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  • 15.12.2016, 12:58 Uhr
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  • Rhein-Main
Selbstfindung

Wenn der Stress zu groß wird: Spiritualität als Alternative

Lebensberatung, Yoga und Persönlichkeitscoaching: Spirituelle Selbstfindung und Stressbewältigung werden auch für die Arbeitswelt immer wichtiger. Der Psychoanalytiker David Tracy spricht sogar von einer spirituellen Revolution und beschreibt damit die wachsende Beliebtheit und Akzeptanz von Spiritualität in der westlichen Gesellschaft. Vor allem im Berufsleben und im Zusammenhang mit großem Stress finden spirituelle Angebote immer mehr Zuspruch. Was bedeutet Stress für Psyche und Körper, und wieso wird gerade Spiritualität als Lösung gesehen?

Die Wissenschaft hat Spiritualität und Meditation, früher als Esoterik abgetan, als Forschungsthema entdeckt. Die Universität Bielefeld hat im Rahmen einer Studie untersucht, was Spiritualität überhaupt bedeutet. Das Ergebnis zeigt, dass sich bereits die Vorstellungen über die Bedeutung des Wortes sehr voneinander unterscheiden. Letztendlich aber konnten 10 Grundgedanken festgehalten werden, unter anderem die Harmonie zwischen dem Universum, der Natur und dem Körper und die innere Suche nach einem höheren Selbst und einem Sinn.

Stress kann körperlich krank machen

Dabei geht es nicht um Zauberei und Hokuspokus, sondern darum, sich mit dem eigenen Körper zu beschäftigen und auf dessen Bedürfnisse und Signale zu achten. Schon in der Schule lernen wir vorgegebenen Ansprüchen zu genügen und schnell und effizient zu funktionieren. Druck erfahren also bereits Kinder, und dieser Stress begleitet sie durch Schule, Studium, Ausbildung und Berufsleben – und steigt stetig an. Durch ständigen Arbeitsdruck, Globalisierung und digitale Informationsflut stecken viele in einem Strudel aus Stress und Terminen. Die Quittung kommt oft in Form von körperlichen und psychischen Folgekrankheiten. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse (pdf) ist die Häufigkeit von stressbedingten Krankschreibungen in den letzten 15 Jahren deutlich angestiegen. Rund 30 % der Befragten leiden an chronischen Beschwerden, die durch Stress hervorgerufen werden.

Arbeitgeber bieten Meditation an

Einen Ausgleich zum beruflichen Alltag schaffen Hobbys: Sport, Freunde treffen und Gartenarbeit sind besonders beliebt. Aber auch Yoga und Meditation werden immer populärer. Laut einer Umfrage glauben 78 % der Befragten an die Wirksamkeit von alternativen Heilmethoden bei stressbedingten Krankheiten im Vergleich zur Schulmedizin.

Sowohl beim Yoga als auch beim Meditieren tritt man für eine kurze Zeit aus dem stressigen Alltag heraus und konzentriert sich auf sich selbst und den Körper. Beobachten, fühlen und entschleunigen sind die Grundsätze dahinter. Viele Unternehmen bieten mittlerweile sogar Seminare und sogenannte MBSR-Therapien (Mindfulness-Based Stress Reduction) an. Dabei werden Achtsamkeitsübungen zur Stressreduktion erlernt. Teilnehmer meditieren und sollen lernen, ihr Leben achtsamer zu leben und Dinge, die sie tun, intensiver wahrzunehmen.

Diplompsychologe Ralf Oerter sagt: "Dieser Begriff (Spiritualität) war bis vor wenigen Jahrzehnten nicht unbedingt positiv besetzt. Er weckte Assoziationen an Nonnen, die den Rosenkranz beten, an weltabgewandte Orte des Schweigens, der Askese. Doch in den letzten Jahren hat sich das explosionsartig geändert."

Großes Interesse an spirituellen Entscheidungshilfen

Doch nicht nur Achtsamkeit und Meditation liegen voll im Trend, auch esoterische Methoden zur Entscheidungshilfe sind beliebt. Die Website der spirituellen Lebensberatung Viversum, bei der man sich zum Beispiel online die Karten legen lassen kann, wird innerhalb einer Woche knapp 1 Millionen Mal angeklickt. Die Nachfrage ist also groß, auch wenn die meisten angeben, nicht an Esoterik und Übernatürliches zu glauben.

Auch Spiritualität kommt Experten zufolge nicht für jeden in Frage. Emotionen können schnell überkochen, und mangelnde Disziplin kann zu Frust führen. Für viele sei es schon eine große Herausforderung, 30 Minuten da zu sitzen und sich immer wieder aufs Hier und Jetzt und das Atmen zu fokussieren, sagt Johannes Michalak, Professor an der Universität Hildesheim. Was letztendlich der richtige Weg ist, seinen Stress abzubauen und gesund zu bleiben, ist eine individuelle Frage. Es schadet jedoch nicht, einmal die Grenzen des Bekannten zu verlassen und sich auf neue Dinge einzulassen.

(Redaktion)


 


 

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