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AD(H)S

Mehr Pillen für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen

Immer mehr Kinder in Hessen bekommen Medikamente gegen das Zappelphilippsyndrom AD(H)S.

Daten der Techniker Krankenkasse (TK) zeigen: Im Jahr 2009 haben 19 von 1.000 TK-versicherten Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren Methylphenidat, besser bekannt unter dem Handelsnamen des Originalpräparates Ritalin, verordnet bekommen. Im Jahr 2006 waren es noch 17 von 1.000. Das entspricht einer Steigerung von zwölf Prozent.

Die durchschnittlich verschriebene Menge Methylphenidat belief sich in Hessen pro Patient zwischen sechs und 18 Jahren 2006 auf 194 sogenannte Tagesdosierungen; 2009 waren es schon 214 ‒ ein Anstieg von über zehn Prozent. Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen gibt zu bedenken, dass nicht jedes lebhafte oder auffällige Kind das Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts-) Syndrom (AD(H)S) hat und Tabletten benötigt. "Man muss mit der Diagnose und der Behandlung mit Medikamenten wie Ritalin vorsichtig sein. Ein speziell ausgebildeter Arzt sollte mit Eltern, Lehrern und anderen Betreuungspersonen klären, ob die Symptome der Kinder und Jugendlichen nicht doch andere Ursachen haben", so Dr. Voß.

Nur mit einer ausführlichen Diagnostik kann man eine geeignete Therapie finden und vermeiden, dass Methylphenidat voreilig verschrieben wird. Denn die Langzeitfolgen von Ritalin und Co. sind noch nicht erforscht und die Nebenwirkungen sehr umstritten. So kann Methylphenidat bei falscher Dosierung Angstzustände oder Appetitlosigkeit auslösen. Auch zeigen Studien, dass das Medikament Auswirkungen auf das Wachstum der Kinder haben kann.

Darauf hat auch die gemeinsame Selbstverwaltung aus Ärzten und Krankenkassen reagiert. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in seinen Arzneimittelrichtlinien im Dezember 2010 festgelegt, dass Ärzte Medikamente wie Ritalin nur noch nach sehr strengen Maßstäben verschreiben dürfen. Laut G-BA muss die Diagnose AD(H)S noch umfassender als bisher gestellt werden und darf nur noch von Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen erfolgen. Außerdem muss der Arzt die Therapie regelmäßig unterbrechen, um die Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Kinder beurteilen zu können.

Zwar sind bei sehr verhaltensauffälligen Kindern Präparate mit Methylphenidat das Mittel der Wahl: Nur so können die Symptome schnell gelindert werden, so dass eine begleitende Verhaltens- oder Psychotherapie überhaupt erst möglich gemacht wird. Ritalin kann aber eine ganzheitliche Therapie nicht ersetzen. Die betroffenen Kinder müssen lernen, langfristig mit ihren Symptomen umzugehen – auch ohne Medikamente.

(Techniker Krankenkasse)


 


 

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