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Schulden-Krise

Griechischer Staat schuldet deutschen Banken 18,3 Milliarden Euro

Griechenland schuldet den deutschen Banken etwa so viel wie die Vereinigten Staaten von Amerika: etwas mehr als 18 Milliarden Euro. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main lag die Höhe der Forderungen deutsche Banken an den griechischen Staat per Ende März 2011 bei 18,3 Milliarden Euro, bei den ungleich bevölkerungs- und wirtschaftsstärkeren USA waren es 18,4 Milliarden Euro.

Griechische Banken schulden deutschen Geldhäusern 1,5 Milliarden Euro, griechische Unternehmen 5,4 Milliarden Euro.

Griechenland nimmt - was die öffentlichen Haushalte angeht - Rang vier unter den Schuldnern der deutschen Banken in Europa ein. An der Spitze liegt Italien mit 38,9 Milliarden Euro, vor Spanien mit 20,7 Milliarden Euro und Frankreich mit 19,9 Milliarden Euro. Die Euro-Problemstaaten Irland und Portugal stehen mit 2,2 Milliarden Euro beziehungsweise 6,2 Milliarden Euro bei den deutschen Geldhäusern in der Kreide.

Große Privatbanken recht wenig betroffen

Der Löwenanteil der Schulden, die der griechische Staat bei deutschen Finanzinstituten hat, liegt indirekt bei der Förderbank KfW. Sie gibt ihren Anteil per Ende 2010 mit 8,4 Milliarden Euro an. Allerdings bedeute das kein Eigenrisiko, betonte die staatliche Bank. Der Bund habe durch eine Garantieerklärung das Risiko für die in seinem Auftrag ausgezahlten Kreditmittel übernommen. Das Eigenrisiko der Bank in Griechenland liege bei lediglich 250 Millionen Euro. Insgesamt soll die KfW nach bisherigem Stand im Auftrag der Bundesregierung 22,3 Milliarden Euro Kredit an Griechenland geben.

Die großen Privatbanken sind vergleichsweise wenig betroffen, am stärksten noch die zu einem Viertel verstaatlichte Commerzbank. Sie ist laut Zwischenbericht zum 30. März 2011 mit 2,9 Milliarden Euro in Griechenland vertreten. Die Deutsche Bank nennt per Ende 2010 nur 1,6 Milliarden Euro, die übernommene Postbank bereits eingeschlossen.

7,4 Milliarden Euro in " Bad Bank " abgeschoben

Damit bleiben etwa 5,4 Milliarden Euro offen, die sich im Wesentlichen auf die Landesbanken verteilen. Die LBBW nennt 1,4 Milliarden Euro als Stand zum Zeitpunkt des Bankenstresstests im März 2010, neuere Zahlen wollte sie nicht preisgeben; die BayernLB gibt zum gleichen Zeitpunkt 198 Millionen Euro an.

In der Statistik der Bundesbank werden 7,4 Milliarden Euro nicht aufgeführt, die früher direkt und indirekt in den Büchern der inzwischen zwangsverstaatlichten Hypo Real Estate zu finden waren. Sie sind zur Abwicklungsanstalt FMS Wertmanagement abgeschoben, die zur Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung gehört, welcher auch der Bankenrettungsfonds SoFFin untersteht. Für diesen Teil der griechischen Schulden muss notfalls der deutsche Steuerzahler direkt einstehen.

Auch Versicherungen in Griechenland engagiert

Ebenfalls in der Bundesbankstatistik nicht erfasst sind die Versicherungskonzerne. Auch sie halten griechische Staatsanleihen und wären somit von einer Umschuldung betroffen, angesichts des recht geringen Anteils an ihren gesamten Anlagen aber nicht sehr stark. Die Allianz hat nach eigenen Angaben an den griechischen Staat Forderungen von 1,3 Milliarden Euro. Und der weltgrößte Rückversicherer Munich Re ist mit 1,1 Milliarden Euro dabei, "nichts, was uns in irgendeiner Weise aus der Bahn werfen würde", wie Finanzvorstand Jörg Schneider bei der Quartals-Pressekonferenz Anfang Mai sagte.

(Michael Winckler und Claudia Pietsch/dapd)


 


 

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