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Wenn das Finanzamt sich verrechnet

Steuerberater und Finanzbeamte haften für Fehler

(bo/ddp.djn). Das Finanzamt verschickt bisweilen Steuerbescheide, die einem die Sprache verschlagen. Über zwei Milliarden Euro Umsatzsteuer sollte eine Münchener Kioskbesitzerin im vergangenen Herbst an das Finanzamt München II bezahlen. Tatsächlich hatte ihr Steuerberater aber nur eine Steuerschuld von 109 Euro ausgerechnet. Ein Telefonanruf der geschockten Frau bei der Behörde blieb zunächst ohne Erfolg - erst auf Druck ihres Steuerberaters korrigierten die Beamten den falschen Bescheid.

Damit war die Provinz-Posse aber noch nicht beendet. Denn bei
einem Streitwert von 2,1 Milliarden Euro hatte der zur Hilfe gerufene
Steuerfachmann theoretisch einen Honoraranspruch von 2,5 Millionen
Euro. Für diesen Betrag sollte der Freistaat Bayern gerade stehen.
Vor dem Landgericht München einigte man sich schließlich im
Vergleichswege auf eine Zahlung von 15 000 Euro an eine gemeinnützige
Organisation.

Leider kein Einzelfall - jeder fünfte Steuerbescheid enthält
Fehler des Finanzamtes, weil die Beamten schlampig arbeiten oder im
Steuerdschungel den Überblick verloren haben. Wenn ein Finanzbeamter
einen Fehler macht, zahlt jedoch nicht immer der Steuerzahler die
Zeche. Das Finanzamt muss für entstandene Steuerberatungskosten
aufkommen, wenn es fehlerhafte Steuerbescheide erlässt, gegen den
sich betroffene Steuerzahler nur mit Hilfe eines Fachmannes wehren
konnten. Das hat das Oberlandesgericht Koblenz entschieden (Az. 1 U
1588/01).

Es lohnt sich also, dem Fiskus (zur Fiskus Definition) auf die Finger zu schauen. Viel
gewonnen hat schon, wer vor der Abgabe seiner Steuererklärung Kopien
von Unterlagen und ausgefüllten Formularen zieht. Liegt der
Steuerbescheid im Briefkasten, kann man relativ einfach überprüfen,
ob den Beamten Zahlendreher oder Übernahmefehler in den
Behördenrechner unterlaufen sind. Wer seine jährliche
Steuerabrechnung über die Elster-Software des Finanzamtes abwickelt,
kommt nicht nur schneller an die Rückerstattung - er vermeidet auch
Flüchtigkeits- oder Übertragungsfehler.

Wer in seinem Steuerbescheid Fehler entdeckt oder vergessene
Kostenbelege nachreichen will, kann innerhalb von einem Monat nach
dem Eintreffen des Steuerbescheides kostenlos Einspruch erheben und
eine Korrektur verlangen.

Viele Menschen fühlen sich bei der jährlichen Steuerabrechnung mit
dem Finanzamt überfordert und wälzen den ungeliebten Papierkram
lieber gleich auf einen Steuerberater oder einen
Lohnsteuerhilfeverein ab. Die Beratung durch einen Steuerfachmann hat
einen großen Vorteil. Unterläuft dem Experten ein Schnitzer, muss er
seinem Mandanten den entstandenen Steuerschaden ersetzen. Nach der
Rechtsprechung der Zivilgerichte müssen Steuerberater ihre Mandanten
umfassend beraten, ungefragt auf alle steuerlichen Chancen und
Risiken hinweisen und den sichersten Weg zur angestrebten
Steuerersparnis weisen.

Besonders bei der aktuellen Entwicklung der Steuergesetzgebung und
Rechtsprechung muss der Berater am Ball bleiben. Hat er hier wichtige
Änderungen verschlafen, wird bei Falschberatung Schadenersatz fällig
(BGH, AZ: IX ZR 472/00). Das gilt auch, wenn Fristen versäumt werden
(OLG Düsseldorf, AZ: 23 U 207/02) oder der Mandant bei unklarer
Rechtslage nicht darauf hingewiesen wird, vom Finanzamt vor einer
schwer wiegenden geschäftlichen Entscheidung eine verbindliche
Auskunft einzuholen (BGH, AZ: IX ZR 188/05).

Quelle Foto: www.pixelio.de

(rheinmain)


 


 

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