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Türkei Thema im „Leseland Hessen“

Top-Autoren lesen in Hanau

"Leseland Hessen", das Literaturfestival des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, macht zum fünften Mal Station in Hanau. Ehrengast der Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr die Türkei, die auch in den inhaltlichen Schwerpunkt der Hanauer Lesereihe bildet. Die Stadtbibliothek und die Buchhandlung Bücher bei Dausien bieten gemeinsam fünf hochkarätige Veranstaltungen an.

Dass es hierzulande noch viele literarische Kostbarkeiten links und rechts von Yasar Kemal und Orhan Pamuk zu entdecken gilt, zeigt der Bamberger Schriftsteller und Turkologe Nevfel Cumart bei Wein und türkischen Spezialitäten in der Auftaktveranstaltung am Donnerstag, 9. Oktober, um 20 Uhr in der Buchhandlung Bücher bei Dausien (Salzstraße 18).

Mit Porträts und ausgewählten Texten bedeutender Autorinnen und Autoren spannt er einen literarischen Bogen durch die moderne türkische Literatur und macht Appetit auf weitere Werke aus dem Gastland der Buchmesse 2008.

Nevfel Cumart, geboren 1964, studierte Turkologie, Arabistik und Islamwissenschaft und arbeitet seit 1993 als freiberuflicher Schriftsteller, Übersetzer und Referent. Er veröffentlichte vierzehn Gedichtbände und eine Sammlung mit Erzählungen.

Am Mittwoch, 15. Oktober, ist um 20 Uhr mit Hasan Ali Toptas einer der hervorragendsten Vertreter der türkischen Postmoderne in der Buchhandlung Dausien zu Gast. Er liest – auf Türkisch - aus seinem neuen Roman "Die Schattenlosen". Den deutschen Part übernimmt sein Übersetzer Gerhard Meier, der auch die Werke des Nobelpreisträgers Orhan Pamuk ins Deutsche überträgt.

Man könnte Toptas als den türkischen Franz Kafka bezeichnen: Aus einfachsten Verhältnissen Südwestanatoliens stammend, aufgewachsen in einem Haus ohne Zeitung und ohne Bücher, wurde das magische Universum der Worte schnell seine Welt. Als Schüler versorgte er sich über Bibliotheken mit Lesestoff und verschlang neben den türkischen Autoren auch die Werke der Weltliteratur. Dass er dabei auch Borges und Kafka las, ist seinen Texten deutlich anzumerken.

Im Mittelpunkt von Die Schattenlosen steht die Seinsfrage. Die einfachen Menschen im anatolischen Kleinstadt- und Dorfmilieu erleiden tiefgreifende Erschütterungen als sich eine heimtückische Epidemie auszubreiten beginnt: Einzelne Dorfbewohner verschwinden plötzlich spurlos. Das ganze Dorf ist beunruhigt, der Bürgermeister gerät mehr und mehr in Verzweiflung, die Verunsicherung wächst mit der Anzahl der Verschwundenen.

Der Ich-Erzähler und Autor treibt dabei ein ausgeklügeltes Spiel: Die reale Welt vermischt sich mit einer magischen Märchenwelt, Traum und Wirklichkeit gehen ineinander über. Den Leser erwartet ein Feuerwerk an erzählerischen Einfällen und faszinierender Sprachgewalt.

Die Stadtbibliothek Hanau lädt in diesem Jahr ins Olof-Palme-Haus (Pfarrer-Hufnagel-Straße 2) ein. Dort stellt die Schauspielerin und Autorin Renan Demirkan am Freitag, 17. Oktober, um 20 Uhr ihren neuen Roman "Septembertee oder das geliehene Leben" vor.

Renan Demirkan steht am Grab ihrer Mutter in deren türkischem Heimatdorf, erinnert sich noch einmal an die gemeinsamen Jahre und fragt nach den Vorstellungen von Leben und Glück, die ihre Generation mit der ihrer Mutter zugleich verbanden und von ihr trennten. Demirkan kam als Siebenjährige nach der türkischen Staatskrise 1962 nach Deutschland, wuchs in Hannover auf und machte eine erfolgreiche Karriere als Schauspielerin und Autorin.

In diesem Buch zieht sie die bewegende und sehr persönliche Bilanz eines Lebens, das geprägt war von der Frage nach der Identität zwischen den Kulturen und ihrer Vereinbarkeit. Diese "zwei Leben in einer Haut", so das Credo von Renan Demirkan, waren Last, wurden ihr aber zugleich auch zur Chance.

Renan Demirkan, Schauspielerin, Autorin, geboren 1955 in Ankara, lebt seit 1962 in Deutschland. Sie erhielt den Grimme-Preis sowie die Goldene Kamera und den Hessischen Filmpreis, 1998 das Bundesverdienstkreuz. Ihr Roman "Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker" stand monatelang auf der "Spiegel"-Bestsellerliste.

Seyran Ateş stellt am Donnerstag, 23. Oktober, um 20 Uhr im Olof-Palme-Haus ihr Buch “Der Multikuliti-Irrtum. Wie wir in Deutschland besser zusammenleben können” vor.

Vor mehr als dreißig Jahren kam Seyran Ateş mit ihrer Familie nach Deutschland. “Gastarbeiter” so nannte man ihre Eltern. Weder Türken noch Deutsche wollten damals, dass diese Gäste hier heimisch werden. Doch Seyran Ateş erkämpft sich einen Platz in einer noch längst nicht multikulturellen Gesellschaft. Die Juristin setzt sich vor allem für die Rechte von Migrantinnen ein.

Seyran Ateş vertritt unbequeme Positionen: “Multikulti, so wie es bisher gelebt wurde, ist organisierte Verantwortungslosigkeit.” In ihrem Buch führt sie aus, wie eine verfehlte Integrationspolitik und eine als Toleranz verkleidete Gleichgültigkeit zu Parallelgesellschaften, Ghettoisierung und Gewalt geführt haben. Und sie beschreibt, wie es gelingen kann, die Migranten und Migrantinnen langfristig in unsere Gesellschaft einzubinden.

Seyram Ateş wurde 1963 in Istanbul geboren und lebt seit ihrem sechsten Lebensjahr in Berlin. Sie ist Rechtsanwältin und arbeitete bei einer Beratungsstelle für Migrantinnen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt waren. Dort wurde sie von muslimischen Extremisten angeschossen. Nach ständigen Bedrohungen schloss sie ihre 1977 eröffnete Anwaltskanzlei und gab ihre Anwaltszulassung zurück.

Seyran Ateş betätigt sich jedoch weiterhin als Menschenrechtsaktivistin. Sie hat viel Auszeichnungen für ihren Einsatz insbesondere für muslimische Migrantinnen erhalten, auch den Bundesverdienstorden.
Etwas vertrauter als mit der türkischen Literatur sind viele mit den großen deutschen Dichtern und Denkern. Aber wie sieht es mit dem literarischen Hessen aus?

Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz, ausgewiesene Kenner der hessischen Literaturszene, stellen am Dienstag, 21. Oktober, um 20 Uhr in der Buchhandlung "Bücher bei Dausien" den Kalender "Literarisches Hessen 2009" vor und präsentieren ihren neuen Band "Die Büchners oder der Wunsch, die Welt zu verändern".

Anekdotenreich und unterhaltsam wird dieser Abend Einblicke geben in die Vielseitigkeit der hessischen Literatur, die von Grimmelshausen über Goethe und Büchner bis in die Gegenwart zu den Höhepunkten deutscher Literaturgeschichte führt.

Heiner Boehncke ist seit 1998 Literaturredakteur im Programmbereich Kultur Wissenschaft, Hans Sarkowicz Leiter dieses Bereiches beim Hessischen Rundfunk. Zusammen verfassten sie verschiedene Publikationen zur hessischen Literatur- und Kulturgeschichte.

Der Eintritt zu den Veranstaltungen kostet jeweils 5 Euro, Karten sind im Vorverkauf in der Buchhandlung Bücher bei Dausien und in der Stadtbibliothek am Schlossplatz 2 sowie über Frankfurt-Ticket Rhein-Main und an den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Internet: www.buecher-bei-dausien.de, www.stadtbibliothek-hanau.de

(rheinmain)


 


 

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