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Mindestens ein Glitzerturm zu viel

Übernahme der Dresdner Bank durch Commerzbank kostet Jobs in den Zentralen

(bo/ddp-hes). Unter den Angestellten der Frankfurter Hauptverwaltung der Dresdner Bank ist die Stimmung eher gereizt als gedrückt. In kleinen Grüppchen sitzen die Banker mit Schlips und Anzug am Mittag vor den Cafés im Finanzviertel der Innenstadt. Auf Besucher an ihren Tischen scheinen sie gut verzichten zu können. «Im Moment», sagt ein junger Jurist, der bei der Dresdner Verträge für Firmenkredite überprüft, «will hier eigentlich jeder nur wissen, wie es dem anderen geht».

Weil die Commerzbank die Dresdner Bank übernimmt, sollen in
Deutschland - die Angestellten wissen es seit Montag - rund 6500
Arbeitsplätze bei den fusionierenden Finanzinstituten überflüssig
werden. Vor allem aus den benachbarten Hochhäusern beider
Bankenzentralen in Frankfurts City werden einige Schreibtische nach
draußen getragen - das ist kein Geheimnis. Die bisher konkurrierenden
Glitzertürme stehen in fußläufiger Entfernung zueinander, und
tatsächlich sind es drei Hochhäuser, denn die Dresdner hat zwei
Bürobauten nebeneinander errichtet.

«Aber eigentlich brauchen die zukünftig nur noch einen von den
Dreien», sagt der Jurist und Kreditfachmann der Dresdner. Dass er
seine junge Karriere demnächst vielleicht woanders fortsetzen oder
neu beginnen wird, sei ein Umstand, mit dem er habe rechnen müssen,
sagt er. «Das ist heute nichts Ungewöhnliches, selbst wenn den
meisten Kontinuität in der Karriere wohl doch lieber ist.» Nach
seinem «ziemlich guten» Examen habe er auch mit einer Richterlaufbahn
geliebäugelt: «Aber ich habe mich eben gegen genau diese Kontinuität
entschieden.»

Jetzt, in der Mittagspause , trinkt er seinen Kaffee in einer
Filiale einer US-amerikanischen Coffeeshop-Kette. Begleitet wird er
von einer Kollegin aus der IT-Abteilung der Dresdner Bank. Die
40-jährige Informatikerin spricht ausgezeichnet Deutsch, mit
osteuropäischem Akzent. Ob er womöglich in der Slowakei oder der
Ukraine seinen Ursprung hat, verrät sie nicht. «Aber», sagt sie mit
einem Lächeln, «gerade dort braucht man IT-Leute mit internationaler
Erfahrung».

In Deutschland, erzählt sie, «habe ich studiert, geheiratet, einen
tollen Arbeitsplatz gefunden und mich von meinem Mann wieder
getrennt». In die Heimat zurückzukehren habe sie sich schon immer
vorstellen können. Dort einen guten Job zu finden, sei das geringere
Problem. «Vielleicht ist es schwieriger zu Hause einen passenden
Partner zu finden», sagt sie. Doch eigentlich rechne sie nicht damit,
demnächst ihren Job zu verlieren. «Während der Fusion wird in der
IT-Abteilung Hochbetrieb herrschen.»

Am Springbrunnen zwischen den beiden Dresdner-Bank-Türmen sitzen
zwei junge Frankfurterinnen. Sie haben im Finanzinstitut mit dem
«Grünen Band» ihre Ausbildung zur Bank- und Großhandelskauffrau
absolviert. «Wenn sie bei uns Jobs streichen, werden wir es als
Letzte erfahren», sagt eine der beiden Frauen. Daher lohne es kaum,
sich über einen möglichen Arbeitsplatzverlust Gedanken zu machen.
Schlimm wäre es, natürlich. In ihrer Abteilung heiße es in solchen
Fällen nur: «Shit happens!»

(rheinmain)


 


 

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