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Streik

Flugbegleiter streiken lieber anonym - Arbeitsvertragsklausel soll Lufthansa-Ansehen schützen

(dapd-hes) Taxifahrer Theodor Karanasios würde auch gern mal die Arbeit niederlegen am Frankfurter Flughafen. "Aber es streiken immer die Privilegierten", moniert er. Der 54-Jährige parkt nahe dem Airportterminal am Taxi-Aufstellplatz. Gleich gegenüber haben am Dienstag Hunderte Lufthansa-Flugbegleiter unter freiem Himmel ihr Streiklager aufgeschlagen. "Dass wir jetzt Sonderrechte genießen, ist ein absurder Gedanke", sagt Stefan Schwerthelm, Sprecher der Flugbegleitergewerkschaft UFO. "Meine Kollegen hier im Streiklager haben zu Recht Angst, überhaupt ihre Namen zu nennen."

Über 1.000 Stewardessen und Stewards haben sich seit Streikbeginn um 6.00 Uhr am Westrand des Flughafens versammelt. Sie feiern ihren Erfolg, denn auch in Berlin und München sind die Kollegen im Ausstand. "Ich musste allen raten, ihren vollständigen Namen nicht preiszugeben", sagt Schwerthelm. "Unsere Arbeitsverträge enthalten die Klausel, das Ansehen der Lufthansa nicht zu gefährden." Oft schon habe der Konzern deswegen Kündigungen ausgesprochen. "Dazu hat bereits ein unglücklich aufgenommenes Foto an einem Hotelpool gereicht", erklärt der UFO-Mann. "Wir gehen dann stets vor Gericht." Stewardess: "Ich habe Angst um meine Firma"

Auch Stewardess Doris D. steht im Streiklager. "Ich zeige Kampfbereitschaft. Ich habe Angst um meine Firma." UFO hatte die Tarifgespräche mit Lufthansa vergangene Woche abgebrochen und fordert weiterhin neben mehr Lohn auch Schutz vor Leiharbeitereinsatz und Jobauslagerungen. "Lufthansa will jetzt die periodischen Höherstufungen des Kabinenpersonals zeitlich strecken", kritisiert Doris. "Das trifft meinen Sohn, er ist 27 und hat gerade als Flugbegleiter angefangen."

Der Arbeitgeber von Doris D. zeigte sich nun vorbereiteter als am Freitag, am ersten Streiktag. Schon kurz nach fünf Uhr eröffnete Lufthansa die ersten Umbuchungsschalter, vergangene Woche warteten Kunden länger auf diesen Service. Nach Ende des Streiks um 14.00 Uhr blieben die speziellen Counter offen, vor denen sich den ganzen Tag auch weniger Reisende drängelten. Weil Lufthansa am Freitag mit 200 Streichflügen dreimal so viele Ausfälle hinnehmen musste wie angekündigt, hatten offensichtlich viel mehr Ticketinhaber in der Nacht zum Dienstag den Status ihrer Verbindung online abgefragt. Warten mit dem Schlangen-Coach

Serviceleute arrangierten die Wartenden zu nur einer Schlange, die nie länger als 400 Meter wurde. Am Freitag hatten sich im Terminal endlose Ketten gestrandeter Fluggäste überkreuzt und vollständige Verwirrung gestiftet. "Wir wollen heute zwei Drittel der Langstrecke und 50 Prozent Kurz- und Mittelstrecke rausgehen lassen", sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther am Dienstagmorgen. "UFOs Taktik mit zeitversetzten Streiks in Berlin, Frankfurt und München ist unerträglich, auch für die Passagiere." Walther rief UFO zu Gesprächen auf. Ein neues Angebot offeriere Lufthansa jedoch nicht.

Flugbegleiterin Doris D. flog das erste Mal 1969 für Lufthansa. "Es war an Weihnachten und nur ein kleiner Sprung von Frankfurt nach Düsseldorf", erinnert sie sich. "Für mich ein unvergesslicher Anfang. Lufthansa-Stewardess zu werden war mein Traum." Ein Gemeinschaftsgefühl habe die Fluggesellschaft ausgezeichnet und die Passagiere immer wieder von der Leistung der Linie mit dem Kranichemblem überzeugt. "Mit der Sparpolitik in der Kabine, der verlangten Mehrarbeit und den Billigtöchtern zerstört Lufthansa dieses Gemeinschaftsgefühl", sagt Doris D. "Und meinen Kindheitstraum."

Von Stefan Höhle

(dapd)


 


 

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