Weitere Artikel
Fachbeitrag Thomas Ewald-Wehner

Steuernachforderungen für Rentner in 2009? – Neues aus der „Kohorte“

Die Bild-Zeitung titelte am 14.08.08: „Millionen Rentner müssen Steuern nachzahlen!“ – Zum realen Hintergrund: Nach den Gesetzesänderungen, die seit dem 1.01.2005 gelten, sind nach Schätzungen der „Deutschen Steuergewerkschaft“ ca. 3,4 Rentnerinnen und Rentner zur Abgabe einer Steuer-Erklärung verpflichtet. Etwa 1,4 Millionen Rentner sind aber bisher nur ihren Steuererklärungspflichten ab Veranlagung 2005 nachgekommen.

Dies hängt damit zusammen, dass in der Zeit vor dem 1.01.2005 Renten durchschnittlich mit einem Ertragsanteil von lediglich 25%-27% besteuert wurden. Ab dem 1.01.2005 aber werden diese Renten jedoch mit 50% besteuert. Für Neurentner steigt dieser Anteil seit 2006 mit jedem Jahrgang um weitere 2%-Punkte an (2006 = 52% - Neuzugang 2007 = 54% usw. usf.). In der Fachwelt hat sich dafür der Begriff der „Kohorten“-Besteuerung herausgebildet. Damit werden erheblich vielmehr Rentner steuerpflichtig.

Damit ist auch klar, dass Rentner, die sich bisher nicht mit den Neuregelungen auseinandergesetzt haben, unfreiwillig Kontakt mit den zuständigen Finanzamt haben werden. Das hängt damit zusammen, dass die Daten der Rentenversicherer erstmals 2009 dem Finanzamt auf elektronischem Weg zugehen. Geschätzt etwa 2 Millionen Rentner werden dann in 2009 auch Post vom Finanzamt bekommen, die zur Abgabe einer Steuererklärung rückwirkend bis 2005 aufgefordert werden.

Post erhalten aber auch nur die Rentner, deren monatliche Rente mehr als 1.500 € beträgt. Wird eine Rente von mehr als 1.500 € (je Person) bezogen, kann es sein, dass der steuerfreie Jahresbetrag von 7.664 € (jährlicher „Grundfreibetrag“, der steuerfrei bleibt!) überschritten wird, so dass dann u.U. Einkommensteuer zu bezahlen ist. Werden zur Rente noch Versorgungsbeträge, die der frühere Arbeitgeber über Lohnsteuerkarte abrechnet, gezahlt, ist auch dies dem Finanzamt auf elektronischem Wege mitgeteilt worden. Das Finanzamt führt diese Daten zusammen.

Der sog. „Eingangssteuersatz“ beträgt ab einer Jahresrente von etwas mehr als 15.000 € 15%. Wer weniger Renteneinkommen bezieht, muss weiterhin keinen Cent Steuern zahlen. - Kritisch wird es für die Rentner, deren Budget durch weitere Einkünfte – wie z.B. Zinsen aus Kapitalvermögen oder Vermietungseinkünfte – aufgebessert wird. – Da es bisher noch keine Bagatellgrenze gibt, kann das Finanzamt auf die Steuernachforderungen auch nicht verzichten.

Steuerhinterziehung wird in der Regel nicht vorliegen. Rentner müssen aber damit rechnen, dass das Finanzamt u.U. Verspätungszuschläge fordert. - Dennoch sollten sich potentiell Betroffene nicht verunsichern lassen. Steuerberater oder auch das Finanzamt selbst können weiterhelfen. – Ein Steuerberater sollte aber dann konsultiert werden, wenn die oben genannte Grenze überschritten ist und andere Einkunftsarten vorliegen.

Steuerberater sind nicht nur bei der Erfüllung von Deklarationspflichten behilflich, sondern sind auch in der Lage „Steuersparpotenziale“ zu heben. Dazu kann z.B. gehören: Handwerkerrechnungen im Rahmen von Steuerermäßigungen zu nutzen; Behinderten-Pauschbeträge zu „aktivieren“; Zinsabschlagsteuer als gezahlte Steuer in Ansatz zu bringen; Vorsorgeaufwendungen, Spenden, gezahlte Kirchensteuer etc. als steuermindernde Sonderausgaben zu erfassen; auch „Werbungskosten“ bei den Einkünften können bei den Einkünften sich steuermindernd auswirken. Gerade auch die jährlich zahlreich anfallenden „Krankheitskosten“ können als sog. „außergewöhnliche Belastungen“ zur Steuerminimierung genutzt werden. – Auch Steuerberatungskosten der Steuerberater können dann zukünftig als „Werbungskosten“ steuersenkend in Ansatz gebracht werden.

(Thomas Ewald-Wehner)


 


 

Steuernachforderungen
Rentner
Deutsche Steuergewerkschaft; Steuernachforderung

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Steuernachforderungen" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: