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Zentrale Beratungsstelle

Hessen will Opfer der SED-Diktatur besser unterstützen

(bo/ddp-hes). Das Land Hessen will künftig die Opfer der SED-Diktatur bei der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit sowie den Antragsverfahren für Entschädigungen besser unterstützen.

Der Unterausschuss für Flüchtlinge und Wiedergutmachung suchte deshalb am Mittwoch in einer Anhörung im Wiesbadener Landtag Rat bei Vertretern von Beratungsangeboten sowie Rechtsanwälten und Experten zur DDR-Vergangenheit. Die Vertreter plädierten einhellig für die Einrichtung einer zentralen Beratungsstelle, wie es sie etwa in Thüringen gibt. Zudem brauche es mehr gesellschaftliche Anerkennung der SED-Opfer und mehr Vermittlung der DDR-Vergangenheit in Schulen.

In Hessen leben Schätzungen zufolge mehrere Tausend ehemalige SED-Opfer, 1300 politisch Verfolgte in Hessen bekommen derzeit eine «Opferrente». Die Bundesregierung hat 1992, 1994 und 2007 drei Gesetze zur Rehabilitation und Entschädigung von Opfern erlassen, die Durchführung der Anerkennungsverfahren ist aber Ländersache. Hier sind die Versorgungsämter zuständig. Dort herrsche aber oft Unwissenheit, der Umgang mit Betroffenen reiche dann «von Ignoranz bis Ruppigkeit», sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Grumbach. Das könne man etwa durch Schulungen ändern. Kritik kam vonseiten mehrerer Opfervertreter auch an der Befristung der Anträge bis zum 31. Dezember 2011. Viele Betroffene stellten erst jetzt Anträge, die Aufarbeitung dauere einfach länger, hieß es.

Der Psychologe Stefan Trobisch-Lütge von der psychosozialen Beratungsstelle für SED-Opfer «Gegenwind» in Berlin betonte, seine Einrichtung habe nach wie vor einen sehr starken Zulauf. In jüngster Zeit kämen vor allem Menschen mit schweren Traumatisierungen, die sich erst jetzt über ihre Geschichte zu reden trauten, sowie die Kinder von Opfern. Eine Anlaufstelle, bei der man sich mit der Problematik auskenne, «wo zugehört und man ernst genommen wird», sei für diese Menschen sehr wichtig, betonte Trobisch-Lütge.

Auch die Direktorin der Stiftung Point Alpha, Uta Thofern, sprach sich für eine zentrale Anlaufstelle aus. Viele Opfer seien derart traumatisiert, dass sie allein kaum in der Lage seien, eine Auseinandersetzung um ihre Entschädigung durchzustehen. Dazu gebe es noch erhebliche Defizite bei der politischen Bildung: Die DDR-Geschichte müsse «wirksamer Teil der Lehrpläne» in den Schulen werden und auch in der Lehrerausbildung einen breiteren Raum einnehmen, forderte Thofern. Auch schlug sie die Einrichtung eines Lehrstuhls zur DDR-Geschichte in Hessen vor.

Der Eschborner Opferanwalt Thomas Illhardt sprach sich vor allem für den Einsatz erfahrener Gutachter aus. Ein erfahrener Sachverständiger habe einen erheblichen Erfahrungsschatz und werde von Opfern und Opferverbänden anerkannt. Illhardt plädierte deshalb für eine zentrale Begutachtungsstelle oder zumindest die Erstellung einer Liste erfahrener Gutachter zu dem Thema. «Sie brauchen Fachgutachter, und sie brauchen niederschwellige Beratungsangebote», sagte die Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen des Landes Thüringen, Hildigund Neubert. Nach ihrer Erfahrung würden Beratungstage vor Ort sehr gut angenommen, dazu könne man Anlaufstellen in Sozialverbänden vor Ort einrichten.

Die derzeitige Anerkennungspraxis sei vielfach «retraumatisierend», weil die Opfer selbst nachweisen müssten, dass ihre gesundheitlichen Probleme durch die Verfolgung verursacht worden seien. Schlage den Opfern von den Gutachtern «Unglauben und Zweifel» entgegen, sei eine sachgerechte Beurteilung nicht möglich. Erfahrene Gutachter beugten diesem Problem vor. Auch sollten Mitarbeiter der Versorgungsämter besser über die Geschichte der DDR sowie die Verfolgungsmethoden der Stasi geschult werden, sagte Neubert, und bot dafür die Hilfe ihrer Behörde an.

(Gisela Kirschstein)


 


 

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