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Steuerpläne nagen an Firmensubstanz

Laut der IHK Rheinhessen zeigen Parteien bei der Suche nach Einnahmequellen wenig Rücksicht für die finanziellen Zwänge der Unternehmen

In Anbetracht der neuesten steuerpolitischen Vorstöße von Parteien im Bundestagswahlkampf warnt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Richard Patzke, davor, die Substanz von Unternehmen zu besteuern und damit deren Existenz zu gefährden.

Eine Belastung der Unternehmen mit einer Vermögensteuer entzieht den Unternehmen massiv Eigenkapital . Damit würde es an der Grundlage für Investitionen, die Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze oder steigende Lohneinkommen fehlen. Der IHK-Hauptgeschäftsführer sieht die Gefahr, dass die Vermögensteuer zunächst wegen des geringen Steuersatzes von einem Prozent in der öffentlichen Wahrnehmung harmlos aussehen könnte: „Sie wirkt sich jedoch umso stärker aus, je geringer die Rendite des Unternehmens ist. So bedeutet ein Prozent vom Vermögen bei einem Ertrag von zwei Prozent eine Belastung durch die Vermögensteuer in Höhe von 50 Prozent des Ertrages", rechnet Patzke vor.

Eine ertragsunabhängige Vermögensteuer kann Betriebe sogar in ihrer Existenz bedrohen, wenn im Verlustfall aus Liquiditätsgründen betriebsnotwendige Vermögenswerte verkauft werden müssten. Substanzsteuern belasten die Unternehmen zusätzlich zur Gewinnbesteuerung. Im Zweifel kommt es zu Steuerzahlungen, ohne dass Gewinne erwirtschaftet werden. Am Ende kann die Insolvenz stehen. Patzke mahnt: „Die Folge für den Fiskus ist ein geringeres Aufkommen an Unternehmenssteuern, und wenn Arbeitsplätze verloren gehen auch an Lohnsteuern.“

Schon jetzt schneidet Deutschland bei der Besteuerung von Familienunternehmen nicht gut ab (13. Rang von insgesamt 18 Wettbewerberstaaten, Quelle: ZEW, Stand 2013). Setzen sich die Pläne von Parteien wie die Wiedereinführung der Vermögensteuer durch, zahlen Unternehmen in Deutschland bald die höchsten Steuern innerhalb der Industrienationen. Gerne vergessen wird zudem bei der Diskussion, dass bei Abschaffung der Vermögensteuer im Jahr 1997 als finanzieller Ausgleich die Erbschaft- und Grunderwerbsteuer angehoben wurde. Dies beschert den Ländern jährliche Einnahmen in Hohe von rund 4,3 Mrd. EUR. Eine erneute Erhebung der Vermögensteuer würde eine enorme Steuererhöhung darstellen.

(Redaktion)


 


 

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