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Ulrich Fried

Mehr als drei Jahrzehnte im Kampf gegen Steuerverschwendung - Ulrich Fried geht in den Ruhestand

Brücken, die ins Nichts führen, Buswartehallen, an denen keine Busse verkehren, luxuriöse Radfahrbrücken, die kaum genutzt werden - Ulrich Fried kann viele skurrile Fälle von Steuerverschwendung in Hessen aufzählen. 35 Jahre lang war der gebürtige Schwabe für den Bund der Steuerzahler aktiv, seit 1994 war er der Vorsitzende in Hessen. Am 31. Dezember ist für Fried Schluss. Dann muss sein Nachfolger Joachim Papendick den Vorreiter im Kampf gegen Steuerverschwendung geben.

"Eigentlich musste ich in dem Verein landen", sagt Fried in der Nachbetrachtung. Nicht weil er aus einer sparsamen schwäbischen Familie stammt. Sondern weil er schon als Schüler Begeisterung für unbequeme Zeitgeister empfand. Für seinen Abituraufsatz in Deutsch hatte sich Fried ein Gedicht von Günter Eich herausgesucht. Ein Satz darin hatte es dem jungen Fried besonders angetan: "Seid unbequem, seid Sand, nicht Öl im Getriebe der Welt", hieß es da. "Das habe ich mir irgendwie zu Herzen genommen", erinnert sich Fried, der dann Volkswirtschaft studierte und 1977 als Referent für Haushaltspolitik im Bundesverband der Steuerzahler anfing.

Nach seinen größten Erfolgen im Kampf gegen Steuerverschwendung befragt, spricht Fried von "zwei Leuchttürmen". Zum einen die durch eine Initiative des Steuerzahlerbundes verhinderte üppige Erhöhung von Diäten und Altersrenten im hessischen Landtag 1988. Nachdem ein Gutachten die geplante Selbstbedienung offen gelegt hatte, wurde der Coup abgeblasen. Die Initiatoren des Projekts, Landtagspräsident Jochen Lengemann (CDU) und dessen Vize Erwin Lang (SPD), mussten zurücktreten.

Größter Erfolg die Schuldenbremse

Als zweiten großen Erfolg bezeichnet Fried die Verankerung der Schuldenbremse in der hessischen Verfassung. "Da haben wir kräftig mitgewirkt", betont der Steuerexperte. Als persönlichen Erfolg wertet es Fried, dass er bei seiner Arbeit nachweislich immer überparteilich geblieben sei: "Es hat mich immer geehrt, dass ich von allen Seiten angegriffen wurde." Dabei sei der Ton aber immer sachlich und konstruktiv gewesen.

Im Laufe seiner Tätigkeit hat Fried ein halbes Dutzend hessische Finanzminister kommen und gehen sehen. Auch mit dem aktuellen Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) war Fried "nicht immer einer Meinung". Vor allem das teure Domizil der hessischen Landesvertretung in Brüssel ist Fried ein Dorn im Auge. Dennoch wird der scheidende hessische Oberwächter der Steuerzahler von Schäfer ausdrücklich gelobt: "Mit Herrn Fried verband mich ein kollegiales und zugleich spannendes Verhältnis, das sich aus unseren unterschiedlichen Funktionen naturgemäß ergibt. Für sein Engagement bei der Schuldenbremse danke ich ihm auch persönlich."

Die Reibereien mit Politikern wird der Vater zweier erwachsener Kinder nun hinter sich lassen. Stattdessen will er mehr Zeit für seine vier Enkelkinder haben und von Hofheim aus vermehrt die Welt bereisen. "Ich habe schon viel gesehen von der Welt, aber noch längst nicht alles", freut sich Fried auf seinen Ruhestand. Im kommenden Jahr hat er eine Reise nach Namibia und Botswana geplant.

Von Oliver Teutsch

(dapd)


 


 

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