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Stadt verkauft Waldstück für 32 Millionen Euro an Fraport

(bo/ddp-hes). Die Stadt Kelsterbach hat den zum Bau der Landebahn Nordwest notwendigen Bannwald an den Flughafenbetreiber Fraport verkauft und übereignet. Der Vertrag zwischen Unternehmen und Kommune habe ein Volumen von 32 Millionen Euro, sagte der stellvertretende Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte am Mittwoch. Die Übereinkunft umfasse nicht nur den Kauf des knapp 250 Hektar großen Waldstücks, sondern auch angrenzende Gewerbeflächen. Kritik an dem Verkauf kam von den hessischen Grünen. Die Protestcamper im Wald beklagten sich unterdessen über die mangelnde Unterstützung der Anwohner.

Nur das Waldgebiet hätte bei einer Enteignung zugunsten von Fraport lediglich 18 Millionen Euro eingebracht, sagte Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel (SPD). Schulte kündigte derweil eine engere Zusammenarbeit mit der Stadt Kelsterbach im Bereich der Aus- und Fortbildung «vom Kindergarten über die Schule bis hin zum Praktikum» an. Auch sei in dem 32-Millionen-Euro-Paket der Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm enthalten. So sollen die Gebäude im Wohngebiet «Am Hasenpfad» beispielsweise mit passivem Schallschutz ausgestattet und eine Lärmschutzwand gebaut werden.

Wie Ockel sagte, wird mit dem Geld auch ein unbebautes Gebiet am Stadtrand renaturiert, um den Wegfall des Bannwaldes zu kompensieren. «Der Verlust des Kelsterbacher Waldes als bedeutende Naherholungsfläche kann jedoch unmöglich ausgeglichen werden», betonte der Rathauschef. Dennoch habe sich die Stadt mit Blick auf die juristische Lage für den Verkauf entschieden. «Der Ausbau ist juristisch nicht mehr aufzuhalten», sagte Ockel.

Kritik an dieser Haltung kam von den hessischen Grünen. Deren Verkehrsexperte Frank Kaufmann bezeichnete die Vereinbarung zwischen Stadt und Fraport als «erbärmlichen Ablasshandel». Fraport erfülle damit «nicht einmal den Lärmschutz, der seit acht Jahren als Ergebnis der Mediation vorgesehen war und schon längst umgesetzt werden sollte», betonte Kaufmann. Für ein «Linsengericht» verkaufe die Stadt die für die dritte Landebahn nordwestlich des Flughafens benötigten Grundstücke und gebe den juristischen Widerstand auf. «Es verstärkt sich der Eindruck», dass es den Verantwortlichen der Stadt mit dem Widerstand von Anfang an nicht Ernst gewesen sei.

Die Aktivisten im Kelsterbacher Wald beklagten sich derweil über die ihrer Meinung nach nicht ausreichende Unterstützung der Bürger im Kampf gegen den Flughafenausbau. «Wir haben unseren Teil dazu beigetragen, um auf die massive Umweltzerstörung hinzuweisen», sagte Aktivisten-Sprecher Sascha Friebe. Seit Mai 2008 protestieren die Aktivisten in einem Camp gegen den geplanten Ausbau. «Wir hatten gehofft, die Bürger kommen, wenn die Bäume fallen.

 Das ist leider nicht geschehen», kritisierte der 51-Jährige. «Die Leute werden den Flughafen bekommen, den sie verdienen», fügte er hinzu. Nach Ansicht von Friebe sind daher auch die Tage des Protestcamps im Kelsterbacher Wald gezählt. «Ich gehe mal davon aus, dass wir maximal noch drei Wochen hier ausharren können, dann steht wohl definitiv eine Räumung an.» Am Mittwoch hatten zehn Aktivisten für etwa eine Stunde eine Rodungsmaschine besetzt. (Quellen: Friebe im ddp-Interview; Schulte und Ockel auf PK in Kelsterbach; Grüne in Mitteilung)

(Redaktion)


 


 

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