wunsch der FDP" in den Koalitionsvertrag aufgenommen wurde. Die SPD zeigte sich "erfreut", die Grünen begrüßten den "längst überfälligen Schritt". Die FDP sprach von einer behutsamen und verfassungskonformen Umsetzung des Beschlusses. Der Landesausländerbeirat nannte ihn "richtungsweisend, aber ausbaufähig".

"Eigentlich machen wir etwas ganz Normales", betonte Hahn. Das Grundgesetz räume den Religionsgemeinschaften das Recht ein, Religionsunterricht in staatlichen Schulen durchzuführen. Die Genehmigung eines Islamunterrichts sei deshalb eine Frage der Gleichbehandlung. Ziel dabei sei aber auch, junge Muslime "aus den Hinterhöfen herauszuholen".

Hessen sei nun das einzige Bundesland, das einen islamischen Religionsunterricht auf dem Boden des Grundgesetzes haben werde. Den Islamunterricht in anderen Bundesländern sehe er weiter als nicht verfassungskonform an. Der Islamunterricht werde nun von einer Religionsgemeinschaft getragen, habe ein staatlich anerkanntes Curriculum und werde von staatlich geprüften Lehrkräften in deutscher Sprache gehalten. Das sei bundesweit einmalig.

Auch Beer betonte, der Unterricht stehe auf einer gesicherten staatlichen Basis, das Curriculum setze sich etwa auch mit der Gleichstellung von Frau und Mann auseinander. Das Ministerium werde das neue Fach am Anfang intensiv begleiten und auch durch Unterrichtsbesuche sicherstellen, "dass das auch das ist, was in unseren Klassen unterrichtet wird", betonte die Ministerin.

Von Gisela Kirschstein

(dapd)


 


 

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