37. Journalistenstammtisch
37. Journalistenstammtisch Die „alte Tante“ ist bei dpa ausgezogen
Rhein-Main. Neue Strukturen, neuer Standort, neue Ausrichtung: Bei der größten deutschen Nachrichtenagentur haben bedeutende Veränderungen stattgefunden. Althergebrachtes – von Gastredner und dpa-Landeschef Martin Oversohl metaphorisch als „alte Tante“ bezeichnet – wurde rigoros abgeschafft. Beim 37. Journalistenstammtisch im Kempinski Hotel Gravenbruch Frankfurt sprach Oversohl über Chancen und Risiken des „Tantenauszugs“.
In dem für den Journalisten-Stammtisch typischen 300-Sekunden-Statement erklärte der Landesbüroleiter für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, dass eine „interne Revolution“ mit vielen zeitgemäßen Veränderungen stattgefunden habe. Da habe die nicht mehr ganz so trendige „Tante“ nicht mithalten können und musste Platz für Neues machen. Oversohl ist bereits seit 15 Jahren für die dpa tätig. Bevor er im Mai 2011 den Posten als Landesbüroleiter für drei Bundesländer antrat, arbeitete er unter anderem als Kulturredakteur, Dienstchef und Büroleiter für verschiedene Landesdienste. Den „frischen Wind, der die Tante vertrieb“, könne man an grundlegenden Veränderungen erkennen, so Oversohl. Die augenscheinlichste sei natürlich der Standortwechsel von Hamburg nach Berlin. In der Hauptstadt sind nun alle zentralen Redaktionen zusammengeführt. Zudem gäbe es eine neue Chefetage mit einer ausgeprägt multimedialem „Denke“ und im Zuge dessen den neuen Onlineauftritt dpa-news. Dpa-News bietet dpa-Kunden die Topthemen des Tages, verknüpft mit der Möglichkeit, direkt auf das Veröffentlichte zu reagieren. Aktuell läuft für dieses Tool eine Vertriebskampagne. Oversohl berichtete auch von der Einführung einer neuen Sprache bei der dpa, einer Sprache, die für die Leser unterhaltsamer als bisher ist. Er stellte zudem das Projekt Pro-Inland vor: Mit der Einrichtung von insgesamt sieben Regio-Desks, die frei von Redigier- und sonstigen Büroarbeiten sind, sei den Reportern der Freiraum gegeben, noch näher bei den Menschen zu sein und sich die Geschichten des Landes selbst zu suchen. Dies gehe deutlich weg vom früher so gebräuchlichem „Termin-Journalismus“. Im anschließenden Interview mit Steffen Ball, dem Initiator des Journalistenstammtischs, erklärte Martin Oversohl, dass jeder Mitarbeiter einen komplett anderen Tagesablauf und damit quasi auch einen neuen Job bekommen habe. Auf die Frage, ob die Neuerungen im Hinblick auf nicht verlängerte Verträge z. B. mit dem Auswärtigem Amt oder der Münchner Abendzeitung und deren Wechsel zum dapd vielleicht doch nicht so positiv zu beurteilen seien, gab es für den Landesbüroleiter nur eine Antwort: „Das sind keine Gründe, am neuen System zu zweifeln. Umsatzrückgänge können wir jetzt weitaus besser verkraften als früher.“ Zwar würde der dapd die Preise der dpa unterbieten, letztere hätte aber einen ausgesprochen hohen Anspruch an Qualität und mit insgesamt 54 Büros eine bessere Flächenverteilung. Auf die Frage ob, die dpa überlege, „Computer-Journalismus“ über Facebook und andere Netzwerke zu betreiben, kam Oversohl auf die Problematik der Online-Finanzierung zu sprechen. Er stellte fest: „Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung sind Agenturen die Verlierer bei Online.“ Bei Angeboten, die immer kostenlos waren, sei es kaum möglich, für bestimmte Leistungen Geld zu verlangen, um diese Online-Auftritte zu finanzieren. Die einzige Möglichkeit sieht Oversohl in der Einrichtung von Smartphone-Apps, da diese auch gleichzeitig die Kundenbindung fördern. Im Anschluss an die Diskussion wurde wieder ein PS-starker Preis unter den anwesenden Journalisten verlost: ein Wochenende mit dem neuen Audi Q3. Zur Verfügung gestellt wurde dieser Gewinn vom Audi Zentrum Frankfurt, dem offiziellen Kooperationspartner des Journalistenstammtischs. (Redaktion)
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(Redaktion)
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