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Untreueprozess

Ruzicka: Habe korrekt gehandelt

(bo). Über zwei Stunden lang hat Ex-Aegis-CEO Alexander Ruzicka am Freitag vor dem Landgericht Wiesbaden heute ausgesagt. Ruzicka wird schwere Untreue vorgeworfen. In seiner Einlassung beteuerte der 47-Jährige seine Unschuld und erklärte sämtliche Vorwürfe als haltlos. Die Verteidigung hat 15 Anträge gestellt, unter anderem die Hörung von Staatsanwalt Jördens. Dieser soll demnach zu einem möglichen Deal mit der "Kronzeugin" Manuela R. befragt werden. Zudem übergaben die Verteidiger einen Ordner mit Unterlagen, über dessen Inhalt zunächst nichts bekannt ist.

Die Anhörung erbrachte wenig Neues: Ruzicka beteuert, korrekt und zu Gunsten der Wiesbadener Agenturgruppe gehandelt zu haben. Der frühere Agenturchef führte aus, dass es unter seiner Leitung gelungen sei, trotz schwieriger wirtschaftlicher Zeiten den Gewinn der Agenturgruppe zu steigern - nicht zuletzt über ein ausgeklügeltes Beziehungsmanagement, das eingesetzt wurde, um Kunden zu halten oder neu zu gewinnen.

In der Zeit von 2003 bis 2006 konnten zusätzliche Freispotkontingente in Höhe von über 300 Millionen Euro und Neugeschäft für 375 Millionen Euro generiert werden. Dies habe der Agentur einen zusätzlichen Gewinn von 34 Millionen Euro erbracht.

Nachdem er die Aussagen der vergangenen Wochen und Monate verfolgt habe, sei er erstaunt, wie viele Personen von den Geschäftsprozessen heute nichts mehr gewusst haben wollen, obwohl sie aktiv involviert gewesen seien. Er erklärte, dass er keine Finanzentscheidung hätte treffen können, ohne Bestätigung durch den jeweiligen CFO. Dies sei nach dem Vier-Augen-Prinzip geschehen.

Ruzicka erklärte, dass er 1999 ein Sammelsurium defizitärer Firmen übernommen habe und daraus bis 2005 ein florierendes Unternehmen geformt habe. So habe 2005 Central Europe 37 Prozent zum Konzernergebnis der Aegis beigetragen, heute läge der Anteil nur noch bei zehn Prozent.

Ruzicka verwies auch auf die Historie der Agentur. So sei mit der Drittfirma PLV bereits eine eigene Wirtschaftsstufe eingeführt worden. Unter deren Dach seien schon früher Nebentätigkeiten ausgeführt worden. Nach deren Vorbild habe er Camaco gestartet und später Watson für den Eventbereich. So sei er vom Londoner Headquarter gehalten gewesen, die Kosten zu reduzieren. Die Auslagen für seine Art des Beziehungsmanagements seien damit ausgelagert worden.

Angeblich kein unüblicher Vorgang: Demnach unterhalte die Agenturgruppe verschiedene Jagdressorts, Gästehäuser oder einen Golfplatz in Marokko. Um zu demonstrieren, dass es sich bei einer aufwändigen Sonnwendfeier in Ruzickas Villa um ein solches Kundenevent gehandelt habe, stellt die Verteidigung deshalb auch den Antrag, Linde-Chef Wolfgang Reizle als Zeugen zu laden.

Später hätten sich die Geschäftsführer im Eventbereich spezialisiert: So hätte sich Heinrich Kernebeck auf das Jagdsegment konzentriert, Claudia Jackson den Bereich Pferdesport betreut. Weitere Kontaktplattformen wären der Ball des Weins oder das Rheingau Musikfestival gewesen.

Einem intensiven Beziehungsmanagement wäre auch der Rückgewinn von Opel zu verdanken gewesen. Um Konkurrenzkonflikten mit dem Carat-Kunden Renault zu entgehen, sei die Firma CCC gegründet und bei der später gekauften Wiesbadener Agentur Pichutta Media angesiedelt worden. Das Ergebnis sei ein 23 Millionen-Etat gewesen, der Aegis weniger als 100.000 Euro gekostet habe. Dagegen seien für den verloren gegangenen Unilever-Pitch 1,5 Millionen Euro eingesetzt worden.

Das Modell mit Emerson FF sei unter Einbindung der Londoner Konzernzentrale installiert worden, auch, um Agenturfreispots kommerzialisieren zu können. Auch das Konstrukt mit der Wiesbadener Agentur ZHP – über das neun Millionen Euro abgeflossen sein sollen – habe der Neukundengewinnung gedient. So konnten etwa die CDU, die Stadt Wiesbaden, Gardisette oder Best-of (Südtirol) an Land gezogen werden.

Alexander Ruzicka betonte abschließend, dass er immer private und betriebliche Ausgaben getrennt habe. Sein Lebensmittelpunkt sei und bleibe Wiesbaden. Auch besitze er keinen südafrikanischen Pass, um offensichtlich den Haftgrund der Fluchtgefahr zu widerlegen. Noch heute gehe er davon aus, korrekt gehandelt zu haben.

(Redaktion)


 


 

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