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Städel Museum

Ein Oberlichtmuseum im Keller

(bo/dapd) Wenige Tage vor Eröffnung des großen Erweiterungsbaus für das Städel Museum in Frankfurt am Main hat Kurator Martin Engler das Grundkonzept der Präsentation bekannt gegeben.

Die Treppe hinab in den zurzeit wohl verheißungsvollsten Raum in Frankfurt am Main mutet an wie aus hellem Marmor. Es ist aber, wie eine Sprecherin des Städels erklärt, nur mehrfach und speziell geschliffener Beton. Unten im großen unterirdischen Erweiterungsbau im Garten des renommierten Kunstmuseums steht Kurator Martin Engler und schaut zur Decke. Handwerker justieren dort die letzten der insgesamt 195 Oberlichter. In einer Woche wird der neue Flügel des Städels nach zweieinhalbjähriger Bauzeit eröffnet. Die Kunst soll sich dann im besten Licht zeigen können.

Martin Engler, 43 Jahre alt und mit schulterlangem braunen Haar, leitet die Sammlung der Gegenwartskunst im Städel, die in dem neuen Trakt ihren Platz findet. Gezeigt werden etwa 330 Stücke. Engler kam vor vier Jahren vom Kunstverein Hannover nach Frankfurt, als klar war, dass das vor knapp 200 Jahren gegründete Haus um diese rund 3.000 unterirdischen Quadratmeter wachsen wird. "Schon bevor Max Hollein Direktor wurde, hatte das Städel rund 100 Kunstwerke aus der Zeit nach 1945. Die Leitung des Hauses kam zum Schluss, dass diese zu wertvoll sind, um sie nicht dauerhaft zu zeigen", berichtet er.

Das Städelsche Kunstinstitut ist auf das Tafelbild spezialisiert. Aus rund 700 Jahren stammen die Stücke in seiner Sammlung, darunter einige Skulpturen. Im 20. Jahrhundert verlegten sich viele Künstler darauf, das traditionelle Format des Tafelbilds zu sprengen. Manchen Malern wurde die Leinwand zu klein. In der Gegenwartskunstsammlung besitzt das Städel Ölgemälde, Fotografien, Bleistiftarbeiten auf Papier, rahmensprengende Bilder mit Installationscharakter, Skulpturen - all dies gilt es angemessen nebeneinander zu präsentieren, doch verschiedene Formate verlangen nach unterschiedlichem Licht. Daher sind die Oberlichter so wichtig.

Ausgeklügeltes Beleuchtungssystem

"Wir haben hier ein Oberlichtmuseum im Keller", sagt Martin Engler nicht ohne Stolz. Durch die runden Öffnungen fällt Tageslicht, das je nach Wetterlage mit Kunstlicht vermischt wird. Dafür sorgt ein Kranz aus LED-Leuchten in jedem Oberlicht, die in Echtzeit steuerbar sind. Das System ist so ausgeklügelt, dass jedes Kunstwerk individuell beleuchtet wird. "Solche Oberlichter gibt es nur hier", sagt Engler.

Um die 1.000 Arbeiten aus der Zeit nach 1945 besitzt das Städel inzwischen. Die Deutsche Bank und die DZ Bank überließen ihm Teile ihrer Sammlungen, dazu kamen Schenkungen und Ankäufe durch den Städelschen Museums-Verein. Engler sichtete all das, "um aus diesem großen und relativ heterogenen Konvolut eine sinnstiftende Erzählung aufzubauen". Diese Erzählung hängt nun an den eingezogenen und bei Bedarf verrückbaren Innenwänden des Erweiterungsbaus. Die Präsentation wird kommende Woche vorgestellt.

Aus Englers Erzählung soll der Besucher herauslesen, dass figurative und abstrakte Malerei am Ende des 20. und Beginn des 21. Jahrhunderts keine Gegensätze mehr sind. So zumindest wünscht es sich der Kurator, der mit Blick auf Gemälde von Corinne Wasmuht, Neo Rauch und Daniel Richter im zentralen Raum des Erweiterungsbaus sagt: "Manche Bilder verbinden diese früheren Gegensätze, das macht die Qualität der Malerei heute aus."

Engler nahm in die neue Dauerausstellung auch Werke auf, die gemeinhin zur Klassischen Moderne zählen. Sicher sei 1945 "eine Epochenschwelle" gewesen, doch manche Maler wie etwa Fritz Winter hätten diese in ihrem Werk auch überwunden. Er wolle zeigen, auf welchen Wegen die Kunst aus der Moderne in die Gegenwart gelangt sei, sagt Engler noch: "Das geschah nicht nur entlang von Leuchttürmen wie Minimal oder Pop-Art, sondern auch auf Nebenpfaden." Letztlich wolle das Städel mit seiner neuen Präsentation den Kanon der Gegenwartskunst neu vermessen und fragen, was dazugehöre.

(dapd-hes)


 


 

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