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Die tägliche Einschätzung der Deutschen Börse

Das Topthema des Tages ist der Anstieg der Beschäftigung auf dem US-Arbeitsmarkt. Der europäische Aktienmarkt tendierte gestern durch die Kursabschläge bei Bankwerten schwächer. Der Rentenmarkt und die Konjunktur sind von der Eurokrise weiterhin geprägt.

Rentenmarkt / Konjunktur

Die Tendenz erstklassiger Staatstitel war gestern uneinheitlich. Deutsche Bundesanleihen tendierten freundlich. Dies ist ein Reflex der anhaltenden Schuldenkrise im Euroraum und der Suche nach sicheren Anlagen. Dagegen stieß gestern die Emission 9- bis 30-jähriger französischer Staatsanleihen auf relativ verhaltene Resonanz, hier belastet u.a. weiterhin die Befürchtung, dass Frankreich sein AAA- Rating bei der nächsten Überprüfungsrunde durch die Agenturen einbüßen könnte; ein Risikozuschlag von 150 Basispunkten im 10-Jahresbereich gegenüber Bundestiteln spricht jedenfalls eine klare Sprache. Mittlerweile setzt die Schuldenkrise verstärkt dem EUR zu, der in der Breite schwach tendierte. Der Markt blickt mit Sorge der Emission spanischer und italienischer Staatsanleihen entgegen, die Donnerstag/Freitag kommender Woche anstehen.
US-Treasuries starteten dagegen mit Abschlägen in den Handelstag, nachdem die von der privaten Arbeitsagentur ADP bekanntgegebenen Beschäftigungsdaten mit einem Plus von 325.000 Stellen im Dezember einen so starken Zuwachs wie nie seit Erfassung dieser Datenreihe vor 11 Jahren ausgewiesen und auch die wöchentlichen Erstanträge den Besserungstrend am Arbeitsmarkt bestätigt hatten (siehe Topthema). In Tagesverlauf erholte sich dann die Treasuries etwas. Obwohl der ISM-Index im US-Dienstleistungsgewerbe mit einem Anstieg von 52,0 auf 52,6 Punkte (Dezember) unter den Erwartungen blieb, hielt der Druck auf den EUR an. Heute im Fokus: Der offizielle US-Arbeitsmarktbericht.

Aktienmarkt

Die europäischen Aktienmärkte tendierten gestern schwächer, wobei die Indexverluste große Unterschiede aufwiesen. Während der Dax lediglich um 0,3% fiel, gab es in Spanien (-2,9%) und Italien (-3,7%) große Einbußen. Verantwortlich hierfür zeichneten vor allem die zum Teil großen Kursabschläge bei Bankwerten. Die Furcht vor Kapitalerhöhungen bescherte dem Sektor auf europäischer Indexebene einen Verlust von 3,2%. Die Notierung der Unicredit sackte um 17,3% ab. Auch diejenige der Deutschen Bank (-5,6%) geriet aus Sorge vor einer Kapitalerhöhung heftig unter Beschuss. Im Gegensatz dazu setzten Automobiltitel ihren Aufwärtstrend fort; sie legten im Schnitt 1,1% zu (VW als Tagesgewinner im Dax: +2,6%). Lufthansa verloren nach skeptischen Aussagen zum Wachstum im Sektor durch den Branchenverband 3%. Die Aktie von Heidelbergcement sank nach einer Votenherabstufung um 2,8%. Demgegenüber sorgte ein positiver Analystenkommentar bei Fresenius (+1,7%) für Rückenwind. Die Börsen in den USA kämpften sich nach einem schwachen Start im Tagesverlauf zurück ins Plus und schlossen nahezu unverändert. Unterstützung boten u.a. besser als erwartet ausgefallene Zahlen vom Arbeitsmarkt. Die Sorgen hinsichtlich der Schuldenkrise in Europa dämpfen aber die Kauflaune. Im Gegensatz zu Europa stiegen Finanzwerte z.T. kräftig an; so gewann die Notierung der Bank of America 8,6%. Energieaktien büßten im Schnitt 0,6% ein. Die asiatischen Märkte tendierten mit Ausnahme der Festlandbörsen in China schwächer. In der Region herrscht weiterhin die Sorge vor der Schuldenkrise in Europa und den daraus resultierenden negativen Auswirkungen auf die Realwirtschaft.

Topthema des Tages

Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt werden freundlicher

Die Beschäftigung in der Privatwirtschaft ist auf Basis der monatlichen Daten des Personaldienstleisters ADP im Dezember um 325 Tausend angestiegen – nach 204 Tausend zusätzlichen Stellen im November. Dies lag deutlich über den Erwartungen von 178 Tausend. Auch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe waren in der letzten Arbeitswoche des Jahres 2011 mit 372 Tausend wieder rückläufig. Seit Ende November liegen diese Daten nun nachhaltig und deutlich unter der Marke von 400 Tausend. Vor diesem Hintergrund könnte der Anstieg der Beschäftigungskomponente beim ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor von 48,9 auf 49,4 Punkte fast schon enttäuschen, liegt er doch damit noch unter seinem 6-Monats-Durchschnitt.
An den Finanzmärkten steigen mit den ADP-Daten die Erwartungen für die heutigen offiziellen Beschäftigungsdaten. Da der staatliche Sektor wie in den vergangenen Monaten Beschäftigung abgebaut haben dürfte, wird der Anstieg der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft auf Basis der heutigen Arbeitsmarktstatistik zwar deutlich geringer ausfallen, dennoch zeichnen die Daten insgesamt nun ein freundlicheres Bild vom US-Arbeitsmarkt: Die Übersetzung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auf den Arbeitsmarkt – die in den vergangenen drei Jahren im Vergleich zu früheren Zyklen historisch schwach war, findet nun in höherem Maße statt. Dies erhöht die innenliegenden Kräfte und stabilisiert damit den Konjunkturzyklus. In den USA wird sich dies im Jahresverlauf in einer Verstetigung des Privaten Verbrauchs zeigen, der dadurch eine bessere Einkommensunterlegung erhält.

(ots / Commerzbank AG)


 


 

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